„Wenn nicht wir, wer dann?“

Flüchtlingsnetz bastelt Schultüten und sammelt Tornister für Flüchtlingskinder

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Haliema (12, r.) und Ayman (7) greifen Ute Sydow (hinten l.) und Dörthe Siemers-Wulff vom Flüchtlingsnetz Stuhr beim Gestalten der Schultüten unter die Arme.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Heute wird wieder gebastelt im Treffpunkt B5 an der Bremer Straße in Brinkum. Mit Hilfe von Kindern aus der benachbarten Lernwerkstatt Büffelstübchen gestalten Ute Sydow und Dörthe Siemers-Wulff vom Flüchtlingsnetz Stuhr Schultüten für Flüchtlingskinder.

Zum dritten Mal kümmern sich die Ehrenamtlichen darum, dass Mädchen und Jungen mit Migrantenhintergrund bei der Einschulung nicht ohne eine bunte Tüte dastehen. „Diese Tradition ist ja nur im deutschsprachigen Raum bekannt“, sagt Dörthe Siemers-Wulff.

Zehn ABC-Schützen haben die Helfer zurzeit auf ihrer Liste. Allein acht von ihnen besuchen nach den Ferien die Grundschule Brinkum, jeweils ein Sprössling kommt nach Varrel und Seckenhausen. Laut Ute Sydow kann sich das aber noch kurzfristig ändern, in Folge von Zuweisungen etwa. „Vor ein paar Tagen wussten wir nur von sechs Kindern“, sagt sie. Hussein Moubarak, Mitbegründer des Netzwerks und inzwischen bei der Gemeinde angestellt, hält die Frauen auf dem Laufenden.

Am Donnerstag hat die Koordinatorin noch einmal einen Discounter „geplündert“, um die Schultüten mit notwendigen Unterrichtsmaterialien wie Schere, Stifte und Pinsel zu bestücken. Laut Dörthe Siemers-Wulff kommt nur eine kleine Süßigkeit hinzu. Was nicht passt oder zu schwer ist, die Knete zum Beispiel wiegt allein 300 Gramm, überreichen die Helfer in einem separaten Stoffbeutel.

Ein Blick auf die lange Materialliste

Ein Blick auf die knapp eineinhalb Seiten lange Materialliste der Grundschule Brinkum zeigt: Die Kinder müssen genormte Bleistifte und Pinsel mitbringen, auch einen „Holzstehsammler Din A4“ von Ikea. „Alles zusammen kostet locker 160 Euro“, sagt Dörthe Siemers-Wulff. Über das Bildungs- und Teilhabepaket stehen den Familien laut Ute Sydow gerade mal 70 Euro zur Verfügung.

„Das ist natürlich auch für viele deutsche Familien, die wenig Geld haben, ein Hammer. Aber sie verstehen immerhin noch die Sprache.“ Deshalb erklärt sich die Seckenhauserin oft bereit, gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten Bücher wie das „Schreiblernheft Oxford/Landré, Din A4, Querformat Nr. 311401600“ im Handel zu bestellen.

„Wenn wir es nicht machen, dann macht es niemand“, sagt Ute Sydow. Dann würden die Kinder bei der Einschulung nicht nur ohne Schultüte und Unterrichtsmaterial kommen, sondern vielleicht auch ohne Tornister. „Wir haben auf Facebook dazu aufgerufen, Schulranzen zu spenden“, erzählt Dörthe Siemers-Wulff. Bislang seien aber nur drei Exemplare zusammengekommen.

Begleitung am Einschulungstag

Darüber hinaus begleiten die Ehrenamtlichen die Flüchtlingskinder und -familien am Einschulungstag. Ute Sydow: „Inzwischen können wir aber nicht mehr jedem einen Begleiter zur Seite stellen. Es geht nur noch um die Frage, wer nach Brinkum, Seckenhausen oder Varrel fährt.“ Grund: Dem Netzwerk fehlt es mittlerweile an Unterstützern.

Neben dem Engagement sei auch die Spendenbereitschaft zurückgegangen. „Unsere Kasse ist praktisch aufgebraucht“, sagt Ute Sydow, die grundsätzlich nur im Angebot einkauft. „Wir haben in diesem Jahr noch keinen Cent bekommen“, berichtet Dörthe Siemers-Wulff und schiebt mit Nachdruck hinterher: „Null komma null.“

Wer also noch mitmachen möchte beim Flüchtlingsnetz oder einen Tornister oder etwas Geld spenden möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0421/3978421 bei Ute Sydow melden.

www.fluechtlingsnetz-stuhr.de

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