Verluste für Groß Mackenstedter Geschäfte durch Vollsperrung der B322

„Wenig los, langweilig und deprimierend“

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Diese Baustelle macht ihm zu schaffen: Tankwart Sebastian Willen zeigt auf die Sperrung der B322, die hinter der Einfahrt Harpstedter Straße in Richtung Autobahn1 beginnt und den für ihn wichtigen Durchgangsverkehr verhindert.

Gr. Mackenstedt - Von Tobias Kortas. Verlassen, staubig und aufgerissen: Wie eine Wüste liegt die Delmenhorster Straße (B322) da – nicht einmal Arbeiter verirren sich am Freitag an die dortige Baustelle, es ist Brückentag. Seit zwei Wochen blockiert die Sanierung die Fahrt durch den Groß Mackenstedter Ortskern. Nur Anwohner dürfen passieren.

Die Straße bekommt eine neue Decke. Rund drei Monate lang soll das noch so weitergehen. Leidtragende sind vor allem die Gewerbetreibenden in der Umgebung. Bis zu 50 Prozent der Kundschaft verlieren sie nach eigenen Angaben durch die Baustelle.

Hildegard Tüting, Filialleiterin der Bäckerei „Brüne Meyer“ an der Harpstedter Straße, ist verärgert. „Selbst meine Stammkunden bleiben weg. Es ist wenig los, langweilig und deprimierend“, erklärt sie. Der Grund ist das Ausbleiben des Durchgangsverkehrs – für eine Bäckerei lebenswichtig. Noch trüber sieht Tüting die Situation, wenn, wie am Freitag, niemand an der Baustelle arbeitet. „Ich finde das sehr ärgerlich. Hoffentlich hat die Baufirma das in den angegebenen vier Monaten mit eingeplant.“

„Brüne Meyer“ hat aus dem Kundenrückgang bereits Konsequenzen gezogen: Nachmittags bleibt die Bäckerei geschlossen, drei der fünf Mitarberinnen bedienen die Kundschaft zurzeit in anderen Filialen, das Sortiment ist kleiner geworden. Tüting muss nach eigener Auskunft viel wegwerfen. „Die Hälfte der Kunden kommt nicht mehr“, begründet sie.

Der benachbarte „Mackenstedter Imbiss“ hat gar nicht erst geöffnet. „Wir machen Urlaub vom 1. – 17. Mai“, steht dort auf einem Aushang. Erst ab dieser Woche ist das Lokal also wieder für seine Kunden da.

Wenig Grund zur Zufriedenheit hat in diesen Tagen auch Sebastian Willen. Der Kfz-Meister betreibt die Avia-Tankstelle an der Harpstedter Straße. Er klagt über einen Umsatzverlust „von mindestens 50 Prozent“ durch die Baustelle. „Der Arbeitsweg vieler Leute führt hier nicht mehr vorbei. Wenn morgens die Zeit knapp ist, kommt kaum einer mehr auf die Idee, zu meiner Tankstelle zu fahren.“ Doch Willen hat reagiert: Er hat mehrere Schilder aufgestellt, die den Weg zu seiner Zapf-Station weisen. „Das macht sich besonders am Nachmittag positiv bemerkbar. Viele kommen dann her, die sonst nicht zu mir gefunden hätten.“

Verhältnismäßig entspannt sieht Annegret Kluge die Lage. Sie betreibt ihr Geschäft „Kluge Blumen“ an der Delmenhorster Straße. „Ich habe etwas weniger Kundschaft, kann das aber nun mal nicht ändern. Viele rufen an und fragen nach dem Weg. Oder sie parken bei RBE und kommen zu Fuß her“, sagt die Floristin.

Das RBE-Gelände, ein Anbieter von Fenster, Türen und Wintergärten, liegt knapp 200 Meter entfernt vom Blumen-Shop. Auch während der Straßensperrung ist das Firmengelände durchgängig zu erreichen, erklärt das Unternehmen auf seiner Website. Die Firma befindet sich an der benachbarten Steller Straße und damit nicht im direkten Bereich der Baustelle. Laut einer Mitarbeiterin gibt es kaum Einbußen. Die Kunden kämen auch so. Kurzentschlossene, die bei der Vorbeifahrt anhielten, seien eher selten.

„Wir haben 30 bis 40 Prozent weniger Kunden“, berichtet dagegen Birgit Grabowski, Service-Kraft bei der Kreissparkasse Groß Mackenstedt. Gerade für Kunden, die etwa aus Bremen kämen, sei es schwierig, die Sparkasse im Bereich der Baustelle zu erreichen. „Viele weichen jetzt auf unsere Filialen in Heiligenrode oder Varrel aus“, so Grabowski.

Trotz aller Widrigkeiten hätten die Besucher der Sparkasse aber viel Verständnis für die Situation.

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