Nicholle Fischer schreibt als Ausgleich zu ihrem Alltag fantasievolle Geschichten

Von Liebe, Haudegen und Vergangenheit

Nicholle Fischer mit ihrem Debütroman „Solange Schnee vom Himmel fällt“.
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Nicholle Fischer mit ihrem Debütroman „Solange Schnee vom Himmel fällt“.

Stuhr – „Deine Grammatik ist eine Sechs, aber deine Erzählweise ist eine Eins plus“ – diese Worte hat eine Lehrerin vor vielen Jahren unter einen Aufsatz von Nicholle Fischer geschrieben. Damals besuchte Nicholle die vierte Klasse. Sie war ein leises, schüchternes Mädchen, das mit seinen Eltern von Russland nach Bremen gezogen war. Es fiel ihr schwer, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen, zumal sie die deutsche Sprache���noch nicht wirklich beherrschte. Doch der Kommentar unter dem Aufsatz machte ihr Mut.

Mittlerweile ist Nicholle 28 Jahre alt und hat als Autorin bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Aus dem schüchternen Mädchen ist eine junge Frau geworden, die offen wirkt, geradeheraus redet und ein ansteckendes Lachen hat. Sie liebt den deutschen Wortschatz und erschafft damit fantasievolle Welten.

Ihr Debütwerk „Solange Schnee vom Himmel fällt“ ist 2019 im Drachenmond Verlag erschienen. Es handelt sich, so umschreibt es die Autorin, um eine Geschichte über Liebe und Vergangenheit. Den Protagonisten, einen russischen Admiral der baltischen Flotte, gab es zur Perestroika-Zeit wirklich. Rund zwei Jahre hat Nicholle Fischer historische Quellen durchgewälzt, um ihre Geschichte möglichst glaubhaft zu gestalten. „Ich habe aber sehr viel Fantasy dazu gesponnen“, erzählt sie.

Nicholle Fischer wohnt mit ihrem Partner in Stuhr. 17 Jahre ist es jetzt her, dass sie nach Deutschland gekommen ist. Wenn die Autorin an ihre Kindheit in Russland denkt, dann denkt sie meistens auch an ihre damaligen Helden: ihre Großväter. Ihnen ist „Solange Schnee vom Himmel fällt“ gewidmet. Der eine Opa ermutigte sie, an ihre Träume zu glauben. Der andere weckte ihre Leidenschaft für das Schreiben. Als Kind saß Nicholle gerne abends mit ihm im Kinderzimmer und dachte sich Geschichten aus. „Es konnten unbemerkt Stunden vergehen, ohne dass wir aus unseren fantastischen Welten aufgetaucht wären“, schwelgt sie in Erinnerungen.

Wenn sich die 28-Jährige heute Geschichten ausdenkt, schreibt sie diese am liebsten bei einem Caramel-Macchiato oder einem Glas Weißwein nieder. „Ich schreibe gerne, wenn es ganz dunkel ist und alle Menschen schlafen“, holt sie aus. Manchmal höre sie dabei russische Kriegslieder. „Das passt ganz gut, meine Geschichten sind alle sehr dramatisch.“ Die männlichen Protagonisten seien stets Haudegen.

Für Nicholle Fischer kann es manchmal gar nicht fantastisch und verrückt genug sein. Schreiben ist für sie ein Ausgleich zum Alltag. Hauptberuflich arbeitet sie als Teamleiterin in der Veranstaltungsbranche. Darüber hinaus hilft sie als Lektorin in einem Verlag mit. „In der Berufswelt muss ich immer die Kontrolle haben. Da bin ich sehr strukturiert“, schildert sie. „Aber beim Schreiben bin ich totaler Chaot.“ Sie lasse die Sätze einfach fließen.

Das war schon so, als sie in der zehnten Klasse anfing, selbst Geschichten zu schreiben. Ohne dass sie es je geplant hatte, entstanden zu der Zeit schon die ersten Charaktere ihres Debütromans.

Nach der Schule studierte Nicholle Fischer Germanistik und Geschichte in Bremen. Als sie ihren Bachelor in der Tasche hatte, hängte sie ein weiteres Studium dran: Medienwissenschaften und Journalismus an der Jade-Hochschule Wilhelmshaven.

Nicholle Fischer hat eine Zeit lang die Literaturseite eines Bremer Stadtmagazins mitbetreut. So kam es, dass sie Astrid Behrendt interviewte, die 1996 den Drachenmond Verlag gegründet hatte. Eins kam zum anderen, und irgendwann hielt die junge Autorin ihre Geschichte mit dem russischen Admiral als gedrucktes Buch in den Händen. Das Gefühl sei überwältigend gewesen, sagt sie rückblickend. „Das kann ich nicht in Worte fassen, obwohl ich Autorin bin.“

„Solange Schnee vom Himmel fällt“ ist zunächst in einer Auflage von 1500 Exemplaren erschienen. Davon sind nur noch wenige übrig. Nicholle Fischer ist aber zuversichtlich, dass eine weitere Auflage gedruckt wird. Astrid Behrendt hat sie für den Phantastik-Literaturpreis Seraph in der Kategorie „Bestes Debüt“ nominiert.

Inzwischen hat die Stuhrerin neben ihrem ersten Roman noch bei zwei anderen Verlagen vier Kurzgeschichten und eine Novelle herausgebracht, allesamt mit historischem Bezug. Im kommenden Jahr sollen weitere Veröffentlichungen folgen. Nicholle Fischer gibt sich trotz alledem bescheiden. Sie sieht sich eher als „kleinen Schreiberling“ denn als Autorin.

Weil sie ihre Freizeit gerne auf Conventions verbringt, kommt die 28-Jährige viel herum. Immer, wenn sie in einer neuen Stadt ist, kauft sie sich ein Buch. Ihr Traum: ein großes Bücherzimmer.

Während Nicholle Fischer schreibt, lässt sie jedoch die Finger von Werken anderer Schriftsteller und liest nichts. „Ich will mir nicht unbewusst Wörter von anderen Autoren aufs Papier schleichen lassen“, erklärt sie. Dabei vergöttert sie den Schreibstil von Cassandra Clare. „Und ich liebe die Bücher von Kerstin Gier“, führt sie aus.

Zu ihren Favoriten gehört auch Alexandre Dumas. Er hat „Die drei Musketiere“ geschrieben. Nicholle Fischer, früher ein typisches Papa-Kind, hat sich die Verfilmung mit ihrem Vater immer mal wieder angesehen. Und: Von genau dieser Geschichte handelte auch der Aufsatz, unter dem sie in der vierten Klasse die Worte „Deine Erzählweise ist eine Eins plus“ fand.

Von Katharina Schmidt

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