21. Jazz-Fest im Ratssaal wartet mit gestandenen Musikern und einer Premiere auf

Vielfalt seit mehr als zwei Jahrzehnten

Viele Instrumente und große Klangfülle am Samstag: On the Jazzy Side of Pop.

Stuhr - Von Rainer Jysch. Erfolg lässt sich messen: Bereits zum 21. Mal hatte Jens Schöwing als musikalischer Leiter am Wochenende das beliebte, viertägige Jazz-Fest auf die Beine gestellt. Die Veranstaltungen im Rathaus der Gemeinde Stuhr waren jeweils gut besucht. Den Auftakt bildete am Donnerstag ein Forumskonzert der Kreismusikschule. Neben deren Schülern zeigten auch zwei Starterbands unter Leitung von Holger Twietmeyer ihr Können.

Am Freitag Mittag schilderten Musiker unter Schöwings Leitung anlässlich eines moderierten Schulkonzerts mit dem „Bach2School“-Ensemble, wie Jazzmusiker an Stücke herangehen, um sie in verschiedenen Stilrichtungen wie Swing, Latin, Reggae oder Funk zu spielen. Der Blick hinter die Kulissen der Jazzmusik erfreute insbesondere das vorwiegend junge Publikum im Ratssaal und brachte es zum Staunen (wir berichteten).

„Beginnen möchten wir mit zwei gestandenen Musiker-Persönlichkeiten“, begrüßte Jens Schöwing das Publikum am Freitagabend. Seit vielen Jahren sei das Jazzduo E&Th mit Jazz, Blues und Bossa Nova auf deutschen Bühnen unterwegs. Evelyn Gramel aus Bremen (Gesang) zeichnete sich dabei mit einer enorm vielfältigen Stimme aus. Thomas Brendgens-Mönkemeyer aus Ottersberg (Gitarre) bewies einmal mehr seine umfangreichen Erfahrungen und Virtuosität am Saiteninstrument. Der Gitarrist steht nicht nur auf der Bühne, sondern ist auch als Komponist und Dozent unterwegs. Als erstes Lied spielten und sangen die beiden „On a clean Day“, der Titelsong ihrer aktuellen CD. Es folgte ein getextetes Saxofon-Solo, das einst die kanadische Singer-Songerwriterin Joni Mitchell zu Ruhm verholfen hatte: „Twisted“, die Geschichte über ein verrücktes kleines Mädchen. Auch anhand des Bossa Nova „Desafinado“ gelang es dem Duo, das Publikum von seiner Professionalität zu überzeugen.

Nach der Pause hatte der Wiener Thomas Marek mit drei grandiosen Musikern (Klavier, Bass, Schlagzeug) seinen Auftritt. Der Stepptänzer („Nein, ich werde nicht singen“) sorgte mit seinen Bewegungen auf der kleinen Bühne für Aufsehen. Quasi als viertes Instrument gelang es ihm, Musik mit dem perkussiven Sound des Steppens sichtbar zu machen. Mal streichelte er mit den Sohlen seiner Schuhe die hölzerne Bühne, mal knallte er lautstark mit den Hacken auf den Boden oder tanzte (spielte?) ein Duett mit Drummer Stefan Dahm. Als Zugabe trat Evelyn Gramel erneut vor das Publikum, um den Abend gemeinsam mit dem Quartett mit dem Song „Fly me to the Moon“ zu beenden.

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Free-Jazz. Mit der Stephan-Max Wirth Experience hatte Schöwing eine Formation engagiert, die mit stilsicherem Auftritt glänzte. „Blues-Maschine“ nennt Wirth seine Auftragskomposition, die er für den NDR anlässlich des Bauhaus-Jahrs geschrieben hatte. Stephan-Max Wirth (Tenorsax/Sopransax), Jaap Berends (Gitarre), Bub Boelens (Bass) und Florian Hoefnagels (Drums) bewiesen als virtuose Musiker, dass sie zu den Top-Bands des europäischen Jazz gehören. Soli der Künstler bedachte das Publikum stets mit Zwischenapplaus, wobei der Schlagzeuger gleich mehrfach dazu veranlasste.

Nach der Pause wurde es voll auf der Bühne. Die sechs Mitglieder der Gruppe On the Jazzy Side of Pop benötigten die ganze Breite des Podiums, vermochten mit ihrem Instrumentarium aber auch eine ausgesprochene Klangfülle zu präsentieren: Nick Gibbs (Gesang), Ilka Siedenburg (Saxofon/Bassklarinette), Felix Elsner (Klavier), Marcello Albrecht (E-Bass), Michi Schmidt (Percussion) und Friedemann Bartels (Drums). Die Band hat sich zur Aufgabe gemacht, Songs bekannter Interpreten nicht zu covern, sondern mit den Mitteln der Improvisation zu einem ganz neuen Klangbild zu transformieren. In der Set-Liste hatte sie auch „Clap Hands“ aus dem von Tom Waits dabei. Speziell die samtene Stimme von Frontmann Nick Gibbs verlieh dem Konzert eine besondere Note. Kein Wunder also, dass das Publikum die Musiker erst nach heftigem Applaus und einigen geforderten Zugaben entließ.

Traditionell schloss das Jazz-Fest 2020 am Sonntag mit einem Bigband-Konzert mit Mo’Jazz & Horns und groovigem Souljazz-, Funk- und Latinklassikern.

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