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Waldkita Stuhr-Fahrenhorst: Regelmäßige Begegnungen mit der Kirche

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Von: Andreas Hapke

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Spektakulär, so ein Ausblick von der Kanzel.
Spektakulär, so ein Ausblick von der Kanzel. © Hapke, Andreas

Das Konzept der Waldkita in Fahrenhorst beinhaltet regelmäßige Begegnungen mit der Kirche. Die Heiligenroder Pastorin Tabea Rösler war schon häufiger zu Gast im Bradenholz, wie auch die Kita bei schlechtem Wetter bereits mehrfach Unterschlupf im Gemeindehaus gefunden hat. Der gestrige Aufenthalt im Gotteshaus war aber eine Premiere. 

Heiligenrode – Nacheinander dürfen die Sprösslinge des Fahrenhorster Waldkindergartens zu Pastorin Tabea Rösler in die Kanzel klettern. Manche können noch gar nicht über die Brüstung gucken, die Pastorin muss sie hochheben. „Hier stehe ich manchmal, wenn ich meine Reden halte“, erklärt sie. „Man hat eine gute Aussicht und erkennt sofort, wer Quatsch macht.“

Es war der erste Besuch der „Baumkinder“ in der Heiligenroder Klosterkirche – und es wird ganz bestimmt nicht der letzte bleiben. Denn Religionspädagogik ist in dem Konzept der Einrichtung fest verankert. Als Träger fungiert der evangelisch-lutherische Kita-Verband Syke-Hoya.

Begegnungen zwischen Kirche und Kita gab es außerhalb des Gotteshauses schon zuhauf: Die Pastorin lässt sich nach eigener Auskunft oft am Bauwagen im Bradenholz blicken. Umgekehrt suchen die Kinder im Gemeindehaus Unterschlupf, sollte es im Wald zu ungemütlich werden. Dann schaut die Pastorin auch dort vorbei. „Während und nach den Stürmen waren wir häufig hier, weil aus den Bäumen erst mal das Totholz rausgeholt werden musste“, berichtet Kita-Leiterin Kira Wiese. „Wir haben auch Karneval im Gemeindehaus gefeiert.“

Tabea Rösler singt mit dem Kita-Kindern
„Einfach spitze, dass du da bist“: Tabea Rösler singt mit den Kleinen ein Lied. © HapkE

Mit zwölf Kindern zwischen drei und sechs Jahren sind sie und ihre Kollegin Jana Nüßler gestern angerückt. Eine Truppe mit dicken Jacken, Mützen und robustem Schuhwerk. Nachdem geklärt ist, dass man sich beim Eintritt in die Kirche leise zu verhalten hat, geht es hinein. Drei Kinder dürfen jeweils eine Glocke in Gang setzen, denn so lade die Kirche ihre Besucher ein, erklärt die Pastorin. „Die Glocken sind so groß, wie ihr die Arme ausbreiten könnt, und noch ein bisschen größer.“

Nach dem Auftaktlied „Einfach spitze, dass du da bist“ erklärt Tabea Rösler unter anderem, was es mit dem Tisch und dem Buch von Jesus auf sich hat, also mit dem Altar und der Bibel. Eigens dafür hat sie eine Riesen-Bilderbuch-Bibel mitgebracht, woraus sie den Kindern die Geschichte von Zachäus vorstellt, der auf einen Baum kletterte, um Jesus zu sehen. Zum Abschluss singen alle „Gott hat alle Kinder lieb“.

Bei ihren Besuchen in der Wald-Kita seien die Inhalte ähnlich, sagt Tabea Rösler. Terminlich gebe es kein „festes Raster. Wir stehen im Austausch. Wenn es passt, komme ich rum, manchmal auch unangemeldet.“ Ihre Präsenz sei eine Selbstverständlichkeit. Da sie nach dem Wechsel von Marc Heinemeyer nach Seckenhausen alleinige Pastorin in Heiligenrode sei, könne sie sich gar nicht lange im Voraus festlegen. „Wenn etwas dazwischenkommt, eine Beerdigung etwa, kann mich niemand vertreten.“

Gott ist stark wie ein Baum und schützt wie ein Dach

Mitunter eröffne der Wald einen leichteren Zugang zur Schöpfungsgeschichte. „Gott ist stark wie ein Baum: Da ist gleich klar, wie stark Gott ist“, nennt die Pastorin ein Beispiel. Oder Gott als Dach, das die Kinder schütze: Das seien dann die Baumkronen. So sei der Glaube für den Nachwuchs alltäglich greifbar. Die Eltern wüssten, dass es sich um eine christliche Einrichtung handele, dass sie mit den Kindern das Vaterunser bete und in verständlicher Form von Gott erzähle.

Als das Kirchenamt auf die Gemeinde zugekommen sei und das Konzept für die Waldkita vorgestellt habe, „haben wir uns natürlich Gedanken gemacht“, sagt Rösler. „Es bedeutet mehr Arbeit, mehr Verantwortung. Doch wir haben gerne zugestimmt.“ Die Kirchenvorsteher würden sich mehr einbringen, um sie zu entlasten.

Das Konzept Waldkita findet Tabea Rösler super. „Die Kleinen haben noch mal eine andere Chance, pädagogisch unterwegs zu sein. In einer Zeit, wo Kinder überladen sind mit digitalem Spielzeug. Im Wald machen sie das mit Kreativität, Ideenreichtum und Fantasie; mit dem Material der Natur und mit ganz viel Eltern-Engagement.“

Corona und Winter waren Herausforderungen

Die am 10. Mai 2021 und damit vor fast einem Jahr eröffnete Kita blickt auf eine turbulente Zeit zurück. „Wir hatten viele Ausfälle wegen Corona, haben aber immer eine Notbetreuung angeboten“, sagt Wiese. Auch der Winter sei eine Herausforderung gewesen. „Wir waren oft im Bauwagen, wenn wir uns nicht bewegt haben, etwa beim Frühstück. Wir haben die Zeit als Gruppe gemeistert. So was schweißt zusammen.“ Die Kinder hätten inzwischen einen Blick dafür, wie es den anderen gehe. „Jetzt freuen wir uns alle auf den Frühling und den Sommer. Die Kleinen kriegen gerade mit, wie die Natur lebendiger wird. Einige Hasen sind schon aus ihrem Versteck gekommen.“

Personell läuft es gerade richtig rund: Wiese und ihre Kollegin der ersten Stunde, Caroline Flaig, haben kürzlich Unterstützung von Vertretungskraft Jana Nüßler bekommen. Laut Wiese war die Stelle lange ausgeschrieben. „Wald ist halt sehr speziell, und nur 17 Stunden möchte auch nicht jeder arbeiten“, begründet sie. Zudem stehe nun mit Katharina Leucht eine „Quickkraft“ bereit, die bei Urlaub und Krankheit schnell einspringen könne.

„Es ist ein toller Ort, der im Bradenholz entstanden ist“, fasst Wiese zusammen. Und ein begehrenswerter. Zurzeit sei zwar ein Platz frei, doch der werde im Sommer besetzt. Und für die beiden künftigen Schulkinder gebe es auch schon Nachrücker.

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