Weyher bereitet sich auf MPU vor

„Mit 1,7 Promille fühlte ich mich fahrtauglich“

+
Wer angetrunken Auto fährt, könnte seinen Lappen für lange Zeit verlieren – und muss später vielleicht zur MPU.

Brinkum / Weyhe - Von Andreas Hapke. Matthias Holt (Name von der Redaktion geändert) hat ein großes Ziel vor Augen: Knapp acht Jahre, nachdem ihn die Polizei angetrunken am Steuer seines Wagens erwischt hatte, könnte er seinen Führerschein zurückbekommen. Nach einem Kurs bei Release, dem Netzwerk psychosozialer Hilfen in Brinkum, fühlt er sich gut auf die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) vorbereitet.

Mit 1,7 Promille Alkohol im Blut hatte sich Holt damals in sein Auto gesetzt, um einkaufen zu fahren. „Ich war mir keiner Schuld bewusst, ich fühlte mich fahrtauglich“, sagt er. Und dann sei da immer das Gefühl gewesen: Es wird schon gutgehen. Ging es aber nicht. Auf dem Rückweg geriet er in eine Polizeikontrolle. 500 Meter später wäre er zu Hause gewesen, was ihn damals sehr geärgert hatte. Heute denkt er anders darüber: „Es war gut, dass ich erwischt wurde.

Private Probleme, Alkohol, noch mehr private Probleme, und auch in der Firma lief es nicht mehr rund. Irgendwann war Holt nicht nur den Lappen los, sondern auch seinen Job. Diesen Teufelskreis hat er erst Anfang 2016 durchbrochen. Schon damals wandte er sich an Release, „weil ich es ohne Hilfe nicht mehr lange ausgehalten hätte. Ich habe eine Flasche Wodka pro Tag gebraucht, um den Zwei-Promille-Level zu halten. Ich war körperlich am Ende“.

Es folgten zwei Wochen qualifizierter Entzug in einer Klinik in Damme und drei Monate Therapie in den Fachkliniken St. Marien in Neukirchen-Vörden. Seitdem ist der Weyher nicht nur trocken, er hat auch sein Leben wieder in den Griff bekommen. Im Sommer vergangenen Jahres kehrte er in seinen Beruf als Kaufmann zurück.

Zurzeit wartet Holt auf das Ergebnis seiner dritten Haarprobe, eine vierte steht noch aus. Ende August, hofft er, könnte er seinen Lappen wieder in den Händen halten. Für seinen Job benötige er das Auto aber nicht. Insofern verspüre er auch keinen Druck, seinen Führerschein zurückzubekommen. „Ich möchte das jetzt einfach für mich.“

Führerschein in Polen kommt nicht in Frage

Neuer Führerschein in Polen statt MPU in Deutschland – über diese Alternative haben wir an dieser Stelle bereits berichtet – kam für Holt nie in Frage. Es war ihm wichtig, sich intensiv mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen. Sowohl in der Therapie als auch in der Vorbereitung auf die MPU hat er sich ausgiebig mit seiner Trunkenheitsfahrt, seinem früheren Trinkverhalten und seiner zwischenzeitlichen Entwicklung auseinandergesetzt.

Wie erklären Sie sich, dass es zu dem Delikt kommen konnte? Welche Bedeutung hatte es für Sie, wenn Sie Alkohol tranken? Wieso haben Sie damit aufgehört? Welche Alternativen haben Sie entwickelt, in denen Sie früher Alkohol konsumierten? Mit solchen oder ähnlichen Fragen wird sich Holt während der MPU konfrontiert sehen.

Zeit mit dem Sohn wichtig

„Wenn ich nicht mit dem Trinken aufgehört hätte, wäre mein Sohn jetzt Halbwaise“, ist sich Holt sicher. „Ich möchte Zeit mit ihm verbringen. Auch das ist ein Grund, mich zusammenzureißen.“ In kritischen Situationen spiele er Dart oder höre Musik. „Wenn das nicht reicht, wähle ich eine Telefonnummer aus meinem Notfallheft, damit ich mit jemandem quatschen kann.“ Dort stehen andere Kontakte drin als die von früher, denn mit dem Trinkverhalten hat sich auch sein soziales Umfeld verändert. „Früher wurde ich ausgeschlossen, weil ich gesoffen habe, und später, weil ich es nicht mehr tat. Heute finden es die meisten toll, dass ich die Therapie durchgezogen habe und abstinent lebe.“

Um sich gar nicht erst in Notlügen zu verstricken, spielt Holt bei gesellschaftlichen Anlässen immer mit offenen Karten. Eine Einstellung, die ihm bei der MPU weiterhelfen wird. Denn auch dort gilt: „Rumdrucksen ist nicht. Der Gutachter will sehen, dass das, was ich in der Therapie gelernt habe, auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Die Antworten müssen widerspruchsfrei, glaubhaft und nachvollziehbar sein.“ Sorgen bereitet ihm das nicht. Holt ist mit sich im Reinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Erdogan-Party in der Türkei: AKP-Anhänger feiern möglichen Wahlsieg wie WM-Triumph

Erdogan-Party in der Türkei: AKP-Anhänger feiern möglichen Wahlsieg wie WM-Triumph

WM-Aus für Lewandowski: James führt Kolumbien zum 3:0

WM-Aus für Lewandowski: James führt Kolumbien zum 3:0

Fotos vom Hurricane-Abschluss am Sonntagabend

Fotos vom Hurricane-Abschluss am Sonntagabend

Federer verliert Finale und Nummer 1 - Kein Jubel bei Zverev

Federer verliert Finale und Nummer 1 - Kein Jubel bei Zverev

Meistgelesene Artikel

Rabatt in Höhe von 15 Prozent für MIA-Einwohnerticket

Rabatt in Höhe von 15 Prozent für MIA-Einwohnerticket

14 Tage Schonfrist für Dauerparker

14 Tage Schonfrist für Dauerparker

„Geht den Weg eurer Träume“

„Geht den Weg eurer Träume“

Kliniken wieder unter dem Dach des Landkreises 

Kliniken wieder unter dem Dach des Landkreises 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.