Kandidaten automatisch ernannt

Wahl des Seniorenbeirats überflüssig

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Dagmar Bischof ist seit 2007 Mitglied des Seniorenbeirats.

Stuhr - Der Seniorenbeirat der Gemeinde Stuhr steht vor einem ereignisreichen Jahr. Speziell der Mai hat es in sich: Dann feiert das Gremium sein 40-jähriges Bestehen mit einem Empfang, zu dem die Vorsitzende Dagmar Bischof mal ganz optimistisch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil eingeladen hat. Drei Tage später sollte eigentlich die Wahl des Seniorenbeirats über die Bühne gehen. Dass es dazu nicht mehr kommt, dürfte höhere Wellen schlagen als die Wahl selbst.

Die Frist für das Einreichen der Wahlvorschläge ist inzwischen verstrichen, und nach Auskunft von Dagmar Bischof haben nur zwei Personen Interesse an einer Mitarbeit in dem neuen Beirat bekundet. Das ist umso bitterer, als dem Gremium schon jetzt nur sechs stimmberechtigte Mitglieder angehören. Da drei von ihnen zur neuen Wahlperiode alters- oder krankheitsbedingt ausscheiden, würde der Beirat mit den zwei neuen Bewerbern nur noch zu fünft arbeiten. Hinzu käme Friedbert Roos als nicht stimmberechtigter Delegierter des örtlichen Sozialverbands. Laut Satzung bietet das Gremium aber Platz für acht stimmberechtigte Mitglieder, acht Stellvertreter sowie Delegierte aus Kirchen und sozialen Verbänden und Organisationen.

Dass sich die Wahl des Beirats bei nur zwei Kandidaten erübrigt hat, geht aus der Wahlordnung zur Satzung hervor: „Liegen gleichviel oder weniger Wahlvorschläge vor, als Sitze an stimmberechtigte und nicht stimmberechtigte Mitglieder zu vergeben sind, so gelten diese als gewählt. Die Wahlvorschläge werden durch den Verwaltungsausschuss zu Mitgliedern des Seniorenbeirates benannt.“ Die zwei Kandidaten sind also automatisch dabei.

Dagmar Bischof ist seit 2007 Mitglied des Seniorenbeirats und seit dem vergangenen Jahr auch stellvertretende Vorsitzende im Seniorenrat des Landes Niedersachsen. „Als ich damals anfing, war es wirklich noch so, dass wir mit 23, 24 Leuten gearbeitet haben“, erinnert sie sich. Die aktuelle Entwicklung bekümmert sie.

Aus ihrer Sicht ist die Kommune daran nicht schuldlos. „In der Vergangenheit sind alle Senioren über 60 Jahren mit einem Brief darauf aufmerksam gemacht worden“, erzählt Bischof. Das sei diesmal nicht der Fall gewesen, die Kommune habe sich mit der Bekanntmachung in den Tageszeitungen begnügt. „Das habe ich als aufmerksamer Leser gerade so entdeckt. Da brauchte man eine Lupe für.“ Die zuständige Fachbereichsleiterin bei der Gemeinde, Kerstin Frohburg, sieht das Ganze etwas anders. Der Aufruf, sich zur Wahl zu stellen, sei auch bei den vergangenen Malen lediglich über eine amtliche Bekanntmachung und die Presse erfolgt. Es habe zwar Briefe zur Wahl gegeben. Doch darin seien die Senioren darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie über die Zusammensetzung des Beirats mitentscheiden können. Als die Briefe in den Postkästen lagen, war die Anmeldefrist ihren Angaben zufolge verstrichen und die Kandidaten standen fest.

Außerdem merkt Frohburg an, dass die Zahl der Bewerber bei der jüngsten Wahl ähnlich gewesen sei. Und: Dass es nur zwei Bewerber gibt, ist ihren Angaben zufolge nicht richtig. Näheres will sie aber erst nach weiteren Absprachen bekannt geben.

Dagmar Bischof lobt die Gemeinde ausdrücklich dafür, dass diese dem Beirat im Rathaus ein Büro zur Verfügung stellt und immer ein offenes Ohren hat, wenn er die Ratsuchenden in seinen Sprechstunden im Hause weitervermitteln muss. „Räume für Veranstaltungen bekommen wir auch problemlos.“

Eigentlich habe sie für die kommende Wahlperiode den Vorsitz in jüngere Hände geben wollen. „Mit jung meine ich Leute um die 70 Jahre. Ich selbst bin auch schon 78“, sagte sie. Doch nach dem angekündigten Ausscheiden von Herbert Nothdurft, Hans Lüders und Erwin Hoffmann und nur zwei neuen Kräften sind die Karten völlig neu gemischt. Die Belastung für die drei verbliebenen Mitglieder Dagmar Bischof, Doris Riebesell und Hans-Lothar Schomaker sowie den Delegierten Friedbert Roos wäre außerordentlich hoch, zumal auch die Nachrücker noch eingearbeitet werden müssten.

In ihre Überlegungen hatte Bischof sogar einbezogen, sich an den zuständigen Fachdienstleiter Lars Janßen zu wenden und ihm eine Auflösung des Gremiums mit anschließender Neuwahl vorzuschlagen. Doch wer Bischof kennt, der weiß, dass dies für sie nur der allerletzte Schritt wäre. Zu sehr liegt ihr die Seniorenarbeit am Herzen. Zu sehr identifiziert sie sich mit den Zielen des Beirats, die der Eingliederung der älteren Generation in die Gesellschaft untergeordnet sind. Stichwort Teilhabe der älteren Generation am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben. „Es fuchst mich, wenn im Zusammenhang mit Senioren nur von Pflege gesprochen wird. Unser Klientel sind die Menschen zwischen Rente und Pflege.“

Bislang hat das Gremium seinen Auftrag auf vielfältige Weise umgesetzt. An zwei Dienstagen im Monat etwa lädt es zu seinen Sprechstunden ins Rathaus ein, das nächste Mal am 21. Januar. Hinzu kommen unzählige Infoveranstaltungen, je nach Thema in Kooperation mit anderen Institutionen. Als Beispiele nennt Bischof die Einbruchsprävention in Zusammenarbeit mit der Polizei sowie das Rollatoren- und das E-Bike-Training mit Unterstützung der Verkehrswacht. Podiumsdiskussionen vor Wahlen und Projekte wie die Nummerierung aller Stuhrer Bänke, um im Notfall Personen leichter auffinden zu können, runden das Engagement ab. Einmal pro Monat triff sich der Beirat zu seinen Sitzungen in der Bibliothek Moordeich. Rederecht haben die Senioren im Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt sowie im Ausschuss für Verkehr, Ordnung uns Soziales.

Ob das Gremium seinen hohen Standard aufrechterhalten kann, wagt Bischof zu bezweifeln. Zumindest die Sprechtage als Herzstück der Beiratsarbeit wolle sie unbedingt weiterführen, gerne auch die Infoveranstaltungen. Podiumsdiskussionen dürften indes nicht mehr zustande kommen. Bereits zur jüngsten Bürgermeisterwahl in Stuhr hatte der Beirat keine solche Diskussion organisiert. „Dazu hatten uns einfach die Kapazitäten gefehlt“, sagt Bischof. Das könnte künftig häufiger der Fall sein.

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