Schüler der KGS Brinkum bereiten mit Flüchtlingen Speisen zu und tafeln gemeinsam

Viele Köche für tollen „Brei“

Elftklässler des Leistungskurses Politik haben eine Aktion ins Leben gerufen, bei der Flüchtlinge verschiedener Nationen gemeinsam diverse Spezialitäten kochen und essen. - Fotos: Ehlers

Brinkum - Von Sigi Schritt. Arbeitsteilung am Herd: Rasend schnell hackt Sisi Zwiebel für Zwiebel. Es entsteht per Handarbeit ein Brei, den eine Maschine nicht hätte rascher herstellen können. Das Zwiebelmus verarbeiten schließlich Genet und Rosina, die in großen Töpfen rühren. Die drei Frauen wollen in der Schulküche der KGS Brinkum für die Aktion „Kennenlernen der Kulturen durch Kochen“ ein typisches Essen ihres Heimatlandes zubereiten.

Das Trio stammt aus Eritrea, einem Staat im nordöstlichen Afrika, und verarbeitet Grünkohl, Eier, Hühner- und Rindfleisch. An anderen Kochplatten herrscht ebenfalls reger Betrieb: Eine Gruppe bereitet eine somalische Speise mit einem hohen Gemüseanteil zu, ein paar Töpfe weiter entsteht ein afghanisches Gericht mit Reis und Kartoffeln.

Während die Speisen grundverschieden sind, verbindet die Köchinnen ein gemeinsames Schicksal: Jede ist aus ihrem Land geflohen und sucht in Deutschland Schutz. Und alle haben derzeit in Stuhr ein neues Zuhause gefunden.

Celina Kühl (16) und Franziska Tyc (17) gehören der zehnköpfigen Schülergruppe an, die die Flüchtlinge zum gemeinsamen Kochen animiert hatte. Ziel der Elftklässler des Politik-Leistungskurses ist es, nach dem Kochen nicht nur das Essen gemeinsam zu genießen, sondern auch die Menschen aus den unterschiedlichen Ländern besser kennenzulernen, erklären die beiden Projektsprecherinnen. Ein Teil der Organisatoren hat auch ein deutsches Essen vorbereitet: Königsberger Klopse.

Eine Frau aus Eritrea schneidet Zwiebeln im Rekordtempo.

„Wir haben festgestellt, dass dieses Gericht am schnellsten fertig war“, sagen die Schülerinnen. Die beiden wirken zufrieden. Ihre Aktion läuft bestens. In einem anderen Raum spielen ihre Mitschüler mit den Kindern der Köchinnen. Parallel dekorieren weitere Jugendliche aus dem Jahrgang mit den Gästen eine lange Tafel. Sie funktionieren beispielsweise kurzerhand die zahlreichen Töpfe mit frischen Kräutern aus der Küche zur Tisch-Deko um.  An der Tafel sollen später um die 30 Personen in zwei Schichten speisen. Anders als in Kochshows gibt es hier keine Jury, doch die hätte angesichts der verführerischen Düfte sicherlich eine gute Bewertung abgegeben. Celina Kühl und Franziska Tyc freuen sich auf das Essen und auf die Überraschung aus Eritrea.

Als Vegetarierin möchte Celina Kühl besonders alle Gemüse-Varianten probieren. Als Getränk gibt es Leitungswasser, mal mit Zitronen, mal mit Minze angereichert. Das sei nicht nur gesund und lecker, sondern auch sehr preiswert, sagen die Köchinnen. An der Tafel wollen die Schüler später von ihren Gästen erfahren, was sie erlebt haben. „Wir wissen noch nichts, das Essen bietet dazu die Gelegenheit“, finden sie.

Ist ein stilvolles Dinner in einer Schule möglich? Ja, das das funktioniert. Das beweist die Aktion, zu der auch die Sozialpädagogen Kirsten Nietzold und Michaela Otterstedt ihren Beitrag leisten. Celina Kühl und Franziska Tyc glauben, dass es eine Fortsetzung geben wird. „Gemeinsames Kochen verbindet“, sind sich die Jugendlichen einig. Es macht ihnen Spaß, wenn die Gäste sie anlächeln und für den Moment glücklich wirken.

Idee durch Planspiel des Roten Kreuzes

Wie sind die KGS-Schüler auf diese Aktion gekommen? Die Politikschüler hatten an einem Planspiel des Deutschen Roten Kreuzes teilgenommen. Dabei ging es um den Streit, den zwei fiktive Länder angezettelt hatten. Die Schüler wiederum hatten die Aufgabe, in die deutsche Vermittlerrolle hineinzuschlüpfen, um die Probleme zu lösen. Dabei mussten sie laut Celina Kühl aber immer durch die humanitäre Brille schauen. Mit dem interkulturellen Folgeprojekt wollen sie schließlich für die KGS Brinkum den Titel „Humanitäre Schule“ holen.

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