Vorerst kein Waldkiga in Stuhr

Grüne und FDP scheitern mit Anträgen im Rat

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Die Nachbarn machen es vor: Kinder der Waldkita im Weyher Ortsteil Jeebel. Archivfoto: Köster

Stuhr - Von Andreas Hapke. Ein Waldkindergarten für Stuhr? Grundsätzlich keine schlechte Idee, aber bitte nicht jetzt. So begründeten Politiker des Gemeinderats am Mittwochabend ihre Ablehnung des Antrags der Grünen auf Einrichtung einer Waldgruppe zum Kindergartenjahr 2016/2017.

„Wir halten unseren Antrag trotzdem aufrecht“, gab sich Fraktionschefin Kristine Helmerichs kämpferisch. Sie sei lange genug dabei und wisse, wann sie ihr Anliegen wieder vorbringen könne. In einem halben Jahr darf der Rat also mit einem neuen Vorstoß der Grünen rechnen.

„Wir haben über 1000 Kinder im Kindergartenalter, und nicht alle haben die gleichen Bedürfnisse. Wir sind von Eltern angesprochen worden“, hatte Helmerichs den Antrag begründet. Zudem sei eine Waldkita eine „günstige Sache“, und es würden 15 zusätzliche Plätze entstehen. Helmerichs sprach von einem „alternativen Angebot zum Einheitskiga“.

Als „pädagogisch sinnvoll“ habe die Arbeitsgruppe (AG) Kindergärten die Idee bewertet, teilte SPD-Ratsherr Peter Strohmeyer mit. Vorrang habe für das Gremium jedoch „die Ausweisung einer ausreichenden Zahl“ an Betreuungsplätzen. Sprich: der Neubau einer Kindertagesstätte für die Ortsteile Seckenhausen und Heiligenrode, den der Rat zuvor beschlossen hatte (siehe Artikel auf dieser Seite). In der AG sei der Wunsch nach einem finanziellen Pool entstanden, der es allen Einrichtungen ermögliche, Waldtage zu veranstalten. Dies schwebte auch dem FDP-Chef Jürgen Timm vor.

Mit Verweis auf den Neubau lehnte auch die CDU den Grünen-Antrag ab: „Wir haben gerade mit viel Elan einen Kiga beschlossen, der uns viel Geld kostet“, sagte Fraktionschef Frank Schröder. Helmerichs wollte das so nicht stehen lassen: „Ein 15-Kinder-Kiga im Wald war niemals als Gegenentwurf zu einem Neubau gedacht gewesen.“

„Wenn die Zeit gekommen ist“, will sich Bürgermeister Niels Thomsen noch einmal mit dem Thema befassen. „Ein vielfältiges Angebots muss immer unser Ziel sein“, begründete er. Die Nachbarkommunen Weyhe und Syke, auch Bassum und Bruchhausen-Vilsen würden es vormachen.

Weniger gnädig ging der Rat mit einem Antrag der FDP um. Die Liberalen hatten auf die Verabschiedung einer Resolution gedrängt: Das Gremium möge die Landesregierung ersuchen, „weder ein Gesetz noch eine Verordnung für die Beschaffung von Unterkünften für ankommende Flüchtlinge durch die zeitliche Beschlagnahme von privaten Immobilien anzustreben“ (wir berichteten). In ihrer Begründung sprach sich die Fraktion für ein Hilfsprogramm aus. Das Land solle lieber jetzt Geld die Hand nehmen, um den Kommunen den Bau günstiger Wohnungen zu ermöglichen.

Laut Thomsen haben „Antrag und Begründung nichts miteinander zu tun“. Über die Begründung könne der Rat sachlich diskutieren. „Aber wie wollen wir schnell Wohnraum schaffen, wenn wir den Antrag beschließen?“ Aus demselben Grund verortete „Besser“-Chef Gerd-W. Bode den FDP-Vorstoß ins „politische Nirvana“.

„Wir machen hier keine Landespolitik“, schimpfte Schröder und sprach von einer Resolution, die der Bevölkerung Angst mache. Die Leute würden nervös, wenn es um die Beschlagnahme von Eigentum gehe.

„Uns ist es immer gelungen, Flüchtlinge unterzubringen, das kriegen wir auch 2016 hin“, sagte SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs. Der Antrag schüre Ängste und sei populistisch. Kristine Helmerichs sprach in diesem Punkt sogar von „Brandstiftung“.

Die aus seiner Sicht „unsachlichen und bissigen Argumente“ wollte FDP-Mann Jan-Alfred Meyer-Diekena nicht unkommentiert lassen: „Eigentum ist ein hohes Gut und muss geschützt werden. Wir wollen nicht, dass das Land diese Idee verfolgt. Wir brauchen keine Lex Flüchtlinge.“ Den Vorwurf des Populismus reichte er an Helmerichs weiter.

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