Verwaltung muss sich gegen Vorwürfe zur Kiga-Gruppeneinteilung wehren

„Man kann sich nur bei den Eltern entschuldigen“

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Der Traum von einem Platz im Kindergarten Seckenhausen: Aus diesem Stuhrer Ortsteil stammen viele der Kinder, die im kommenden Jahr nicht wohnortnah unterkommen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. „Ich bin nicht bereit, für diese Gruppenplanung die Verantwortung zu übernehmen“ – deutlicher als Grünen-Ratsherr Jens Schriefer kann man eine Kritik an die Verwaltung nicht formulieren. Die hatte am Dienstagabend im Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur eine auch für sie unbefriedigende Lage geschildert.

Kernbotschaft: Nicht alle Sprösslinge kommen im Kindergartenjahr 2016/2017 in den vorhandenen Gruppen unter. Die anwesenden Eltern machten ihrem Unmut Luft. Stand jetzt kann die Gemeinde 41 Kindern keinen wohnortnahen Platz anbieten. 20 Kurze, die gegenwärtig eine Vormittagsgruppe besuchen, müssen in eine Nachmittagsgruppe, sechs dafür sogar die Einrichtung wechseln. Der Spätdienst von 12 bis 13 Uhr fällt in vier Einrichtungen weg, zwölf Kinder können nur bis 12 Uhr statt – wie von ihren berufstätigen Eltern gewünscht – bis 14 oder 16 Uhr betreut werden.

„Wir arbeiten mit Nachdruck daran, Möglichkeiten zu finden, um dieses Worst- Case-Szenario zu vermeiden“, sagte Kerstin Frohburg, Fachdienstleiterin Bildung, Jugend und Sport.

Für die Nutzung externer Räume müsse das Kultusministerium noch sein Okay geben, außerdem laufe ein Antrag auf Überschreiten der maximalen gesetzlichen Gruppenstärke um ein Kind pro Gruppe.

„Extrem bedauerlich“ nannte Fachbereichsleiter Detlev Gellert die Lage, zumal die Planung für die neue Kita für Seckenhausen und Heiligenrode mit vier bis fünf Gruppen noch nicht umgesetzt sei. „Es ist eine Situation, wie sie noch nie vorgelegen hat.“

Kein Verständnis brachte die Brinkumerin Petra Emde, Mutter von drei Kindern, dafür auf, dass sich die Familien in Stuhr Jahr für Jahr neu für einen Kindergartenplatz anmelden müssen. „Die Eltern bangen von Bescheid zu Bescheid, Kinder werden aus ihrer vertrauten Kiga herausgerissen. Es ist schrecklich, was man hier Familien zumutet.“ Emde bat die Verwaltung, in der Satzung eine Platzgarantie zu verankern. Das allerdings hätte laut Gellert zur Folge, dass Eltern, die ein Kind neu anmelden, nie eine Chance auf einen gewünschten Betreuungsplatz hätten, ganz egal ob sie berufstätig seien oder nicht. „So, wie es jetzt ist, können wir es am besten sozial steuern.“

Ein „schlechte Planung und schlechte Vorhaltung“ von Kiga-Plätzen warf Markus Langer der Verwaltung vor. „Erst in dem Augenblick, wo sich alle anmelden, wird geguckt, wo man die Kinder unterbringt“, sagte der Familienvater aus Fahrenhorst. „Was heißt das, wenn Nachmittagsgruppen mit Kindern aufgefüllt werden, nur weil nicht beide Eltern berufstätig sind?“, wollte ein weiterer Vater wissen – und gab die Antwort selbst: „Dann führe ich mit meinem Kind eine Wochenendbeziehung.“

In solchen Fällen, stellte Frohburg klar, wären ablehnende Bescheide zurzeit die einzige Alternative.

„Wir hätten nicht in diese Situation kommen dürfen“, sagte Schriefer. „War haben schon letztes Jahr hier gesessen und über die desaströse Lage in Seckenhausen gesprochen. Jetzt müssen wir noch ein Jahr damit umgehen. Eigentlich kann man sich nur bei den Eltern entschuldigen. Sie haben komplett Recht. Wir haben einen Fehler gemacht. Es ist scheiße, dass es so ist.“

Gleichwohl empfahl der Ausschuss am Ende einstimmig die vom Rathaus vorgeschlagene Gruppenbildung, denn in dem Beschlussvorschlag stand auch: „Die Verwaltung wird ermächtigt, weitere Gruppen einzurichten, wenn dies in geeigneten Räumen möglich ist.“

„Wir brauchen den Beschluss, um agieren zu können“, hatte der Erste Gemeinderat Ulrich Richter vor der Abstimmung gesagt. „Auch um etwas anderes hinzubekommen als das, was wir beschlossen haben.“

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