103 Kilo halten Ort zusammen

Vor 25 Jahren: Heiligenroder schaffen eine Glocke für den Friedhof an

Zwei Frauen schauen in einen Ordner.
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Wie war das damals mit der Glocke? Einen Blick in die Annalen werfen Kirchenvorsteherin Angela Wilken und Pastorin Tabea Rösler.

Ein wichtiges Jubiläum haben die Heiligenroder am Sonntag gefeiert: 25 Jahre ist es her, dass die Glocke samt Träger auf dem Friedhof eingeweiht wurde. Bis dahin hatte die Dorfgemeinschaft das Läuten bei Beerdigungen vermisst. Pastorin Tabea Rösler hob in ihrer Predigt die gemeinschaftliche Anstrengung bei der Anschaffung der Glocke hervor.

Heiligenrode – Wer Zweifel an der Schnelligkeit von Kirchenvorständen hat, der blättere in den Annalen der Heiligenroder Kirchengemeinde, speziell im Ordner über die Anschaffung einer Glocke und den Bau der dazugehörigen Aufhängung für den Friedhof. Am 8. November 1996 erging der Auftrag des Kirchenvorstands an die Zimmerei Wilken, die Sägerei Witte und Elektro Meyer, den Glockenträger zu fertigen und zu installieren. Die Einweihung des „Bauwerks“ sei für den 24. November geplant, ließ damals Pastor Kennerknecht die Unternehmen in aller Kürze wissen.

Seitdem muss man auch keinen Zweifel mehr an der Schnelligkeit Heiligenroder Betriebe haben. Sie erfüllten den Auftrag termingerecht, weshalb die Kirchengemeinde am Sonntag das 25-jährige Jubiläum der Glocke mit einem besonderen Gottesdienst in der Kapelle feierte. Der Posaunenchor unter Leitung von Iris Rose war ebenso mit von der Partie wie Organistin Karoline Thys.

Seit 25 Jahren haben die Heiligenroder eine Glocke, die bei Beerdigungen läutet.

Pastorin Tabea Rösler ist dafür tief eingetaucht in die Geschichte der Glocke, die 103 Kilogramm schwer und aus Bronze gefertig ist. „Und je tiefer man eintaucht, desto mehr stellt man fest, was für eine Gemeinschaftsaufgabe ihre Anschaffung war“, sagt sie. Die Menschen hätten sich mit allem eingebracht, was notwendig gewesen sei: mit ihrer praktischen Hilfe, mit Ideen, mit Werbung, und natürlich mit Geld.

Da war der kirchliche Senioren-Mittwochtreff, der den Bau des Glockenturms angeregt und mit 500 D-Mark den Grundstock gelegt hatte; der Frauen-Treff, der laut Pastorin ebenfalls eine „nennenswerte Summe“ beisteuerte – „wenn man bedenkt, dass viele von ihnen verwitwet waren und nicht über viel Geld verfügten“; eine Trauergemeinschaft, die dem Wunsch des Verstorbenen nach einer Glocke mit einer üppigen Spende Nachdruck verlieh; der „Club der 50er“ um Pastor Roland Kennerknecht – eine Gruppe 1946 geborener und damals 50 Jahre alter Männer, die sich ebenfalls die Finanzierung des Projekts auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Einzelspenden Heiligenroder Bürger kamen hinzu, sodass insgesamt rund 25 000 D-Mark eingegangen sind.

„Vergesst eure Toten nicht“

Auf diese außergewöhnliche Leistung ging Rösler auch in ihrer Predigt ein: „Sehr viele von Ihnen waren damals sehr aktiv dabei. Die Heiligenroder Friedhofsglocke mit ihrem Glockenträger hält Ortschaft und Kirchengemeinde zusammen. So war es damals, so ist es bis heute.“

Die Pastorin hatte zu der Zeit in Heidelberg Theologie studiert („Heidelberg klingt so ähnlich wie Heiligenrode“) und direkt gegenüber dem altehrwürdigen Bergfriedhof gewohnt – „der allerdings keine Glocke hatte“.

Warum die Glocke trotz einer Kirche im Ort benötigt wurde? „Die Kirchenglocken hört man auf dem Friedhof nicht“, begründet Angela Wilken, Kirchenvorsteherin und Witwe von Zimmerer Heinz-Dieter Wilken. Oder wie Tabea Rösler die damalige Stimmung vieler Trauergemeinschaften formuliert: „Bei allem wird geläutet, nur wenn das letzte Stündlein schlägt, dann nicht.“ Die Glocke sei wichtig, sagt die Pastorin. „Sie läutet, bis der Sarg unten angekommen ist. Bis dahin steht man in einer Gemeinschaft mit Gott zusammen.“ Die Glocke stehe auch für einen Ruf in den Ort hinein: „Vergesst eure Toten nicht. Und vergesst nicht, wie kostbar das Leben ist.“ Dies habe bereits Pastor Kennerknecht in seiner Einweihungspredigt betont.

157,50 Mark für die Inschrift

Wer unbedingt wissen will, woraus eine Glocke und ihre Aufhängung bestehen, dem sei ein Blick in die alten Rechnungen empfohlen. Denn wie es sich für einen ordentlichen Kirchenvorstand gehört, hat dieser sämtliche Quittungen fein säuberlich abgeheftet. Von Kette, Seil und Kettenrad ist dort die Rede, und von einer Rückholfeder für das Anschlagwerk. 12793,18 D-Mark mussten die Heiligenroder seinerzeit für die Glocke berappen, der Aufbau ist da noch nicht gar nicht eingerechnet. 157,50 Mark entfielen auf die Inschrift, die da lautet: „Ich bin das Licht der Welt“. Sie stamme aus Johannes 8, sagt Tabea Rösler, und sei einerseits auf Jesus Christus bezogen, andererseits aber auf jeden einzelnen Menschen: „Niemand geht verloren, niemand wird vergessen.“

Ähnlich tief wie Tabea Rösler ist auch Angela Wilken in die Geschichte der Heiligenroder Friedhofsglocke eingestiegen. Sie hat sich bei damals Beteiligten ebenso umgehört wie beim Sulinger Kirchenamt. „Alle finden es gut, dass wir ein solches Jubiläum feiern“, sagt Angela Wilken. „Noch haben wir diese Zeitzeugen“, fügt Tabea Rösler hinzu. „In 25 Jahren haben wir die nicht mehr.“

Von Andreas Hapke

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