„Wenn du nicht bald stirbst, dann lasse ich mich scheiden“

Annelie Keil begenet dem Tod als letztem Tabu mit viel Humor

Die Bremerin Annelie Keil spricht auf Einladung des Hospizvereins Stuhr im gut gefüllten Rathaus. - Foto: Husmann

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Autorin und Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil hat nach eigener Auskunft viele Termine, da bleiben Absagen nicht aus. Dem Hospizverein Stuhr allerdings mochte sie keinen Korb geben, denn:

„Die Hospizarbeit ist mir eine der wichtigsten Arbeiten geworden“, sagte sie am Donnerstagabend im Rathaus. Sie selbst habe schon viele Menschen auf deren letzten Weg begleitet. Zahlreiche Besucher, mehrheitlich Frauen, waren gekommen, um Keils Ausführungen zum Thema „Abschied leben lernen“ zu lauschen.

„Spannende, interessante und informative Seminare“ habe sie während ihres Studiums der Pflegewissenschaften an der Uni Bremen bei Annelie Keil gehört, sagte Ursula Krafeld, Vorsitzende des jüngsten der 13 Hospizvereine im Landkreis Diepholz, in ihrer Begrüßung. Damit lag die Messlatte hoch. Doch Keil ist auch mit 78 Jahren noch in der Lage, locker drüberzuspringen.

Aktuelles Buch „Das letzte Tabu“

In Anlehnung an ihr aktuelles Buch ging es um „Das letzte Tabu“, um den Tod, der kein Privileg des Alters sei. Doch „das wird hier kein Trauerabend“, schickte Keil vorweg. Vielmehr begegnete sie dem letzten Tabu mit viel Humor. „Wenn du nicht bald stirbst, lasse ich mich scheiden“, zitierte sie eine Frau in einer Karikatur. In einer anderen stehe eine Witwe am Grab ihres Mannes und stelle fest: „Seit deinem Tod hat unsere Beziehung gewonnen.“

Abschied leben lernen heiße: „Ein Leben lang schauen, was mir eigentlich wichtig ist.“ Das gelte auch für die letzte Phase des Daseins. Warum nicht in der Patientenverfügung festlegen, dass „ich folgende drei Personen nicht an meinem Sterbebett sehen möchte“?. Oder: „Keine pürierte Blumenkohlsuppe mehr, sonst komme ich aus dem Koma zurück. Wir haben einen Einfluss darauf, welches Lied auf unserer Beerdigung gespielt werden soll.“

Reise durch Beispiele des Abschieds

Sie nahm das Publikum mit auf eine Reise durch Beispiele des Abschieds – und fing bei sich selbst an. „Ich muss mich nicht mehr fragen, was ich mal werden will. Den Abschied habe ich hinter mir“, sagte sie. Und nach zwei gescheiterten Ehen verspüre sie auch nicht mehr den Wunsch zu heiraten. „Aber in der Demenz kommt das vielleicht wieder.“

Die Entbindung nach neun Monaten „bedingungslosem Asyl“ betrachtet Keil als den ersten Abschied im Leben eines Menschen, als ersten Meilenstein. Jede Erkrankung bedeute Abschied nehmen von dem, was früher war.

Abschied leben lernen heiße auch, mit seiner eigenen Lebenswirklichkeit umzugehen. „Was an diesem Leben ist toll? Wo könnte ich es ändern? Wo könnte ich genauer hinschauen?“ Antworten auf diese Fragen gäben einem das Gefühl, zu einem eigenen Leben zu kommen.

Die Bremerin schaute ins Publikum und stellte fest: „Wir als Pflegekräfte haben es auch leichter, wenn Menschen sagen, was sie wollen.“ Und dann, am Ende ihres Vortrags, mit einem Augenzwinkern: „Ich hoffe, dass Sie zu Hause an die Lieder denken, die Sie später mal singen möchten.“

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