Broschüre der Gemeinde Stuhr

Wegweiser für Schwangere in einfacher Sprache: An alles gedacht?

Der Wegweiser für Schwangere und ein Flyer auf einem Tisch
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Durch eine kombinierte Wort- und Bildsprache ist der Wegweiser für Schwangere leicht verständlich.

Die Gemeinde Stuhr hat eine Broschüre herausgebracht, die Frauen durch eine Schwangerschaft führen soll. Der Wegweiser ist in einfacher Sprache gehalten, damit auch Frauen mit Migrationshintergrund ihn verstehen.

Stuhr – „Sind Sie schwanger?“ Diese Frage steht in großen weißen Lettern unübersehbar auf einem knallig pinken Untergrund. Sie leitet das erste Kapitel des „Wegweisers für Schwangere – in einfacher Sprache“ ein. Diese Broschüre, die die Gemeinde Stuhr mit einigen Kooperationspartnern herausbringt, ist so gestaltet, dass sie für jede schwangere Frau verständlich ist – egal, ob Muttersprachlerin oder mit Migrationshintergrund.

Für das Konzept waren Fathma Atenhahn, interkulturelle Koordinatorin in Stuhr, und die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Feldmann-Paske verantwortlich. „Wir wollten etwas entwickeln, bei dem sich Menschen unterschiedlicher Herkunft aufgenommen fühlen“, erklärt Feldmann-Paske. Atenhahn sagt: „Es ist für alle Stuhrer Frauen.“ Sie ergänzt: „Der Wegweiser ist natürlich auch für Frauen über Stuhr hinaus da.“

Wegweiser für Schwangere: Kooperationsprojekt der Gemeinde Stuhr

Entstanden ist das Broschüren-Projekt 2018 nach einem interkulturellen Geburtsvorbereitungskurs im Treffpunkt Sie(h)da. „Da sind damals so viele Fragen aufgekommen und dadurch auch Informationen zusammengekommen“, erinnert sich Feldmann-Paske. Da sei es zu schade gewesen, wenn dieses neue Wissen verloren gegangen wäre. „Also wollten wir das Ganze mit einer gewissen Nachhaltigkeit in Form bringen“, sagt Fathma Atenhahn. Herausgekommen ist der farbenfroh bebilderte, fast 70 Seiten umfassende „Wegweiser für Schwangere – in einfacher Sprache“. „Geplant waren eigentlich fünf Seiten“, so Atenhahn.

Präsentieren den Wegweiser für Schwangere: (v.l.) Nicole Feldmann-Pakse, Stephan Korte und Fathma Atenhahn.

Inhaltliche Unterstützung erhielten Feldmann-Paske und Atenhahn von der Hebamme Melanie Thies. „Sie hat uns einen roten Faden in die Hand und dem Wegweiser eine Struktur gegeben“, erklärt Atenhahn und zeigt sich dankbar. Für das Layout und die optische Gestaltung des Wegweisers ist die Praxis für Öffentlichkeit in Stuhr verantwortlich. Die Umsetzung der Broschüre wurde allerdings erst möglich durch die finanzielle Unterstützung durch die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. „Ohne diese Fördermittel hätte es nicht geklappt“, meint Atenhahn.

Der Wegweiser für Schwangere ist in Kapitel eingeteilt. Jedes befasst sich mit einem Abschnitt während der Schwangerschaft – von der Zeugung über die Schwangerschaft bis hin zur Geburt und den ersten Wochen danach. Immer unter dem Aspekt: Ist auch an alles gedacht? Dabei ist die Sprache bewusst einfach gewählt, auf Fremdwörter wird weitgehend verzichtet. Hilfe erhielten Atenhahn und Feldmann-Paske durch das Büro für Leichte Sprache von der Lebenshilfe Bremen. Fathma Atenhahn erklärt: „Wir wollten Barrierefreiheit, was die Sprache angeht.“ Helfen sollen dabei auch die Illustrationen und Fotos, die großzügig in der Broschüre angelegt sind. „Die Wort- und Bildsprache ist uns wichtig, damit die Herkunft der Schwangeren nicht wichtig ist“, führt Nicole Feldmann-Paske auf.

Im letzten Kapitel haben wir eine Checkliste. Die verschafft einen wichtigen Überblick. Außerdem haben wir schon vorgefertigte Anträge im Ratgeber, die man nur noch ausfüllen muss.

Nicole Feldmann-Paske

Besonderen Service erfahren Schwangere im letzten Drittel des Wegweisers. Feldmann-Paske: „Im letzten Kapitel haben wir eine Checkliste. Die verschafft einen wichtigen Überblick. Außerdem haben wir schon vorgefertigte Anträge im Ratgeber, die man nur noch ausfüllen muss.“ Doch damit nicht genug: „In dem Wegweiser gibt es eine Adressenliste. Dort sind die Kontakte zu den Hebammen vor Ort aufgelistet. Dadurch müssen Schwangere nicht lange rumtelefonieren, und sie werden nicht von einem Kontakt zum nächsten verwiesen“, sagt Fathma Atenhahn.

Wegweiser für Schwangere: Erste Rückmeldungen fallen positiv aus

Erste Rückmeldungen zum Wegweiser gab es von Frauen, die schon länger in Stuhr leben und bereits in der Broschüre blättern durften. Die seien sehr positiv ausgefallen. „Eine Frau hat mir zum Beispiel gesagt: ,Das hätte ich für meine erste Schwangerschaft auch gut gebrauchen können.‘“, erinnert sich Nicole Feldmann-Paske.

In dem Wegweiser gibt es eine Adressenliste. Dort sind die Kontakte zu den Hebammen vor Ort aufgelistet. Dadurch müssen Schwangere nicht lange rumtelefonieren, und sie werden nicht von einem Kontakt zum nächsten verwiesen.

Fathma Atenhahn

Auch durch die Corona-Krise fühlen sich Atenhahn und Feldmann-Paske darin bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war, den „Wegweiser für Schwangere – in einfacher Sprache“ zu entwickeln. „Die Menschen haben sich in diesen Zeiten besonders allein gelassen gefühlt“, meint Atenhahn, „aber durch unseren Wegweiser wird keine Frau allein gelassen.“ Durch die Broschüre hätten sie nämlich die Möglichkeit der „Hilfe zur Selbsthilfe“, so Atenhahn.

Im Moment liegt der Wegweiser als Ringbuch im Format Din A4 mit einer Auflage von 100 Stück an vielen öffentlichen Orten in der Gemeinde – beispielsweise Schulen, Kitas oder im Rathaus – aus, „aber der Druck im Din-A5-Format ist schon in Arbeit“, erzählt Nicole Feldmann-Paske. „Das ist handlicher. Sobald das fertig ist, wird es auch an allen relevanten Orten ausliegen“, verspricht sie.

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