Aus welchen Programmen die Stuhrer Schulen Geld bekommen – und wie weit das Rathaus ist

Viele Wege, ein Ziel: Digitalisierung

Die Anschaffung von Tablets und Laptops im Rahmen des Digitalpakts setzt den Ausbau der internen Wlan-Netze an den Schulen voraus. Ausnahmen sind digitale Endgeräte für Kinder von weniger betuchten Eltern. Die gibt es schon bald durch das Sofortausstattungsprogramm.
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Die Anschaffung von Tablets und Laptops im Rahmen des Digitalpakts setzt den Ausbau der internen Wlan-Netze an den Schulen voraus. Ausnahmen sind digitale Endgeräte für Kinder von weniger betuchten Eltern. Die gibt es schon bald durch das Sofortausstattungsprogramm.

Stuhr – Dienstlaptops für Lehrer, Breitband-Anschluss für die Schulen, Internet-Flatrate für Schüler, die bisher zu Hause keinen Online-Anschluss haben, sowie die Ausbildung und Finanzierung von technischen Fachleuten an den Schulen: Die Bundesregierung will noch mal Geld in die Digitalisierung der Schulen stecken. Der aktuelle Vorstoß steht unter dem Motto „Moderne Schulen. Jetzt!“.

Schon für den auf fünf Jahre angelegten Digitalpakt, mit dem die digitale Infrastruktur an den Schulen auf Vordermann gebracht werden soll, hat der Bund fünf Milliarden Euro rausgehauen. Davon profitiert Niedersachsen mit 522 Millionen Euro, Stuhr rechnet mit fast 1,5 Millionen Euro aus diesem Topf. Inklusive ihres Eigenanteils könnte die Kommune über zwei Millionen Euro ausgeben.

Und dann wäre da noch ein bürokratisches Monster namens „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Umsetzung des Sofortausstattungsprogramms des Bundes und der Länder für digital gestützten Unterricht“, im Folgenden kurz Sofortausstattungsprogramm genannt. Mit diesem Zusatz zum Digitalpakt stellt der Bund 500 Millionen Euro für digitale Endgeräte zur Verfügung. Ziel ist der Ausgleich sozialer Ungleichgewichte, die das Erreichen der Unterrichtsziele gefährden. Das Programm ist eine Reaktion auf die Corona-Pandemie, die solche Ungleichgewichte beim Lernen zu Hause offenbart.

Was hat Stuhr aus welchem Programm beantragt? Ist schon Geld abgerufen? Hier ist der aktuelle Stand der Dinge.

Digitalpakt: Nach Auskunft von Fachdienstleiterin Ann-Kathrin Dannemann hat die Gemeinde noch keinen Cent der ihr zustehenden Mittel ausgegeben. „Uns hat Corona da ein bisschen zurückgeworfen“, begründet sie. Zurzeit sei die Kommune dabei, parallel die interne Wlan-Ausstattung an den Schulen und die Anschaffung weiterer interaktiver Tafeln, insgesamt 42 Stück, voranzutreiben. Davon profitieren alle Schulen. Dannemann spricht von dem „ersten Schritt des Digitalpakts“. Das Ausschreibungsverfahren für die Tafeln sei abgeschlossen, 214 000 Euro gebe die Gemeinde für die Geräte aus, die sie bis 2019 aus dem eigenen Haushalt finanziert hatte. Noch bis Ende des Jahres sollen sie angeschafft und montiert sein. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch die internen Wlan-Netze stehen. Letzteres ist eine Voraussetzung dafür, über den Digitalpakt Endgeräte wie Laptops, Notebooks und Tablets zu bestellen. Smartphones sind davon ausgenommen.

Die Grundschule Seckenhausen verfügt nach Auskunft von Leiterin Andrea Rahn über fünf Tafeln, hofft in diesem Jahr noch auf weitere vier und hätte dann nur noch Bedarf in zwei Klassenräumen. Mit ungefähr 20 Tafeln ist derzeit die KGS Brinkum ausgestattet, wie der kommissarische Leiter Marcus Barnert berichtet. Bei einem künftigen Bedarf von allein mehr als 70 allgemeinen Unterrichtsräumen ist da noch Luft nach oben. „Wir haben uns erst mal auf die Musik-, Kunst- und Physikräume sowie auf die Sekundarstufe II konzentriert“, sagt Barnert.

Sofortausstattungsprogramm: Erst in der vergangenen Woche hat die Gemeinde einen Förderbescheid über 123 000 Euro erhalten. Es ist der höchste Betrag, den Stuhr aus diesem Topf abgreifen kann. Dieses Geld ist ebenfalls für die Beschaffung digitaler Endgeräte gedacht – damit auch Schüler aus weniger betuchten Familien von zu Hause aus digital lernen können. Laut Dannemann befindet sich die Gemeinde aktuell im Vergabeverfahren „mit dem Ziel, die Geräte zeitnah an alle Schulen verteilen zu können“. Diese mussten dafür ihren jeweiligen Bedarf melden. „Wir haben uns auf die Schüler konzentriert, die schon durch das Bildungs- und Teilhabepaket unterstützt werden“, sagt zum Beispiel Andrea Rahn.

Laut Dannemann schafft die Gemeinde zunächst 183 iPads und Laptops an. Der tatsächliche Bedarf von 199 Geräten übersteige zwar die Fördersumme. Doch die fehlenden 16 Exemplare will die Gemeinde entweder selbst oder mit nicht abgerufenen Fördermitteln finanzieren. Aufgeteilt werden die Geräte wie folgt: Grundschule Brinkum 34, Grundschule Heiligenrode 10, Grundschule Moordeich 7, Grundschule Seckenhausen 14, Grundschule Varrel 18 sowie KGS Moordeich und KGS Brinkum jeweils 50.

Moderne Schulen. Jetzt!: Über den jüngsten Vorstoß des Bundes habe die Gemeinde bislang nur aus dem Radio erfahren, sagt Dannemann. Damit war die die Verwaltung Donnerstag nicht schlauer als am Dienstagabend im Schulausschuss. Was den durch das Programm geförderten Breitband-Anschluss für die Schulen angeht, setzt Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg bislang auf die Initiative des Kreises (wir berichteten). „Da wären wir zum Beispiel für die KGS Brinkum mit 50 Euro im Monat dabei.“ Zurzeit gebe die Gemeinde „alles, was die Leitungen an Saft hergeben, in die Schulen“.

Laut Barnert reicht das momentan aus für die Arbeit mit den digitalen Tafeln. Engpässe habe es gegeben, als die Schüler im Homeoffice auf die Server der Schule zugegriffen hatten. Doch seit Mai 2020 steht die Niedersächsische Bildungscloud (NBC) für alle niedersächsischen Schulen zur praktischen Erprobung zur Verfügung. Mit dieser Plattform müssten Lehrer und Schüler mit ihren digitalen Endgeräten nicht mehr über Leitung der Schule gehen, sagt Barnert.

Die Ausbildung und Finanzierung von technischen Fachleuten an den Schulen – ebenfalls ein Förderschwerpunkt von „Moderne Schulen. Jetzt!“ – könnte für die Gemeinde noch von Bedeutung werden. Im Rahmen des Digitalpakts muss sie für die Wartung und den Support der digitalen Infrastruktur an ihren Schulen sorgen. Das geschieht zurzeit durch Mitarbeiter des Landkreises. Die Gemeinde hat laut Frohburg bereits darüber nachgedacht, dieses Personal künftig mit eigenen Leuten aufzustocken oder einen dritten Dienstleister hinzuzugewinnen.

Von Andreas Hapke

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