Ratsherr Bode schlägt an B 322 Kreisverkehr vor

„Viele Verkehrsteilnehmer sind an der Stelle überfordert“

Ein Autofahrer, der mit seinem Wagen (rechts) von der Obernheider Straße auf die B 322 einbiegen möchte, hat schon aus Richtung der gegenüberliegenden Industriestraße schon einiges an Verkehr zu beachten. - Foto: Ehlers

Seckenhausen - Von Andreas Hapke. Der tödliche Unfall am Dienstagvormittag hat die Kreuzung Bundesstraße 322/Obernheider Straße (mal) wieder in den Mittelpunkt gerückt. Könnte ein Kreisverkehr helfen, die Polizei denkt an eine Ampel.

Nach Ermittlungen der Polizei wollte die verunglückte Frau mit ihrem Wagen von der Obernheider Straße nach links in Richtung Kreuz Meyer abbiegen und hat trotzdem den von links kommenden Lastkraftwagen nicht gesehen. Wie kann so etwas passieren? Was macht die Kreuzung so gefährlich, die 2014 bereits ein Unfallhäufungspunkt war?

Nach Ansicht von Johann-Dieter Oldenburg, Leiter des Polizeikommissariats in Weyhe, sind „viele Verkehrsteilnehmer an dieser Stelle überfordert“. Wer mit seinem Wagen zum Beispiel an der Obernheider Straße halte, so wie es jetzt auch bei der verunglückten 72-Jährigen der Fall war, der müsse nicht nur den Verkehr auf der B 322 beobachten.

Und selbst das sei bei zwei Linksabbiegerspuren schon anspruchsvoll – erst recht für jemanden, der es eilig habe. Der Fahrer habe es auch mit dem Verkehr aus Richtung der gegenüberliegenden Industriestraße zu tun, auf der wegen des Gewerbegebiets viele Fahrzeuge unterwegs seien. „Die Kreuzung ist zudem sehr breit. Es dauert, sie zu überqueren“, sagt Oldenburg. Im aktuellen Fall komme noch hinzu, dass die Autofahrerin in ihrem Alter nicht mehr so schnell habe reagieren können.

Polizei und Gemeinde müssten nun eine Lösung vorantreiben. „Wir würden an dieser Stelle eine Ampel anregen“, sagt der Kommissariatsleiter. Denn „wenn es da kracht, dann kracht es ordentlich“. Laut Oldenburg war eine Ampel bereits in der jüngsten Verkehrsschau im April ein Thema. „Man wollte das weiter beobachten.“

Autofahrer sind nicht „extrem schnell“

Für Oldenburg und sein Team bedeutete dies, dass sie dort mehrfach die Geschwindigkeit gemessen haben. Das Ergebnis: Einige Autofahrer seien zu schnell unterwegs, schneller als die vorgeschriebenen 70 Kilometer pro Stunde. „Aber es gab keine extremen Ausreißer.“ Das sei bei der momentanen verkehrlichen Situation zumindest tagsüber auch gar nicht möglich. „Wegen der Probleme auf der A1 ist viel zu viel los auf der Bundesstraße.“

„Besser“-Ratsherr Gerd-W. Bode schlägt dort einen Kreisverkehr vor. Er beruft sich auf den Lärmaktionsplan, den die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der PGT Umwelt und Verkehr aufgestellt hat. Auf Seite 46 des Endberichts ist das Ersetzen von Lichtsignalanlagen durch Kreisel zwar als Instrument der Lärmminderung aufgeführt – allerdings mit der „flankierenden Wirkung“ Verkehrssicherheit. „Es wäre eine gute Möglichkeit, mit der Umsetzung des Lärmaktionsplanes an dieser Kreuzung zu beginnen und auch in der zukünftigen Verkehrsplanung Kreuzungen als Kreisverkehr anzulegen“, sagt Bode.

„Wir werden das in unsere Überlegungen mit einbeziehen, wobei ein Kreisverkehr immer auch mit einer aufwendigeren Vorarbeit verbunden ist“, sagt Andreas Feist, Fachbereichsleiter Betrieb und Verkehr in der Geschäftsstelle Nienburg der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

Am Beispiel der B 322 heißt das unter anderem „massiver Grunderwerb an mindestens drei Stellen“, wie Hartmut Martens, Fachbereichsleiter Bürgerservice, Verkehr und Feuerwehr im Stuhrer Rathaus, erklärt. Ein Kreisverkehr sei eine gute Lösung, „wenn Äste mit annähernd gleicher Belastung aufeinandertreffen. Industriestraße und Obernheider Straße sind aber von untergeordneter Bedeutung. Und dann wäre immer noch zu klären, wie Radfahrer und Fußgänger zu ihrem Recht kommen.“

Martens setzt auf eine Regelung des Verkehrs durch eine Ampelanlage, und das nicht erst seit Dienstag. „Wir haben das schon vor zweieinhalb Jahren in einer Verkehrsschau thematisiert. Wir haben immer ein Auge auf die Linksabbiegerverkehre aus den Nebenstraßen, sehen aber auch Defizite auf der Hauptstrecke sowie für die Radfahrer und Fußgänger“, sagt Martens. Den erneuten Unfall betrachtet er als einen „sehr intensiven Anlass“, das Thema Ampel bei der nächsten Verkehrsschau wieder zur Sprache zu bringen – auch wenn die B 322 nicht immer Unfallschwerpunkt gewesen und das aktuelle Unglück auf subjektives Fehlverhalten zurückzuführen sei.

Uwe Schindler, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, bestätigt den lange gehegten Wunsch der Gemeinde nach einer Ampelanlage. Doch es gebe keine belegbaren Zahlen und Ereignisse, die eine Lichtsignalisierung erforderlich machten. „Die Strecke ist kein Unfallschwerpunkt“, sagt Schindler. Dazu sei eine gravierende Anzahl von gleichartigen Unglücken notwendig. Zudem würde eine Ampel „jedes Mal den Verkehr auf der Bundesstraße aufhalten. Das muss man alles sorgfältig abwägen.“ Um das aktuelle Unglück zu bewerten, wolle er den Polizeibericht abwarten.

Zum Thema Kreisel sagte Schindler: „Dafür ist die Bundesstraße zu stark, die seitlichen Äste sind zu schwach. Rein hypothetisch muss dafür ein Planfeststellungsverfahren her. Dann passiert in den nächsten zwei, drei Jahren gar nichts.“

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