Vintagefreunde: Birgit und Jürgen Heusmann werten alte Holzmöbel auf

Schäbig oder Schatz

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Mit diesem geerbten Küchenbüfett von Birgit Heusmanns Großmutter hat alles angefangen. Die Seckenhauserin und ihr Mann haben das Eiche-Möbel wieder aufpoliert und dabei ihre Leidenschaft für Vintage-Möbel entdeckt.

Seckenhausen - Von Katrin Köster. „Du, Gerd, guck‘ mal! Diese Kommode...“ Gerd: „Was, das schäbige Ding?! Das ist doch Müll.“ Dialoge wie diesen kennen Birgit und Jürgen Heusmann allzu gut. Vintage-Möbel scheiden eben die Geister. Heusmanns sind sich jedoch einig, dass sich hinter alter Farbe, knarzendem Holz oder gesplittertem Glas zuweilen wahre Schätze verbergen.

Unter dem Namen „Vintagefreunde Stuhr“ fröhnt das Seckenhauser Ehepaar seit Jahren seiner Leidenschaft für das Aufbereiten alter Kommoden, Regale oder Spiegel. „Angefangen hat alles mit dem Küchenbüfett meiner Oma“, erzählt Birgit Heusmann. Die Großmutter vererbte ihr das gut 80 Jahre alte Möbel aus massiver Eiche samt abgerundetem, gläsernem Aufsatz. „Groß, schwer und sehr dunkel“ lautete damals ihre „Diagnose“. Gemeinsam mit ihrem Mann machte sie sich daran, das Büfett abzuschmirgeln, es zu reinigen und in einem frischen Cremeton überzustreichen. Jürgen Heusmann baute in den Aufsatz zudem eine Beleuchtung ein. Nun steht das Küchenbüfett als Blickfang im Wohnzimmer der Eheleute.

Die Arbeitsstunden zu schätzen, das fällt beiden schwer. Letztlich geht es den Seckenhausern vor allem um den Spaß, den sie am Aufmöbeln der alten Stücke finden. „Für mich ist das Entspannung“, betont Jürgen Heusmann. Der 54-Jährige ist Tennislehrer und betreibt eine Schule. „Da ist es immer laut, unruhig und hektisch.“ Beim Hantieren mit Pinsel, Zange und Bürste komme er zur Ruhe. Seine Gattin, gelernte Bürokauffrau, schätzt besonders den „Vorher-Nacher-Effekt“ der Arbeiten. „Es macht Spaß zu schauen, wie anders es hinterher aussieht“, so Birgit Heusmann.

Die 54-Jährige poliert am liebsten kompakte Teile wieder auf. Dafür hat sich das Paar in Birgit Heusmanns Elternhaus einen Werkstattraum eingerichtet. Doch auch das ehemalige Zimmer des gemeinsamen Sohnes muss immer mal wieder herhalten, wenn Stücke nach dem Lackieren trocknen müssen oder erstmal eingelagert werden.

„Wir gehen inzwischen nicht mehr gern ins Möbelhaus, um nach etwas zu gucken“, so Birgit Heusmann. Ihre Objekte der Begierde stöbern sie meist auf dem Flohmarkt, im Internet bei Ebay sowie in den Kleinanzeigen auf.

Manchmal ist es aber auch der Zufall, der ihnen zu Nachschub verhilft: Wie im Fall des mannshohen Biedermeier-Schranks im Wohnzimmer. Der gehörte einem jungen Mann, der das gute Stück wegen eines Umzuges in eine kleinere Wohnung verkaufen wollte. „Der war so traurig, als wir mit ihm sprachen. Er tat mir richtig leid“, erinnert sich Birgit Heusmann. Oder die Weyher Klavierlehrerin, die so an ihrem alten Schreibtisch hing, dass sie ihn von Heusmanns aufpolieren ließ. „Vintage-Möbel sind nicht perfekt, haben Jahrzehnte auf dem Buckel, erzählen aber auch Geschichten“, sagt Jürgen Heusmann. Das ist für ihn auch der Grund, weshalb manche Menschen so an alten Stücken hängen, die für andere schlicht Sperrmüll sind. „Es ist eben Geschmackssache“, findet er.

In der kleinen Werkstatt wartet bereits der nächste „Patient“ auf seine Frischzellenkur: Ein hölzerner Schreibtisch von Bekannten des Paars. „Der gehört einem jungen Mann, der ihn vom Opa geerbt hat. Der hatte ihn immer in seiner Mühle stehen“, sagt Birgit Heusmann. Das Möbel hat offenbar schon zahlreiche Schreiberlinge mitgemacht. Das honigfarbene Holz der Tischplatte ist blankgescheuert sowie mit Rillen und Kratzern übersät.

Es erzählt seine Geschichte fast von selbst, als Jürgen Heusmann am Metallscharnier der Schublade zieht. Er deutet auf einen alten, dunklen Stempel auf dem Holz: „Eigentum der Grundschule Seckenhausen“ heißt es da, daneben prangt die Postleitzahl „2805 Seckenhausen“.

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