Wer profitiert?

Stuhrer Immobilienmakler über die Gesetzesänderung zur Maklerprovision

Schüsselübergabe: Durch eine Gesetzesänderung dürfen Immobilienverkäufer die Maklerprovision nicht mehr ausschließlich auf den Käufer abwälzen.
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Schüsselübergabe: Durch eine Gesetzesänderung dürfen Immobilienverkäufer die Maklerprovision nicht mehr ausschließlich auf den Käufer abwälzen.

Die Courtage – also die Maklerprovision – darf seit dem 23. Dezember nicht mehr komplett auf den Käufer einer Immobile abgewälzt werden. Der Verkäufer muss mindestens die Hälfte davon selbst zahlen. Wer profitiert von dieser Gesetzesänderung und welche Auswirkungen hat die Anpassung auf die Vermittler? Die Kreiszeitung hat bei Stuhrer Immobilienmaklern nachgefragt.

Stuhr – „Insgesamt ändert sich eigentlich nicht viel“, sagt Thomas Ahrens von Oestmann & Ahrens Immobilien. Weder für den Verkäufer einer Immobilie noch für den Käufer, und auch nicht für den Makler. Für alle Beteiligten ändere sich lediglich etwas an der Kostenverteilung, „aber der Käufer bezahlt das gleiche und der Verkäufer bekommt auch das gleiche“.

Warum das so ist: „Die Provision wird in den Kaufpreis inkludiert“, erklärt Thomas Ahrens. Das heißt konkret: Weil die Courtage, die der Käufer zu leisten hat, geringer ausfällt, erhöhe sich der Kaufpreis entsprechend. „So erhält der Eigentümer den Preis, den er nach unserer Beratung für die Immobilie bekommen möchte“, sagt er. Und das, obwohl der Verkäufer Teile der Provision selbst tragen muss. Weil sich also niemand benachteiligt fühle, seien die Reaktionen von Käufern und Verkäufern in der Regel sehr moderat.

Neues Maklergesetz findet Anklang

Dass dieses neue Prinzip bei beiden Parteien Anklang finde, bestätigt Immobilienmakler Volker Twachtmann von Hechler & Twachtmann. Er stimmt auch zu, dass sich nur wenig für Käufer und Verkäufer ändere. Er widerspricht aber in dem Punkt, dass die Immobilienpreise wegen der Gesetzesänderung so angepasst werden, dass der Käufer immer das zahlt, als müsste er die Courtage allein tragen. „Das sehe ich anders. Die Immobilienpreise steigen zwar, aber das ist nicht ausschließlich auf die Gesetzesänderung zurückzuführen“, sagt er. Diese Tendenz habe es schon vorher gegeben.

Dennoch stellt sich die Frage: Wozu der ganze Aufwand einer Gesetzesänderung, wenn vieles gleich bleibt? Thomas Ahrens hat da eine Ahnung: „Der Einzige, der letztlich davon profitiert, ist der Staat.“ Weil der Kaufpreis insgesamt höher ausfalle, falle auch die Grunderwerbssteuer höher aus. Diese Steuer zahlt in der Regel der Käufer. Aber im Vergleich zum Kaufpreis falle die Steuer für den Käufer kaum ins Gewicht.

Volker Twachtmann meint: „Ein Teil der Provision wird sicherlich auf den Kaufpreis abgewälzt.“ Ob das allerdings ausschlaggebend für die Änderung war, bezweifelt er. „Wir reden über geringe Summen.“

Austausch zwischen Makler und Verkäufer wird intensiver

Thomas Ahrens ist in den vergangenen Monaten aufgefallen, dass sich Menschen, die ihr Haus verkaufen wollen, intensiver mit der Frage beschäftigen, welchen Makler sie für das Geschäft heranziehen wollen. „Früher haben wir einen Auftrag bekommen, ein Haus zu vermitteln, und sind dann losgezogen. Heute dauern die Gespräche mit dem Verkäufer länger“, erzählt er. Der Austausch sei insgesamt enger geworden.

Volker Twachtmann erkennt unter diesem Gesichtspunkt eine marktbereinigende Funktion im neuen Maklergesetz: „Das ist das, was der Gesetzgeber will.“ Er erklärt: „Wir haben dadurch einen klaren Rahmen. Maklerverträge müssen zum Beispiel schriftlich sein.“ Die Informationspflicht des Maklers gegenüber dem Kaufinteressenten sei darüber hinaus stark ausgeweitet worden. „Das sorgt für mehr Transparenz. Ich hoffe, dass sich der Markt dadurch deutlich professionalisiert.“

„Besonders für uns alteingesessene Makler ist das ein Vorteil“, erklärt Thomas Ahrens. In der Region stark verwurzelte Immobilienmakler mit Tradition würden gegenüber unbekannten Anbietern – zum Beispiel aus dem Internet – bei der Verkaufspartei einen gewissen Vertrauensvorschuss bekommen. Wer diesen Vertrauensvorschuss nicht missbraucht, habe dann gute Chancen, einen dauerhaften Partner zu bekommen.

„Qualität zahlt sich aus“, meint Volker Twachtmann in diesem Zusammenhang. Denn die Makler vor Ort würden am besten Bescheid wissen über die Mängel, aber auch die Stärken eines Verkaufsobjektes. „Jede Immobilie ist ein Individuum“, erklärt er.

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