„Wichtig: Gemeinsam essen“

Ernährungsberaterin Tomma Günther referiert über Adipositas bei Kindern

Brinkum - In der Reihe „Werkstatt Erziehung“ der freien Träger der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe Stuhr spricht Tomma Günther am Donnerstag zum Thema „Adipositas bei Kindern“. Zeit und Ort: um 19.30 Uhr im Lesecafé der Bibliothek Brinkum, Jupiterstraße 1. Tomma Günther ist selbstständige Ernährungsberaterin und Diätassistentin. Sie praktiziert in Thedinghausen. Im Gespräch mit Redakteur Andreas Hapke gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit. Die Zuhörer haben morgen ebenfalls Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Frau Günther, was würden Sie sagen, wenn ich meinem Kind mittags eine Portion Pommes zur Schule bringe, weil dort gesund gekocht wird und ich denke, es wird nicht satt?

Tomma Günther: Ich würde mir solche Eltern ins Gespräch holen. Ich würde erfahren wollen, aus welchem Verhalten heraus das passiert, um dann gemeinsam einen Weg zu finden, das Kind in eine gute Ernährungssituation zu bringen.

Expertin in Ernährungsfragen: Tomma Günther aus Thedinghausen. - Foto: privat

Das Beispiel stammt aus den USA, wo inzwischen schätzungsweise 4,5 Millionen Kinder und Jugendliche an besonders schwerer Fettleibigkeit leiden. Welchen Anteil hat diese Altersklasse in Ihrer täglichen Arbeit?

Tomma Günther: In der Therapie und der Ernährungsberatung würde ich sagen um die 40 Prozent. Da sind auch die Eltern dabei, die wegen ihrer Kinder zu mir kommen.

H at der Anteil adipöser Kinder auch hierzulande zugenommen? Und wenn ja, was sind die Ursachen?

Tomma Günther: Zugenommen ja, und die Tendenz ist steigend. Es gibt immer mehr industriell gefertigte Produkte, die zum Beispiel zucker- und fettlastig sind. Viele Eltern versuchen zwar, einen gesunden Aspekt in die Ernährung ihrer Kinder zu bringen, aber oft fehlt das Geld. Das Thema steht auch mehr im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Die Leute sind sensibilisiert, ihre Sichtweise hat sich verändert.

Wie erleben Sie die Kinder, die in Ihre Beratung kommen?

Tomma Günther: Das hängt vom Alter ab und davon, unter welchen Voraussetzungen das passiert. Werden sie geschickt? Wird ihnen die Therapie übergestülpt, vom Arzt verordnet? Dann merkt man den Kindern an, dass die Zustimmung fehlt. Anders ist es, wenn sie von den Eltern motiviert werden oder sogar aus Eigeninitiative kommen. Dann sind sie offener und ich kann ganz anders mit ihnen arbeiten. Es gibt Jugendliche, die mit 12, 13 Jahren aus ästhetischen Gründen etwas unternehmen wollen – oder weil sie Ernährungstrends nacheifern.

Ab wann müssen sich die Eltern Sorgen machen?

Tomma Günther: Nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Denn dann wird der Nachwuchs vielleicht in der Schule gemobbt und geärgert, er kann beim Sport unter Umständen nicht mehr mithalten. Ist das Kind erst fettleibig, dann muss man sehen, wie man die Kehrtwende erreicht. Wichtig ist, dass Eltern und Kinder bei der Zielsetzung an einem Strang ziehen. Manchmal ist es schon ein guter Ansatz, wenn sie sich darauf verständigen, das Gewicht zu halten.

Wo sind die wesentlichen Unterschiede in der Beratung und Therapie von adipösen Kindern auf der einen und Erwachsenen auf der anderen Seite?

Tomma Günther: So gravierende Unterschiede gibt es da gar nicht. Erwachsene sind natürlich durch Lernprozesse geprägt und in ihren Sichtweisen festgelegter. Kinder kommen neugierig, offen und experimentierfreudig daher. Bei ihnen komme ich auf spielerische Art besser ans Ziel als bei Erwachsenen mit ihrer fixen Haltung.

Ohne allzu viel von Ihrem Vortrag vorwegzunehmen: Was empfehlen Sie den Eltern vorbeugend?

Tomma Günther: Die Regelmäßigkeit der Essenszeiten einzuhalten und über das Frühstück einen gesunden Start in den Tag sicherzustellen. Für die Schule eine gesunde Brotdose. Wichtig sind die gemeinsamen Mahlzeiten, das kommt in vielen Familien zu kurz. Auch der gemeinsame Einkauf, die Heranführung an gesunde Lebensmittel. Sich mal mit dem Kind die Verpackungen anschauen, frische Lebensmittel in die Hand nehmen, Sachen daraus selber kochen.

Auf Ihrer Homepage bieten Sie Einkaufstraining an. Machen Menschen davon Gebrauch?

Tomma Günther: Wenige. Im Einzelfall mache ich Einkaufscoachings in meinen Räumen, nach Bedarf auch im Supermarkt. Wo stecken Kalorien drin? Was sind die Fett- und Zuckerquellen? Daraufhin schauen wir uns Verpackungen an. Die Schulung von Gruppen vor Ort ist eine Möglichkeit.

Sie haben auch diverse Rezepte online gestellt. Geht bei Kindern eigentlich lecker ohne süß?

Tomma Günther: Selbstverständlich. Süße kann man auch über Obst erreichen. Meine Botschaft lautet: Mehr frisch zubereiten und reflektieren: Wann hatte ich zum letzten Mal Obst, wann Gemüse?

Rubriklistenbild: © dpa

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