Warum Pastor Robert Vetter die Partei mit der SED vergleicht

„AfD hat sich vor einer Stellungnahme gedrückt“

Pastor Robert Vetter. - Foto: Kirchengemeinde

Stuhr - Auf der Internetseite der evangelischen Kirchengemeinde Stuhr hat Pastor Robert Vetter seine Meinung zu Positionen der Alternative für Deutschland (AfD) dargelegt. Unter anderem geht es dabei um die Ansichten des niedersächsischen Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel. Der hatte einen Parteitagsbeschluss beantragt, nach dem der evangelischen und katholischen Kirche der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts entzogen werden solle. Daran sind unter anderem der Religionsunterricht und der Einzug der Kirchensteuer geknüpft.

Redakteur Andreas Hapke sprach mit Vetter über dessen Kritik und die Motivation dazu.

Herr Vetter, dass ein Pastor auf der Internetseite seiner Kirchengemeinde Stellung zur politischen Lage bezieht, kommt nicht so häufig vor. Was hat Sie dazu bewogen?

Robert Vetter: Ich verfolge regelmäßig die Äußerungen politischer Parteien. Bei der AfD ist das besonders spannend, weil sie noch dabei ist, sich zu positionieren. Da fiel mir der Antrag von Armin-Paul Hampel für den Parteitag auf, Den Kirchen soll der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts entzogen werden. Die Abschaffung der Kirchensteuer war schon häufiger Thema, doch das war in der politischen Diskussion neu. Erklärt wurde der Vorstoß mit der Rechtsuntreue der Kirche. Doch außer der Behauptung, die Kirche sei demokratiefeindlich und einseitig, wurde das nicht ernsthaft begründet. Das finde ich unredlich.

Als Spinnerei wollten Sie das nicht abtun?

Ich würde mich hüten, das als Spinnerei zu bezeichnen. Die AfD hat Wertvorstellungen, die ich nicht vertrete. Aber sie weiß genau, was sie tut. Es ist ja auch grundsätzlich legitim, über das Verhältnis von Staat und Kirche nachzudenken. Aber dann bitte begründet.

Das Körperschafts-Thema hat der Parteitag am Ende nicht behandelt, ein Antrag auf Abschaffung der Kirchensteuer wurde abgelehnt. Macht es das besser?

Überhaupt nicht. Die AfD hat sich einer Chance beraubt, diese Angelegenheit ernsthaft zu unterfüttern. Man könnte auch sagen: Sie hat sich gedrückt vor einer öffentlichen Stellungnahme.

Sie vergleichen die AfD in Teilen mit der SED. Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Hampel ist der Meinung, dass die Kirchen das staatliche Gewaltmonopol durch die Duldung des Kirchenasyls in einer Anzahl von Gemeinden missachtet hätten. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Antragsteller mit demokratiefeindlichen Stellungnahmen und Handlungen alles im Blick haben, was von kirchlicher Seite mit dem Gebot der Nächstenliebe begründet wird. In den Augen der SED und auch in Teilen der AfD hat die christliche Kirche, egal ob evangelisch oder katholisch, aufgrund der gelebten Nächstenliebe einen staatsfeindlichen Zug.

Am Ende Ihrer Ausführungen werfen Sie „nebenbei“ die Frage auf, was die AfD mit Menschenrechten meint. Was könnte sie denn meinen?

Ich frage mich halt, für wen Menschenrechte in der Anschauung dieser Partei gelten. Für alle Menschen oder nur für die AfD-Wähler? Das ist mir nicht klar. Ich bin mir nicht sicher, ob sie die Menschenrechte auf alle Menschen angewandt wissen will.

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