Brinkumer Schüler schildern ihre Empfindungen zwischen Schulschließung und Entlassfeier

Von A wie Abschied bis Z wie Zukunft

Für das Gespräch mit der Kreiszeitung haben vier Entlassschüler noch einmal die Realschule der KGS Brinkum besucht: (vorne v.l. Shayen, Thies-Malte und Niklas sowie (hinten Mitte) Cansu. Mit auf dem Foto sind Lehrerin Kathi Kowalzik und der Leiter des Haupt- und Realschulzweigs, Marcus Barnert. 
Foto: Andreas Hapke
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Für das Gespräch mit der Kreiszeitung haben vier Entlassschüler noch einmal die Realschule der KGS Brinkum besucht: (vorne v.l. Shayen, Thies-Malte und Niklas sowie (hinten Mitte) Cansu. Mit auf dem Foto sind Lehrerin Kathi Kowalzik und der Leiter des Haupt- und Realschulzweigs, Marcus Barnert. Foto: Andreas Hapke
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Brinkum – Die Kooperativen Gesamtschulen in Brinkum und Moordeich haben ihre Haupt- und Realschüler verabschiedet. Wie haben die Jugendlichen die Zeremonie unter Einhaltung der coronabedingten Auflagen empfunden – unter anderem klassenweise Feier und individuelle Zeugnisübergabe? Wie haben sie überhaupt die Zeit zwischen Schulschließung und Abschlussprüfung erlebt? Die Kreiszeitung hat sich bei vier Mädchen und Jungen des Realschulzweigs der KGS Brinkum erkundigt.

Entlassfeier

„Ich war im letzten Jahr bei der Feier einer Freundin und dachte mir: Cool, in einem Jahr stehe ich da auch mit meiner Klasse“, erzählt Cansu (16) aus der R10a. Obwohl eine Verabschiedung im gewohnten Stil nicht möglich gewesen sei, sei sie „glücklich, dass es überhaupt ging. Die Leute haben das Beste draus gemacht.“ So sieht es auch Shayen (16) aus der Klasse R10c: „Ich hatte mir die Feier anders vorgestellt. Doch es war trotzdem schön, dass wir eine richtige Zeugnisübergabe erleben durften.“ Als „sehr unpersönlich“ hat Niklas (17) aus der R10b die Zeremonie empfunden. „Ich hätte gerne nochmal alle Lehrer gesehen.“ Thies-Malte (16, R10c) wird die Feier als „kurz“ in Erinnerung behalten. „Das fand ich okay.“

Schulschließung

Keinen Hehl machen die vier Jugendlichen daraus, dass ihnen der Lockdown an der KGS Brinkum zuerst sehr gelegen kam. Niklas etwa hätte am darauffolgenden Tag eine Deutscharbeit geschrieben. „Als man die Videos und Berichte über Corona gesehen hat, war klar, dass man handeln und die Schule dichtmachen musste“, stellt er fest. „Wow, keine Schule“ – so beschreibt Shayen ihre erste Reaktion. Nach einem Monat habe sich aber abgezeichnet, dass es etwas Ernstes sei mit der Pandemie. Für Cansu war es „voll schade“, dass der Lockdown gleichzeitig den letzten Schultag mit der ganzen Klasse bedeutete. „Wir hatten eine super Klassengemeinschaft.“ Thies-Malte erinnert sich eher an die plötzliche Maskenpflicht: „Mit Helm in die Tankstelle ist ja okay, aber mit dem Mundschutz in die Bank, das geht gar nicht.“ Maske tragen findet auch Shayen „ätzend. Ich mag das nicht.“

Homeschooling

Das Lernen in den eigenen vier Wänden hat den Schülern aus unterschiedlichen Gründen Probleme bereitet. „Es war echt hart, die Motivation dafür aufzubringen, wenn ich zuhause auch andere Dinge machen kann, die cool sind“, sagt Niklas und nennt Netflix und Computer als Beispiele. Thies-Malte hat „nur in den ersten Wochen versucht, etwas zu tun“. Er habe auch mit seinem Vater Mathe gelernt. „Der war ja lange nicht in der Schule. Das hat mich nicht weitergebracht.“ Immer wenn ihr langweilig gewesen sei, habe sie gelernt, berichtet Shayen. „Aber Mathe kann ich mir ja nicht selbst aneignen. Also habe ich Englisch gelernt, weil ich es konnte.“ Auch für Cansu gestaltete sich das Homeschooling schwer. „Mathe ist ja nicht meine Stärke. Ich war alleine, niemand konnte mir helfen. Aber ich habe das Beste gegeben.“

Rückkehr an die Schule

„Ich habe mich gefreut, wieder Freunde zu sehen“, sagt Shayen. Auch wenn sie von den Auflagen, zum Beispiel Abstand halten, gereizt gewesen sei. „Und endlich gab es wieder Lehrer, denen man Fragen stellen konnte.“ Mit einem Gefühl der Unsicherheit hat Cansu wieder den Unterricht besucht: „Ich bin eigentlich immer motiviert, in die Schule zu gehen. Aber bei einem Virus, der uns alle treffen kann? Das war erst komisch und beängstigend. Am Ende war die Stimmung lockerer.“ Keine Probleme hatte Niklas mit der Rückkehr an die KGS: „Das brachte wieder Routine in meinen Tag. Ein paar Wochen geht das ohne, mehr auf keinen Fall.“ Auch Thies-Malte ist der Überzeugung, „dass mir Alltag guttut“.

Abschlussprüfung

Shayen ist nach eigener Auskunft „mit gemischten Gefühlen“ in die Prüfungen gegangen. „Englisch kann ich ja, aber Mathe ist halt Mathe. Ich habe mir alles in den Kopf gehauen, das hat geholfen.“ Deutsch und Englisch seien für ihn nicht die Herausforderung gewesen, sagt Thies-Malte. „Englisch mündlich war sogar viel zu leicht für eine Abschlussprüfung. In Mathe hatte ich mich im ersten Halbjahr abgesichert.“ Den vorbereitenden Unterricht fand er abwechslungsreich. „Das war nicht immer das Gleiche. Und man konnte Sachen lernen, die man sonst nicht lernt.“

Abschied

Thies-Malte wird nach eigener Auskunft „ein paar Lehrer und die Gespräche mit ihnen“ vermissen. „Das waren Gespräche über alles und die Welt. Die waren aufschlussreich“, stellt er fest. Shayen ist traurig, „denn ich mochte meine Klasse ganz gerne“. Wehmut schwingt auch bei Niklas mit, wenn er sagt: „Ich bin gerne hierhergekommen, auch während Corona.“

Zukunft

Von ihrer Zukunft haben die vier ehemaligen Realschüler klare Vorstellungen. Shayen macht am Diakonie-Krankenhaus in Gröpelingen eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, Thies-Malte eine Lehre als Mechatroniker für Anlagentechnik mit späterer Fortbildung zum Meister.

Cansu und Niklas wollen ihr Abitur machen. „Ich möchte gerne studieren. Doch wenn es am Ende die perfekte Ausbildung wird, ist das auch gut“, sagt Cansu. Während sie an der KGS Brinkum bleibt, wechselt Niklas zum Willms-Gymnasium in Delmenhorst. Mit seinem Abi möchte er bei der Bundeswehr im IT-Bereich arbeiten.

Von Andreas Hapke

Klassenweise ging die Entlassfeier der Realschule über die Bühne, einzeln die Übergabe des Zeugnisses. Foto: Jantje Ehlers

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