Warnstreik vor Ikea in Brinkum mit rund 200 Beschäftigten im Einzelhandel

„Armut gehört zum Alltag“

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Ralf Kreuzer, Betriebsrat von Ikea in Brinkum, spricht zu den rund 200 Streikenden.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Warnstreik vor Ikea in Brinkum-Nord: Rund 200 Beschäftigte im Einzelhandel haben für heute ihre Arbeit niedergelegt, um für eine Erhöhung der Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen einzutreten. Die Streikenden stammen aus den Ikea-Häusern in Brinkum, Großburgwedel und Braunschweig sowie aus den Real-Filialen in Ihlpohl, Vahr, Habenhausen, Stuhr und Huchting (Roland-Center).

„Das ist unser erstes Zeichen nach außen“, sagt Sabine Gatz, Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Verdi für den bremischen und niedersächsischen Einzelhandel. „Wir wollen ein deftiges Signal setzen.“

Verdi fordert für ihre Beschäftigten eine Erhöhung der Bezüge um einen Euro pro Stunde (163 Euro pro Monat für Vollzeitbeschäftigte). „Dabei geht es nicht nur darum, die Inflationsrate auszugleichen. Wir haben auch die Altersvorsorge im Blick“, erläutert Gatz.

Darüber hinaus hat sich die Gewerkschaft zum Ziel gesetzt, die Arbeitgeber zu einer gemeinsamen Initiative zu bewegen, die Tarifverträge wieder für allgemeinverbindlich zu erklären. „Es gibt zu viele Unternehmen im Einzelhandel, die nicht tarifgebunden sind. Da ist der Druck auf die Arbeitnehmer groß“, sagt Sandra Schmidt, örtliche Gewerkschaftssekretärin und Leiterin des Streiks. „Auf Ikea und Real trifft das allerdings nicht zu. Beide Konzerne sind im Tarif.“

Mit der Resonanz des Arbeitskampfs zeigt sie sich zufrieden, ebenso mit der Beteiligung von knapp 20 der rund 200 Kollegen aus dem Ikea-Möbelhaus in Brinkum-Nord. „Man muss bedenken, dass hier Anfang der 90er-Jahre zuletzt gestreikt wurde“, sagt Schmidt. Zuvor hatten 40 Mitarbeiter an der Betriebsversammlung teilgenommen.

Schmidt und Gatz hoffen nun auf ein „gutes Angebot“ der Arbeitgeberseite. Die bisherige Offerte sei jedenfalls „nicht akzeptabel“, sagt Gatz. „Wer die Beschäftigten des Einzelhandels mit einer Erhöhung der Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen von lediglich 1,5 Prozent abspeisen will, der hat offenbar kein Verständnis für die finanziellen Schwierigkeiten seines eigenen Personals“, erklärt die Verhandlungsführerin. Mehr als die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen arbeite „gezwungenermaßen“ in Teilzeit, ohne dass sie eine Chance erhalten würden, ihre Arbeitszeit aufzustocken. „Damit gehört Armut trotz Arbeit zum Alltag des Einzelhandels, und eine später nicht auskömmliche Rente ist für diese Beschäftigten programmiert.“

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 23. Juni anberaumt.

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