„Viaggio“ brillieren / Kaum Zuhörer

Besucherzahl wird Musikern nicht gerecht

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„Viaggio“ spielen im Rathaus Folklore, die keine ist. Unser Bild zeigt (v.l.) Faín Sánchez Dueñas, Stefan Back, Gerd Bauder und Arne Gloe.

Stuhr - Von Rainer Jysch. „Wir spielen Musik, die ein bisschen folkloristisch klingt, aber nicht folkloristisch ist, weil wir heute nur Stücke spielen, die wir selber geschrieben haben“, erklärte Stefan Back am Sonntagnachmittag im Stuhrer Rathaus. Das Konzert des Hamburger Quartetts „Viaggio“ fand leier vor wenigen Zuhörern statt: Gut ein Dutzend Besucher verloren sich im Saal.

Mit dem plakatierten Begriff „Folklore imaginaire“ hatte die Gruppe möglicherweise viele Liebhaber von Live-Konzerten verschreckt. Schade eigentlich, denn die Musiker bewiesen eindrucksvoll, dass sie exzellente Instrumentalisten sind, die ihren Arbeitsgeräten virtuose, jazzige Klänge zu entlocken vermögen. Auch Einflüsse von Chansons, Balkanweisen und Arabesken lassen sich bei der schwer einzuordnenden Stilrichtung feststellen. „Die Multi-Instrumentalisten Henri Texier und Louis Sclavis, die seit vielen Jahren die französische Jazz-Szene bereichern, haben Einfluss auf unsere Musik“, sagte Stefan Back am Rande des Konzertes.

„Pimienta verde“ (Grüner Pfeffer) hieß das erste Lied des vor vier Jahren bereits kurz nach der Gründung des Quartetts entstandenen Albums „Ode“. Getragen auf einer rhythmischen Grundlage von Bass (Gerd Bauder), Percussions (Faín Sánchez Dueñas) und Akkordeon (Arne Gloe) „schwebte“ Stefan Backs Klarinettensound. Auch in den folgenden Stücken mit fantasievollen Namen wie „Tangorine Walz“, „Miriam Astor“ und „Di dumba“ vermochten die Künstler variationsreiche Klangbilder zu produzieren. „Hier treffen sich alle möglichen Kulturen in einem Stück“, sagte Back zum letztgenannten Lied.

Mit dem Titel „Schwarzwald Express“ hatte Komponist Back sein Gefühl verarbeitet, das sich bei dem gebürtigen Süddeutschen einstellt, wenn er mit dem Zug von Hamburg zurück zum Bodensee fährt. Eher tragend zu Beginn nimmt das melodiöse Stück am Ende Fahrt auf und lässt die Finger der Künstler über ihre jeweiligen Instrumente flitzen. Insbesondere der Spanier Faín Sánchez Dueñas glänzte hier mit einem fantastischen Solo an seinem orientalischen Schlagwerk.

Unter anderem für eine „Tarantella“ aktivierte Stefan Back seine Bassklarinette, die dem Stück einen ganz besonderen Sound verlieh. Über den Titel „If he had ever visited Bulgaria“ könne man hervorragend nachdenken, was das wohl bedeuten mag, meinte der Klarinettenspieler.

„Vieles ist improvisiert. Das gilt insbesondere für die Soli. Die Notenblätter benutzen wir nur als Spickzettel“, erklärte Bassist Gerd Bauder die Spielweise des Ensembles. Zur Zeit arbeiten die Musiker an einer zweiten CD, die voraussichtlich im Herbst 2016 veröffentlicht werden soll.

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