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Jerome Böker handelt in Groß Mackenstedt mit hochpreisigen Wagen

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Von: Andreas Hapke

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Vor vier Jahren gründete Jerome Böker die JB Motors GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er ist. Dicht an dicht parken die Wagen in der angemieteten Lagerhalle in Groß Mackenstedt.
Vor vier Jahren gründete Jerome Böker die JB Motors GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er ist. Dicht an dicht parken die Wagen in der angemieteten Lagerhalle in Groß Mackenstedt. © sigi schritt

Jerome Böker (29) handelt in Groß Mackenstedt mit hochpreisige Wagen. Zu seinen Kunden gehören unter anderem Fußballstars und Musiker. Im kommenden Jahr steht nun ein Umzug für seinen Firmensitz und seine Luxus-Karossen an.

Groß Mackenstedt – Auf der Fensterbank des Büros von Jerome Böker stehen Modellautos in verschiedenen Größen: vom kleinen Tesla über einen Porsche 911 bis hin zum größten Exemplar, einem Ferrari 599 GTB. So muss man sich auch die Entwicklung seiner Firma JB Motors in den vergangenen vier Jahren vorstellen. Die gehandelten Fahrzeuge wurden immer größer – im Sinne von hochpreisiger. Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass Böker expandieren möchte. Für nächstes Jahr ist ein Umzug von der Harpstedter Straße 99 in das Gewerbegebiet Neukrug geplant.

Zurzeit parkt die Ware noch in einer ehemaligen Lagerhalle der Spedition Klusmeyer. 16 Wagen, dicht an dicht, mit einem Gesamtwert von mehreren Millionen Euro. Fußballstars und Musiker gehören zu den Kunden Bökers. „Oft Leute, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld“, sagt der 29-Jährige, der selbst bodenständig daherkommt.

Mit 14 Jahren hat Böker bei Klusmeyer Container ausgeräumt

Als Schüler und Student des Wirtschaftsingenieurwesens habe er viel gejobbt, erzählt Böker. Mit 14 Jahren habe er bei Klusmeyer Container ausgeräumt. Später habe er Oldtimer gekauft, auseinandergebaut, restauriert und verkauft, zudem eine Weile lang beim Seckenhauser Porsche-Spezialisten T&R gearbeitet. Der Einstieg in den eigenen Autohandel war so unwahrscheinlich also nicht. Er war aber auch nicht von Kindesbeinen an vorgezeichnet. „Ich war lange kein Autonarr“, sagt Böker.

Sein ursprünglicher Plan lautete, Fahrzeuge zu restaurieren. Nun ist sein Hauptgeschäft der An- und Verkauf hochwertiger Gebrauchtwagen, nur wenige Exemplare veräußert er auf Kommission. Anfangs standen in seiner Halle drei Autos im Gesamtwert von 50 000 bis 60 000 Euro: ein Pickup, ein Porsche Cayenne und ein Audi A4. Die habe er schnell wieder verkauft, berichtet Böker.

Der Umsatz stieg in den vergangenen Jahren auf knapp zehn Millionen Euro

Nach sieben, acht Monaten habe er den ersten Ferrari durchgehandelt. „Da habe ich gemerkt, dass das Geschäft auch mit Autos im Wert von 100 000 Euro funktioniert.“ Und mit Wagen im Wert von 200 000 Euro, und so weiter. So stieg der Umsatz in den vergangenen vier Jahren von 1,2 über vier und sechs auf knapp zehn Millionen Euro. Weil auch der Arbeitsaufwand zugenommen hat, hat Böker Anfang April Maximilian Becker als Mitarbeiter fest eingestellt.

270 PS, 263 Kilometer pro Stunde schnell: der Ferrari 328 Gran Turismo Spider (GTS).
270 PS, 263 Kilometer pro Stunde schnell: der Ferrari 328 Gran Turismo Spider (GTS). © Sigi Schritt sigischritt@web.de

„Zwischendurch springt auch mal ein Investor ein. Der erste war total überrascht, dass er sein Geld so schnell zurück hatte“, berichtet Böker. Die Geschäfte laufen zügig. Im Schnitt beträgt die Standzeit der Autos laut Böker nur 30 bis 60 Tage. „In dieser Zeit ändert sich der Markt nicht“, begründet er. Mit großen Autos sei zwar eine Riesengewinnspanne möglich. „Weil ihr Wert aber häufig nicht zu ermitteln ist, ist das Risiko auch hoch.“

Es brauch einen Zugang zu diesem Markt

Ladenhüter gebe es nicht. „Wenn überhaupt, dann nur bewusst.“ Zurzeit besitzt Böker zwei Porsche GT3 RS 4.0, die schon länger in der Halle parken, aber noch nie im Internet zu sehen waren. „Seltene Autos werden auch mal off-market angeboten. Sie legen eher an Wert zu.“

Dass mit hochpreisigen Autos viel Geld zu verdienen ist, ist die eine Sache. Die andere: Man muss den Zugang zu diesem Markt haben. „Man muss wissen, wo man abhängen kann, um Käufer kennenzulernen“, sagt Böker. Er habe sich inzwischen ein Netzwerk aufgebaut, in dem Vertrauen eine große Rolle spiele. In diesem Umfeld gelingt es auch mal, ein Fahrzeug günstiger zu bekommen. Nach dem Motto: Warum soll der Verkäufer lange nach einem Abnehmer suchen, wenn er Böker kennt?

Seinen eigenen Kunden tut das Geld nicht weh

Seinen eigenen Kunden tut das Geld nicht weh. „Leute, die zehn teure Autos haben, haben oft schon 20 Immobilien“, weiß Böker. Der eine Kunde kaufe blind ein Auto im Wert von 400 000 Euro, ein anderer überweise Geld und hole das Fahrzeug nicht ab. „Den habe ich alle zwei Monate daran erinnert, dass es noch hier steht.“

Eine Halle, Know-how und ein Kredit über 100 000 Euro – damit hat Böker sein Unternehmen gegründet. Wie sein Tipp für Jungunternehmer lautet? „Erst mal anfangen“ – aber mit dem gebotenen Augenmaß. Viele Start-ups würden mit der Zielvorgabe beginnen, sofort zehn Millionen Euro im Jahr zu scheffeln. „Das funktioniert teilweise nicht. Ich empfehle, es zunächst mit 100 000 Euro pro Jahr zu versuchen.“

Ein Freund der Familie musste ihn zunächst einbremsen

Ihn selbst habe ein Freund der Familie eingebremst, denn ursprünglich wollte Böker direkt eine eigene Halle hochziehen. „Ein Start-up sollte aber nicht sofort hohe Kosten verursachen. Da geht es erst mal darum, Selbstvertrauen zu sammeln und Umsatz auf kleiner Kostenbasis einzufahren.“ Also mietete Böker die ehemalige Lagerhalle der Spedition Klusmeyer. „Für wenig Geld. Das war genau richtig.“

Die Ansicht seines künftigen Firmensitzes in Stuhr präsentiert Jerome Böker auf seinem Laptop.
Die Ansicht seines künftigen Firmensitzes in Stuhr präsentiert Jerome Böker auf seinem Laptop. © Sigi Schritt sigischritt@web.de

Im Laufe des kommenden Jahres aber soll Schluss sein an der Harpstedter Straße. In Neukrug soll ein repräsentativer Firmensitz entstehen. Böker möchte sich von 280 Quadratmeter auf 800 Quadratmeter (mit Wohnung auf 1 100 Quadratmeter) vergrößern. „Wir können unsere besten Kunden dorthin einladen. Wir möchten ihnen ein besonderes Kauferlebnis bieten und es ihnen so angenehm wie möglich machen“, begründet Böker und nennt das Beispiel Tamsen (ehemaliger Händler von Luxusautos in Seckenhausen, die Red.): „Die Leute wollten allein deshalb dort kaufen, weil er sie mit dem Helikopter vom Flughafen abgeholt hat.“

Postbotin durfte mit seinem Lamborghini ausfahren

Darüber hinaus möchte Böker in Neukrug „Lifestyle, eine coole Marke“ verkaufen. Auch mittels Youtube, Instagram und Videos. Videos wie das mit einer Postbotin, die einige Sendungen mit dem Lamborghini Huracán Evo Spyder Bökers ausfahren durfte (https://www.youtube.com/watch?v=h0sKe27CeFI&t=18s). Mittlerweile ist der Wagen – gewinnbringend natürlich – verkauft. „Gefühlt fahre ich ja jede Woche ein anderes Auto“, scherzt Böker. „In der Stadt ist es ein Smart.“

Ins Risiko gehe die Firma mit dem Umzug nicht, versichert Böker. „Auch wenn es mal nicht läuft, kann man das stemmen.“ Das war bislang nur ein Mal für einen kurzen Zeitraum der Fall. Nach einem Jahr, Mitte 2019, habe es einen Knick gegeben. „Ich hatte einen kleinen Bestand und drei Monate lang kein Auto verkauft. Der Gewinn des Jahres war bereits aufgebraucht. Ich war nicht mehr in der Spur.“ Nach dem Sommer sei es aber mit Volldampf weitergegangen.

Perspektivisch kann sich der Jungunternehmer vorstellen, mal Boote zu verkaufen. „So in 10,15 Jahren auf Malle“, sagt er und lacht. „Das ist eigentlich das Gleiche, nur mit größeren Summen.“ Der nächste Schritt – so in ganz ferner Zukunft – wären dann ja Flugzeuge...

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