Warum die Gemeinde Stuhr das „Cafè-Zipf“ übernommen hat

Käseecke in Signalfarben

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Leuchtet wie ein reifer Käse: „Café Zipf

Brinkum - Von Heinrich Kracke. Noch stehen auf dem zentralsten aller Brinkumer Plätze Wartehäuschen, gelegentlich fahren hier auch Busse ab, aber all das fällt nicht besonders ins Auge. In den Blick fällt auf der weitläufigen Anlage eigentlich immer nur ein Haus.

Wie eine Käseecke schaut es aus, in Signalfarbe ist es gestrichen, in leuchtendem Gelb. „Café Zipf“ heißt diese spitzwinklige Ecke an Syker und Bassumer Straße, obwohl hier längst kein Café mehr beheimatet ist. Mexikanische Gerichte stehen auf der Speisekarte. Jetzt hat die Gemeinde Stuhr das Gebäude übernommen. Das auch noch, nachdem sie schon das Hotel Bremer Tor erworben hat, und schon schießen die Gerüchte ins Kraut. Bürgermeister Niels Thomsen trennt auf Nachfrage des Sonntags-Tipps Wahrheit von Dichtung.

Beide kürzlich erworbenen Gebäude dienen jenem Zweck, den eigentlich der kommende Marktplatz erfüllen soll. Sie ziehen Menschen in die Ortsmitte, ob zu Tagung oder Feier, ob zum abendlichen Schmaus oder zum Vereinstreffen. Also doch? Also doch die große Lösung in der Ortsmitte? Langfristig eine Ausweitung der Fußgängerzone auf die Syker Straße, womit dem kommenden Marktplatz automatisch die Gastronomie beschert würde, die er braucht, und die auch auf östlicher Seite in Neubauten geplant ist? Ein kommendes Zentrum also, das von mindestens zwei Seiten von Gastlichkeit umrahmt wäre, von funktionierender Gastlichkeit? Während gegenwärtig noch vordergründig zäh um Bushaltespuren auf dem abgelegenen Winkel des Hotelparkplatzes gerungen wird, insgeheim also doch schon das Drehen am ganz großen Rad? Thomsen winkt ab. „Nein,“ sagt er, „das Café Zipf spielt bei den Marktplatzplanungen keine Rolle.“

Konkretisiert habe sich das neue Brinkumer Zentrum dennoch, sagt er. Jetzt werde erstmal die Bushaltespur auf dem Hotelparkplatz geplant, genauer: auf einem ehemaligen Tankstellengrundstück, das irgendwann von den Hotelbetreibern übernommen wurde. „Diese Schleife müssen wir gehen“, sagt Thomsen. Stehe dann der Bebauungsplan, sei die Grundbedingung für den Ortsmitte-Ausbau geschaffen. „Damit erreichen wir die Sicherheit, die Investoren brauchen, um konkret Baukosten kalkulieren zu können.“

Im nächsten Jahr starte die Investorensuche, sagt das Gemeindeoberhaupt. Ein Hamburger Stadtplanungsbüro werde diese Aufgabe übernehmen, es sei auf Ideenwettbewerbe spezialisiert. In zweieinhalb Jahren könne mit dem Ausbau begonnen, im Jahr 2019 vielleicht schon die erste Immobilie übergeben werden, so der aktuelle Zeitplan.

Aber das Rathaus stellt sich auf weitere zähe Ringkämpfe ein. Es geht um die Wohnbebauung. „Wenn etwas mit Sicherheit renditeträchtig wäre, dann neuer Wohnraum, zumal in Brinkum,“ sagt Thomsen. Aber genau das wolle die Gemeinde nicht. So viel Gastronomie wie möglich am neuen Marktplatz und so viel Geschäfte wie möglich, das sei das Ziel. Und in die oberen Etagen so viel Büros und Arztpraxen wie möglich, auch das werde angepeilt. Andererseits könne die Gemeinde nicht so weltfremd an die Vermarktung gehen, dass sie überhaupt keinen Wohnungsbau mehr zulasse. „Da brauchen wir einen vernünftigen Kompromiss, eine tragfähige Lösung, die beide Seiten zufriedenstellt.“ Und das dauere halt. Er gehe nicht davon aus, sagt Thomsen, dass man gleich den erstbesten Investorenplan jubelnd verwirklichen werde. „Es würde mich nicht wundern, wenn wir hier die eine oder andere Verhandlungsrunde zu absolvieren hätten.“

Und schon schießen Gerüchte ins Kraut. Einige Insider wollen sogar gehört haben, die Gemeinde plane im Ringen um Gastlichkeit in der kommenden Ortsmitte einen Umzug des Hotels Bremer Hof in einen Neubau auf der anderen Straßenseite. Thomsen hält dagegen. „Ein Hotelneubau ist nicht geplant,“ sagt er, „in der Brinkumer Ortsmitte sind wir keine Erholungsregion. Da reicht ein Hotel, und das haben wir.“

Und warum dann der Kauf? Und auch noch der Erwerb des „Café Zipf“? Plötzlich ist es wieder da, jenes Phänomen, das Stadtplanern Sorgenfalten ins Gesicht treibt: Die wachsende Wohnbebauung in Ortszentren. Brinkum wäre nicht der erste Ort, in dem alteingesessene Gasthöfe der Spitzhacke zum Opfer fielen und an deren Stelle schicker, neuer und teurer Wohnraum emporgezogen würde. „Das Café Zipf liegt an einer Linie mit dem Bremer Tor, da mussten wir einfach zugreifen,“ sagt Thomsen. Natürlich funktioniere Hotellerie und Gastronomie an beiden Stellen, und es deute nichts darauf hin, dass es anders komme. „Aber eines Tages werden auch diese Häuser saniert werden müssen,“ sagt Thomsen, und wer könne schon ausschließen, dass die Eigentümer nicht doch dem Angebot von Wohnungsbaufirmen erliegen. „Nein,“ sagt Thomsen, „mit dem Erwerb behält die Gemeinde die Zügel in der Hand.“ Und er unterstreich: Hier entsteht so schnell weder Fußbodenheizung noch Fahrstuhl.

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