Wildes und ungestümes Klavierspiel

Vierhändige Vorträge von Lucas und Arthur Jussen bei den Niedersächsischen Musiktagen in Stuhr

Spielen bei den Musiktagen auf Gut Varrel: Lucas und Arthur Jussen
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Spielen bei den Musiktagen auf Gut Varrel: Lucas und Arthur Jussen

Die Niedersächsischen Musiktage machen auch in diesem Jahr auf Gut Varrel Station. Dort treten am 2. September die Brüder Lucas und Arthur Jussen auf. Schwerpunkt ihres Klavierkonzerts ist das Stück „Sacre du Printemps“. 

Stuhr – Klassische Musik im Stuhrer Ratssaal. Vier Hände fliegen über die Tasten eines Klaviers. Wild und ungestüm. Am Instrument sitzen dicht gedrängt die Brüder Lucas und Arthur Jussen und interpretieren Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“. Die Rückkehr zum kulturellen Normalbetrieb? Ja und nein. Während einer Pressekonferenz flimmert ihr Auftritt nur als Video über die Leinwand.

Doch schon bald gibt es tatsächlich die Gelegenheit, die beiden live zu erleben. Im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage gastieren sie am Donnerstag, 2. September, um 19.30 Uhr auf Gut Varrel. Es ist das einzige Konzert dieser Serie im Landkreis Diepholz.

Niedersächsische Musiktage unter dem Motto „Rituale“

Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Motto „Rituale“ – übernommen von den ausgefallenen Musiktagen im vergangenen Jahr. Der Intendant Anselm Cybinski hebt den Aspekt des Zusammenhalts bei Ritualen hervor: „Wie finden sich Menschen zusammen im gemeinsamen Handeln statt in ihrem Egoismus, Narzissmus und Selfie-Gehabe zu baden? Was verleiht uns Sicherheit?“ Es gehe nicht  darum, Rituale zu zeigen, sondern um die Kraft, die darin stecke.

Das Rituelle finde sich immer wieder in der klassischen Musik. Das vierhändige Klavierspiel etwa habe zu den wichtigsten hausmusikalischen Ritualen des 19. Jahrhunderts gehört. „Wer damals Kammermusik bekannt machen wollte, bestellte sich ein Klavier und versuchte, sich so die Musik zu erschließen“, erklärt Cybinski. Laut Mitteilung sind viele Jahre der Zusammenarbeit vonnöten, „um die wohl intimste Form des Duospiels zu echter Vollkommenheit“ zu entwickeln. Sie bedinge das Zurückstellen von Eitelkeiten, sagt Cybinski. Viele Brüderpaare seien bekannt für diese Art des „eng verschlungenen Musizierens“.

Anselm Cybinski ist seit 2018 Intendant der Musiktage.

Auf das vierhändige Klavierspiel verstehen sich auch Lucas und Arthur Jussen, zwei Brüder aus Hilversum. Erst 28 und 25 Jahre alt, sind die beiden laut Cybinski schon seit zehn Jahren Stars, obwohl sie heute noch studieren. Ihren letzten Schliff hätten sie sich bei der portugiesischen Meisterpianistin Maria João Pires geholt. Er selbst sei „unglaublich gefesselt“ gewesen bei einem Auftritt der Niederländer. Die beiden hätten ihn mit ihrer „Ernsthaftigkeit und Eindringlichkeit“ beeindruckt.

Mit „Le Sacre du Printemps“ widmen sie sich in Varrel dem Skandalwerk aus dem Jahr 1913. „Nicht nur wegen der Musik an sich, sondern vielmehr wegen seiner Choreografie bei der Uraufführung in Paris“, sagt Cybinski. „Der Ritus des Frühjahrs“, so die Übersetzung des Titels, ist laut Pressemitteilung ein „einziger Rausch aus Rhythmus, Groove und Tanz“. Etwas Raues, Urtümliches habe dieses Stück, sagt Cybinski. „Der wilde, fast lustlose Vortrag“ habe die Pariser Kultursnobs seinerzeit schockiert. „Was sonst ein riesiges Orchester spielt, bringen die Brüder mit vier Händen zu Gehör.“

Lucas und Arthur Jussen: Debüt-CD mit Platin ausgezeichnet

Ihre Debüt-CD mit Werken von Beethoven wurde laut Pressemitteilung mit Platin ausgezeichnet. Die Mozartkonzerte, begleitet von der Academy of St. Martin in the Fields, erreichten Gold-Status. Und auch ein Schubert-Album haben die beiden schon veröffentlicht. Vierhändiges von Wolfgang Amadeus Mozart (Sonate für Klavier zu vier Händen D-Dur KV 381), Franz Peter Schubert (Fantasie in f-Moll D 940) und Felix Mendelssohn Bartholdy (Andante und Allegro brillante A-Dur op. 92) kommt auch in Varrel vor dem Hauptstück „Le Sacre du Printemps“ zur Geltung.

Ritual im Sinne von Tradition trifft als Motto auch auf die Beteiligung Stuhrs an den niedersächsischen Musiktagen zu. „Ich mache seit über 20 Jahren Marketing, und ich kann mich nicht daran erinnern, dass Stuhr mal nicht mitgemacht hätte“, sagt Ralf Warneke, Marketing-Chef der Kreissparkasse Syke. „Wunderbar, diese Stabilität und Treue“, lobt auch Cybinski das Engagement der Gemeinde. Neben der Kommune und der KSK ist die niedersächsische Sparkassenstiftung der dritte Partner im Bunde.

Laut Warneke sollten die Liebhaber klassischer Musik nicht zu lange mit dem Kauf von Tickets warten. Als Grund nennt er die durch die Corona-Bestimmungen eingeschränkte Besucherzahl.

Eintrittskarten

Tickets zum Preis von 22 oder 17 Euro (ermäßigt 17 oder 12 Euro) gibt es in der Stuhrer Filiale der Kreissparkasse an der Blockener Straße oder unter www.musiktage.de.

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