Wo der Weihnachtsmann auf den Osterhasen trifft

Firma Posiwio hat sich längst dem Frühjahrsgeschäft 2018 zugewandt

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Mitarbeiterin Melanie Grix präsentiert Teile der kommenden Weihnachtskollektion. 

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Jörg Posiwio ist seiner Zeit voraus. Von Berufs wegen war das schon immer so und darf sich auch nicht ändern. Schließlich vertreibt seine Firma Dekorationsartikel, und die wollen entworfen sein, lange bevor die Endverbraucher an Ostern oder Weihnachten denken.

Wenn nach den Sommerferien die ersten Lebkuchenherzen in den Supermarktregalen landen, hat Posiwio das Fest der Liebe schon abgehakt. Vor wenigen Tagen erst kam er von der Frankfurter Messe „Tendence“ zurück, wo er Teile der gerade entstehenden Frühjahrskollektion 2018 präsentiert hatte. Die Musterartikel füllen eine 750 Quadratmeter große Fläche in der ersten Etage des Firmensitzes am Handelshof in Seckenhausen. Im Erdgeschoss geht es (noch) um Weihnachten 2017, die Ausstellung ist rund 1 000 Quadratmeter groß.

„Weihnachtsmann trifft auf Osterhase“, nennt Posiwio das, was sich in seinem Haus abspielt. Ob er dabei noch ein Gefühl für die aktuellen Jahreszeiten hat? „Ja, ich habe den Sonnenschein in der vergangenen Woche genossen“, sagt er und lacht. Zudem sei er damit groß geworden.

Posiwio stieg 1978 als Gesellschafter in die Firma seines Vaters ein. Der hatte das Unternehmen 1961 in Bremen gegründet und war damit 1970 nach Seckenhausen umgezogen. Anfangs belieferte der Betrieb mit eigenen Fahrzeugen nur Kunden in einem Umkreis von 150 Kilometern. Mitte der 1980er-Jahre weitete Posiwio seine Aktivitäten auf ganz Deutschland aus, die Zusammenarbeit mit Speditionen löste den eigenen Fuhrpark ab. Heute kommt die Kundschaft aus ganz Europa, „von Finnland bis Portugal“, sagt Posiwio. Große Containerschiffe bringen die in Asien hergestellten Artikel nach Wilhelmshaven oder Bremerhaven. Weitere Produktionsorte sind Süd- und Osteuropa.

Verkauf nur an den Groß- und Einzelhandel

Posiwio verkauft ausschließlich an den Groß- und Einzelhandel der grünen Branche und Firmen im Dekobereich, Gartencenter und Blumengeschäfte etwa gehören dazu. Wer im Abholmarkt shoppen möchte, muss einen Gewerbeschein mitbringen. Die letzte von mehreren Erweiterungen geht auf 2016 zurück: ein Neubau mit jeweils 450 Quadratmetern an Büro- und Ausstellungsfläche. Zurzeit hat die Firma 90 Mitarbeiter.

Wer glaubt, dass sich am Sortiment im Laufe eines Jahres nicht viel ändert, irrt gewaltig. „Wir müssen immer neue Anreize bieten, am Puls der Zeit sein“, sagt Posiwio. Seiner Auskunft nach sind sowohl zu Weihnachten als auch zum Frühjahr 85 Prozent der Artikel neu. Nur die Gartensparte als drittes eigenständiges Sortiment kommt mit einer Auffrischung von 30 Prozent aus. „Im Einzelfall handelt es sich vielleicht um eine neue Farbe“, erklärt Posiwio. „Doch in der Regel gab es den kompletten Artikel vorher noch nicht.“ 70 Prozent der Ware lasse die Firma auf Risiko herstellen, „aber wir sind noch nie total auf einer Kollektion sitzen geblieben“.

Musterartikel der Frühjahrskollektion 2018, die die Firma bereits auf der Messe „Tendence“ gezeigt hat. 

Die Ideen beziehen er und sein Kreativteam auf ganz unterschiedliche Weise. Wenn in der Architektur von der sechseckigen Struktur der Bienenwabe die Rede ist, berücksichtigt die Firma das ebenso wie Erkenntnisse der Trendagenturen. Letztere müssen naturgemäß noch weiter im Voraus denken als ihre Nutznießer. „Erst heute hat mir eine Agentur ein Heft mit Trends für Weihnachten 2018 geschickt“, berichtet Posiwio, für den parallel der Blick in die einschlägigen Wohn- und Modemagazine unerlässlich ist. Was die Stoffindustrie herstellt, könnte ebenfalls wegweisend sein. „Sind ein Drittel der Sachen bei H&M rosa, gilt die Farbe bei uns als akzeptiert“, sagt Posiwio. Manchmal bringt er auch eine Idee von einem Museumsbesuch oder einer Wanderung mit.

Allzu experimentierfreudig wollen er und seine Mannschaft aber nicht sein. Generell wolle er dem Landhausstil treu bleiben. „Aber das kann man ja auf skandinavische Art in Weiß-Grau-Rot oder auf Französisch in Grün und Gold“, sagt Posiwio. Welche Farbe in diesem Jahr in Deutschland hoch im Kurs steht? „Immer noch Rot. Im ganzen deutschsprachigen Raum ist das so, auch in Österreich und der Schweiz.“

Den jährlichen Rückgang von Einzelhandelsgeschäften der grünen Branche um drei Prozent sieht Posiwio kritisch. „Wir brauchen die Kundenvielfalt“, sagt er. Zudem spiegelt sich diese Entwicklung in der Resonanz auf die Stellenausschreibungen wider. Nur allzu gerne würde Posiwio zum Beispiel einen Floristmeister einstellen, findet aber niemanden mit dieser Qualifikation. Zumindest die Nachfolge auf der Führungsebene ist geregelt. Tochter Jana Ristedt-Posiwio und Sohn Matthias Posiwio arbeiten seit über zehn Jahren im Betrieb, seit 2009 sind beide Gesellschafter.

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