„Wäre enttäuscht, wenn es nicht klappt“

Bürgermeister-Wahl Stuhr: SPD und Grüne nominieren Stephan Korte

Stärken ihrem Kandidaten den Rücken: Die Grünen mit Dörthe Siemers-Wulff (r.) und Kristine Helmerichs (2.v.r.) sowie die SPD mit Susanne Cohrs und Dennis True stehen hinter dem Bewerber Stephan Korte. Foto: Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Grüne und SPD waren sich in jüngster Vergangenheit nicht immer einig, was die Stuhrer Politik angeht. In einem Punkt ziehen sie aber jetzt an einem Strang: Die Ortsvereine haben sich auf einen gemeinsamen Kandidaten als Nachfolger für den im Februar 2020 ausscheidenden Bürgermeister Niels Thomsen verständigt. Ihren Favoriten Stephan Korte stellten sie am Dienstagabend im Hotel Bremer Tor vor. Nach dem von der CDU nominierten Frank Holle ist er der zweite Bewerber für das Amt des Verwaltungschefs.

Vorab hatte sich dort die Mitgliederversammlung der Sozialdemokraten einstimmig für den Bremer ausgesprochen. Laut Grünen-Vorstand Dörthe Siemers-Wulff waren sich auch die Grünen in dieser Frage einig gewesen.

Stephan Korte bringt vielfältige Erfahrungen in der Verwaltungsarbeit mit. Er hat das Metier von der Pike auf gelernt und in verschiedenen Behörden gearbeitet (siehe Info-Kasten). Als Referatsleiter bei Finanzsenatorin Karoline Linnert ist er für das Beteiligungsmanagement, für Rechtsangelegenheiten und Nachlässe verantwortlich. Aktuell beschäftigt ihn nach eigener Auskunft das Projekt „Kita-Abrechnung“, wobei es um die Entlastung von Verwaltungsaufgaben geht.

„Es ist eine attraktive Gemeinde“

Die Stuhrer Ausschreibung habe ihn angesprochen, begründet Korte seine Bewerbung. „Es ist eine attraktive Gemeinde mit entsprechend attraktiven Aufgaben.“ Als Mittelzentrum sei Stuhr dem Nachbarn Bremen in vielen Problemlagen nicht unähnlich. Er nennt die verkehrliche Anbindung als Beispiel. „Wie kommt man zurecht ohne Auto oder als älterer Mensch?“ Diese Frage beschäftige ihn, ebenso die Ortskernentwicklung in Brinkum und das „Wir-Gefühl“ der Menschen in insgesamt acht Ortsteilen. Ihn reize es, als Bürgermeister eine „große Wirkmächtigkeit und eine große Verantwortung“ zu haben. Aufgrund seiner vielfältigen Erfahrungen bringe er ein gutes Rüstzeug mit.

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Korte hatte seinen Hut selbst in den Ring geworfen und sich bei den Parteien vorgestellt. Auch bei der FDP sei er bereits gewesen, mit „Besser“ sei ein Termin vereinbart. Nur auf die CDU wolle er noch nicht zugehen, da diese sich auf einen eigenen Kandidaten festgelegt habe. Zu einem späteren Zeitpunkt könne er sich aber Gespräche vorstellen.

Der 53-Jährige besitzt das SPD-Parteibuch, möchte aber als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehen. Als Bürgermeister sei er nicht „Teil einer Regierung“, sondern wolle für alle Fraktionen gleichermaßen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Er bezeichnet sich selbst als zugänglich, empathisch, klar in den Dingen und verständnisvoll. „Ich kann Leute mitnehmen und motivieren. Ich bin ein verlässlicher Mensch.“

„Wahnsinns-Lebenslauf“

Die Grünen-Fraktionschefin Kristine Helmerichs sieht in Korte den richtigen Mann, um die flächenmäßig begrenzte Gemeinde Stuhr zu einem „qualitativen Wachstum zu verhelfen“. Für Korte spreche der berufliche Erfolg. Helmerichs hebt dessen „Wahnsinns-Lebenslauf“ hervor, „eine überragende und große Vita. Ich habe mich gefreut, jemanden zu finden, der eine so hohe Qualifikation mitbringt.“ Schließlich bedeute es eine große Verantwortung, das Rathaus mit seinen 650 Mitarbeitern zu führen. Und: „Stuhr braucht einen Bürgermeister für alle Bürger.“

SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs lobt das „sympathische und ausgleichende Wesen“ sowie die „Fachkompetenz“ des Kandidaten. Korte sei beruflich und privat gut vernetzt. „Ich habe ein sehr gutes Bauchgefühl.“ Ihr Kollege und Ortsvereinsvorsitzender Dennis True sieht es genauso: „Stephan Korte hat mich vom allerersten Gespräch an überzeugt.“ Er verfüge über einen breit gefächerten Lebenslauf und habe sich einen großen Schatz an Wissen für die Kommunalverwaltung angeeignet. Auch für die Entwicklung von Projekten sei er ein „guter Griff“.

Sollte er Bürgermeister werden, werde er auch nach Stuhr ziehen, kündigt Korte an. „Ich finde, das ist selbstverständlich. Das gehört sich so.“ Es sei wichtig, „einen Eindruck davon zu bekommen, was hier für ein Leben ist und dass man daran teilnimmt“. Und sollte er kein Bürgermeister werden? Dann werde er in Bremen weiterarbeiten. „Ich bin Beamter auf Lebenszeit“, sagt er. „Aber ich wäre schon enttäuscht, wenn es nicht klappen würde.“

Info: Vom Azubi zum Senatsrat

Der berufliche Werdegang Stephan Kortes beginnt 1982 mit der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Danach, von 1985 bis 1988, besucht er die Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Bremen. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Ausländerbehörde absolviert er den Wehrdienst. Von 1990 bis 1994 studiert er Öffentliches Recht und Umweltrecht an der Bremer Uni, das zweijährige Referendariat im OLG-Bezirk Oldenburg schließt sich 1997 an. Korte zieht es zur Kienbaum Management Consulting in Düsseldorf, wo er mit Beratungsprojekten im öffentlichen Dienst befasst ist. Seit 2000 ist er bei der Stadt Bremen beschäftigt, zurzeit als Senatsrat im Finanzressort. Stephan Korte ist 53 Jahre alt und wohnt mit seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter in Bremen. Er kennt den Landkreis, da er in Diepholz geboren und zur Schule gegangen ist. Er war dort auch Mitglied in der Jugendfeuerwehr. Als seine Hobbys nennt er Lesen und Konzerte, wobei er in Sachen Musik sehr breit aufgestellt ist – nach eigener Auskunft von Punkrock bis Klassik. ah

Drei Fragen an Carapinha Hesse (FDP-Vorsitzender)

Herr Carapinha Hesse, Stephan Korte hat sich auch bei der FDP vorgestellt. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen? 

Er hat an sich einen guten und freundlichen Eindruck hinterlassen. Wir haben uns gegenseitig unterbreitet, wie wir uns unsere Arbeit vorstellen. Das heißt aber nicht, dass wir unsere Entscheidung schon gefällt hätten. Wir wollen den bestmöglichen Kandidaten finden. Dabei ist es noch völlig offen, ob wir einen eigenen Bewerber präsentieren oder einen anderen unterstützen. 

Bis wann wollen Sie sich denn entscheiden? 

Wir haben am Montag Mitgliederversammlung. Bis dahin werden wir noch mindestens ein Gespräch führen. Wir haben viele Bewerbungen bekommen, auch interessante. Außer Korte haben wir noch fünf Kandidaten mit verschiedenen Charakteren und Visionen. Nach der Versammlung werden wir unsere Entscheidung zeitnah bekanntgeben.

Zählt Frank Holle zu den fünf weiteren Bewerbern? 

Frank Holle hat sich nicht bei uns gemeldet. Unsere Tür wäre offen gewesen, doch es gab keinen Kontakt. Wir sehen uns nicht als Bittsteller.

ah

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