Rüdiger Weber soll zahlen

Postbote wollte Hunde retten – doch an Heiligabend landet Klageschrift im Haus

Rüdiger Weber soll sich vor Gericht für eine Rettung verantworten.
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Rüdiger Weber soll sich vor Gericht für eine Rettung verantworten.

Der Postbote Rüdiger Weber wollte in Weyhe zwei Hunde in einem Auto vor einem tödlichen Hitzschlag bewahren. Nun soll er sich vor Gericht verantworten und Schadensersatz für die Autoscheibe zahlen, die er für die Hunderettung eingeschlagen hatte. Streitwert: 327,77 Euro nebst Zinsen sowie 96,28 Euro Kosten für den Rechtsanwalt des Hundehalters.

  • Rüdiger Weber wollte im Sommer zwei Hunde in einem Auto vor einem Hitzschlag bewahren.
  • Doch die Hundebesitzerin drohte dem Postboten rechtliche Folgen an.
  • Nun landete an Heiligabend tatsächlich die Klageschrift im Haus.

Stuhr – Rüdiger Weber will sich wehren und hat Kontakt zu einem Rechtsanwalt aufgenommen. „Er hatte mir via Facebook seine Hilfe angeboten“, so der Hundefreund. Der förmliche Brief mit der Klageschrift hatte lange Schatten auf das Weihnachtsfest des Postboten geworfen. „Ich war allein“, berichtet er, weil seine Eltern in Coronazeiten altersbedingt zur Risikogruppe gehören. Aber, so sagt Rüdiger Weber, „es ist ja für alle ein bescheidenes Jahr“. Die Klageschrift habe er ausgerechnet an Heiligabend im Briefkasten gefunden, so der Stuhrer. Er war so geschockt, dass er besagtem hilfsbereiten Rechtsanwalt noch am selben Tag eine Nachricht zukommen ließ. „Er hat sich gleich zurückgemeldet“, freut sich der Postbote.

Hunderettung in Weyhe: Postbote nutzt Weihnachten, um Fakten zu digitalisieren

Den ersten Weihnachtstag habe er damit verbracht, alle Fakten und Informationen zum Fall zu fotokopieren und zu digitalisieren, sagt der Stuhrer. Die Unterlagen habe er noch am selben Tag in den Briefkasten des Anwalts geworfen. Weber will einen weiteren Brief dem Amtsgericht Syke zukommen lassen – mit der Erwiderung auf die Klageschrift, sprich mit der Zusage, sich verteidigen zu wollen. „Ein Zeuge soll das filmen“, sagt Rüdiger Weber. So will er dokumentieren, dass er die Frist eingehalten hat. Es belastet ihn, dass er Schadensersatz zahlen soll, weil er in einer Notsituation Verantwortung übernommen habe.

Ihm waren am 5. August die Hunde im Kofferraum eines Autos aufgefallen. „Die Sonne schien, und das rundum geschlossene Fahrzeug stand nicht im Schatten“, blickt er zurück. Als ihn die zwei Hunde aus dem Kofferraum des Autos anbellten, machte er sich gemeinsam mit einem Anwohner auf die Suche nach dem Besitzer – ohne Erfolg. Deshalb informierte er per Notruf die Polizei. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis Beamte des Kommissariats Weyhe den Halter des Fahrzeugs ausfindig gemacht und den Besitzer über die Lage informiert hatten. In der Zwischenzeit hatte der Postbote aus Angst um die Tiere „die kleinste Scheibe am Auto“ eingeschlagen, wie er ausdrücklich betont.

Postbote aus Weyhe: Facebook-Nutzer bieten Weber ihre Hilfe an

Schon damals habe ihm die Hundebesitzerin rechtliche Folgen angedroht, blickt der Postbote zurück, der selbst mit einem Hund aufgewachsen ist. Dass sie das umsetzen würde, glaubte Rüdiger Weber damals nicht. Post aus einer Rechtsanwaltskanzlei belehrte ihn eines Besseren. Der Aufforderung, für die Reparatur der zerstörten Scheibe 327,77 Euro und die Rechtsanwaltskosten zu zahlen, kam der Postbote nicht nach: „Es war ja eine Notsituation.“

Das bestreitet der Anwalt der Gegenseite: „Eine rechtfertigende Notstandssituation bestand nicht“, schreibt er – und sieht eine „Überreaktion“ des Beklagten. Den Hunden habe „über einen speziellen Autotrinknapf“ genügend Wasser zur Verfügung gestanden.

Rüdiger Weber kann sich Spendenaktion vorstellen

Indes erhielt Rüdiger Weber viele bestärkende Rückmeldungen. Allein in den sozialen Netzwerken hatten knapp 200 Facebook-Nutzer auf den Fall reagiert. 20 boten sogar Spenden an, sollte er verklagt werden. Will er diese Angebote annehmen? „Ich habe da noch nichts gemacht. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich das brauche“, antwortet er und informiert sich gerade über die Möglichkeiten einer Online-Spendenaktion. Geld würde er nur zur Vorsorge annehmen. „Wenn ich nicht zahlen muss, würde ich alles dem Tierheim Brinkum spenden“, so seine Überlegung. „Oder ich würde es den Spendern auf Wunsch zurückzahlen“, fügt er hinzu. Doch noch gibt es die Aktion nicht.

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