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Von der Tagespflege in die Kita: Ist das Bremer-Konzept auch in Stuhr möglich?

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Von: Andreas Hapke

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Als Tagesmutter fünf Kinder betreuen – mit dieser Erfahrung empfehlen sich Tagespflegekräfte für eine nebenberufliche Ausbildung zur Erzieherin. In Bremen dürfen sie künftig als Zweitkräfte in Kitas arbeiten.
Als Tagesmutter fünf Kinder betreuen – mit dieser Erfahrung empfehlen sich Tagespflegekräfte für eine nebenberufliche Ausbildung zur Erzieherin. In Bremen dürfen sie künftig als Zweitkräfte in Kitas arbeiten. © Arno Burgi/dpa

In Bremen können Personen aus der Kindertagespflege künftig als Zweitkraft in Krippengruppen eingesetzt werden. Das hört sich nach einem probaten Mittel zur Linderung des Fachkräftemangels an. Wäre das auch eine Lösung für Stuhr?

Stuhr – Als Sprecherin der Regionalgruppe Diepholz der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen weiß Jeannette Holz, dass sich die eine oder andere der 20 Stuhrer Tagesmütter den Wechsel in eine kommunale Einrichtung vorstellen kann. Holz selbst ist seit zwei Jahrzehnten Tagesmutter der „Knirpse“ in Seckenhausen, für sie komme das nicht in Frage.

Für ihre Ausbildung müssen künftige Erzieherinnen in Niedersachsen unverändert die Schulbank drücken. Der klassische Weg führt über eine zweijährige Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistenz, auf die eine zweijährige Ausbildung zur Erzieherin folgt.

Die Gemeinde Weyhe ist bereits aktiv geworden

Weil eine duale Berufsausbildung in Niedersachsen nicht die Regel ist, ist die Gemeinde Weyhe aktiv geworden. Sie bildet Erzieherinnen inzwischen im dualen System aus, darunter auch Quereinsteiger (wir berichteten). Im Sommer 2022 starteten zwölf Personen eine Sozialassistenz- oder Erzieher-Ausbildung in der Gemeinde. Sie arbeiten an drei Tagen pro Woche in den Weyher Kitas. An zwei Tagen besuchen die angehenden Erzieherinnen in Bremen die Berufsschule, die Sozialassistenten in spe die berufsbildenden Schulen in Niedersachsen.

Eine Teilnehmerin brachte pädagogische Erfahrungen aus einer früheren Tätigkeit als Tagesmutter mit. Nun wird sie Sozialassistentin. „Davon hätte auch Stuhr profitieren können“, sagt Holz.

In Stuhr besteht eine Möglichkeit zur Ausbildung

In Stuhr besteht immerhin die Möglichkeit, sich berufsbegleitend zur Erzieherin ausbilden zu lassen. Je nach Qualifikation arbeiten die Personen in den Kitas als Sozialpädagogische Assistenz oder als Unterstützungskraft. Für den Unterricht sind sie freigestellt. Nach einem ermutigenden Beginn 2019/20 mit vier Teilnehmern ging im zweiten Ausbildungsjahrgang nur noch eine Person an den Start. Quereinsteiger für diese nebenberufliche Ausbildung hat die Kommune bislang nicht gewonnen.

„Unter bestimmten Voraussetzungen kann man gleich mit der Erzieherausbildung beginnen“, sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg. Also ohne sich vorher zur Sozialassistentin schulen zu lassen. Abhängig sei das vom Schulabschluss, der Berufsausbildung und dem Praxisteil. „Es gibt verschiedene Kombinationen.“

Tagespflegepersonen hätten schon eine Qualifizierung zur Betreuung von Kindern erlangt. „Durch die Anzahl der Stunden, die sie in ähnlicher Tätigkeit vollbracht haben, sind sie im Vorteil“, sagt Kerstin Frohburg und fügt hinzu: „Wir planen, uns da auf den Weg zu machen.“

Es stehen noch einige Fragen im Raum

Wie kann es gelingen, die Tätigkeit als Tagespflegeperson mit einer nebenberuflichen Erzieherausbildung zu verbinden? Kann das Modell, wie es die Gemeinde für Sozialassistentinnen anbietet, auf Tagespflegekräfte übertragen werden? Das heißt, sie an zwei Tagen pro Woche in die Schule zu schicken? Wäre es möglich, dass sie an den übrigen drei Tagen weiter in der Tagespflege arbeiten? Oder ist es eher sinnvoll, schon während der Ausbildung in die Kita-Betreuung zu wechseln? Diese Fragen gilt es laut Kerstin Frohburg zu klären.

Fest steht: Für eine wie auch immer geartete Lösung muss sich die Gemeinde das Votum der Politik holen. Es geht um die Anzahl der Plätze, die finanziert werden müssten. Schließlich soll die nebenberufliche Ausbildung auch für die in den Kitas tätigen Unterstützungskräfte offen sein.

Jeannette Holz sieht die Tagespflegekräfte bei einer Umschulung mit diversen Schwierigkeiten konfrontiert: „An den beiden Schultagen müssten sie ja freigestellt sein. Entweder gibt es dafür eine Vertretungsregelung, oder Eltern lassen sich auf eine dreitägige Betreuung ihres Nachwuchses ein.“ So oder so bleibe die Frage des Geldes. „Wer dann noch 1200 bis 1500 Euro verdient, davon noch Schulgeld und Fahrtkosten bezahlen muss, der fängt wohl keine Ausbildung zur Sozialassistentin oder zur Erzieherin an. Da bleibt ja kaum was übrig.“ Die Lösung müsse eine runde Geschichte für alle sein.

Wo soll es hingehen mit der Tagespflege in Stuhr?

Kerstin Frohburg fände es schade, wenn durch Wechsel von Tageseltern in die Kitas Betreuungsplätze in der Pflege wegfallen würden. Diese Kritik wurde am Bremer Modell laut. Dem Land geht es aber nicht darum, Tagesmütter oder -väter in die Einrichtungen zu verschieben. Vielmehr möchte es zusätzlich Frauen und Männer gewinnen, die sich als Tagespflegeperson qualifizieren.

Das Thema Quereinstieg dürfte auch auf den Tisch kommen, wenn sich Stuhrer Tagesmütter bald mit der Verwaltung an einen Tisch setzen. Wo soll es hingehen mit der Tagespflege in Stuhr? Diese Frage hatte Jeannette Holz bereits im Ausschuss für Jugend, Freizeit, Kultur und Soziales gestellt – verbunden mit dem Wunsch, sich mal auf Augenhöhe zu treffen. Das soll noch in diesem Monat passieren.

Von der Vertretungslösung im Krankheitsfall über die Nutzung von Turnhallen durch die Gruppen der Tagespflegekräfte bis hin zur Bereitstellung von Bibliotheksausweisen: Jeanette Holz und ihren Mitstreiterinnen geht es um die Gleichstellung von Kindertagespflege und Kita-Betreuung, so wie es gesetzlich vorgesehen ist.

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