Staus und Wut in Seckenhausen

„Was ist das für eine Scheiße hier?“: Verkehrschaos am „Kreuz Meyer“

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Wer derzeit über die B 51 von Brinkum nach Neukrug oder andersrum will, muss viel Zeit mitbringen. Gerade zu den Stoßzeiten reiht sich Stoßstange an Stoßstange in Seckenhausen. Die B 322 ist dort komplett gesperrt.

Seit dem 15. April wird an der Kreuzung B322 und B51 in Seckenhausen die Fahrbahn erneuert. Was sich in den Osterferien schon anbahnte, wird jetzt zum Problem. Staus, wütende Fahrer und genervte Anwohner. Ein Vor-Ort-Besuch.

Seckenhausen – Tack, Tack. Schon ist die Ampel wieder rot. Ich lehne mich zurück, lege den Gang ein und schalte den Motor aus. Auf einmal braust ein Lastwagen mit hoher Geschwindigkeit auf der Spur an mir vorbei, die jetzt eigentlich dem Gegenverkehr vorbehalten ist. Bei Rot schließt er zu den vorausfahrenden Autos in der Baustelle auf. 

Kurz darauf rollt links an meinem Auto ein Motorradfahrer vorbei und kommt vor mir zum Stehen. „Was ist das für eine Scheiße hier?“, höre ich ihn laut unter seinem Helm schreien. Bis die Ampel wieder grün wird, schüttelt er abwechselnd den Kopf und wirft die Arme hoch.

Lange Staus und genervte Autofahrer an der Tagesordnung

Seit dem 15. April wird in Seckenhausen am Kreuzungsbereich „Kreuz Meyer“ und an der B322 die Fahrbahn erneuert. Auf den Tipp einer Kollegin hin, will ich mir vor Ort ein Bild von der Situation machen. Meterlange Staus und genervte Autofahrer soll es dort seit einigen Tagen geben.

Als ich den Motorradfahrer sehe, denke ich erst einmal: Wie kann man denn wegen eines Staus so sauer werden? Die Ampel wird grün. Ich fahre über die Kreuzung und parke ein paar Meter dahinter am Fahrbahnrand. Dort beobachte ich eine Weile die stille Pantomime der Lastwagen-Fahrer in ihren – wenn sie Glück haben – klimatisierten Fahrerkabinen. Rund 24 Grad sind für den Tag im Schatten angekündigt. Schnell zeigt sich: Das Überholmanöver des Lkw-Fahrers vor mir ist kein Einzelfall.

Ich beschließe, in das benachbarte Wohngebiet zwischen der B322 und der kreuzenden B51 zu gehen. Dort wird mir schnell klar, dass die Probleme weit über einen einfachen Stau hinausgehen.

B322-Anwohner: „Unmöglich, was hier läuft!“

An der Ecke Distelweg zieht ein älterer Mann Unkraut aus den Fugen der Gehwegsteine. Während ich auf ihn zugehe, um ihn anzusprechen, kommt plötzlich ein Auto um die Ecke geschossen. Der alte Mann steht auf, stützt die Hände in die Hüfte und schüttelt genervt den Kopf.

Als ich jünger war, spielte ich mit meinen Eltern und meiner Schwester auf längeren Fahrten immer ein Spiel. Wer weiß, zu welchen Orten oder Städten die Nummernschilder der vorbeifahrenden Autos gehören? Als ich im Distelweg stehe, erinnere ich mich daran. D, BAD, HET, L, WN und HH notiere ich mir in meinem Block. So viel Besuch können die Seckenhauser gar nicht haben.

„Unmöglich, was hier läuft!“ Das ist der erste Satz, den der ältere Mann mir empört entgegenruft. Seit 40 Jahren wohne er in dieser Straße und so etwas habe er noch nicht erlebt. Eigentlich gelte in dem gesamten Wohngebiet ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Daran hält sich außer ein paar langsam vorbeifahrenden Anwohnern keiner mehr. Kurz bevor ich in das Wohngebiet gehe, sehe ich noch einen polnischen Lkw-Fahrer verbotenerweise in die kleine Straße abbiegen.

Schleichweg durch Wohngebiet beliebt

Die meisten auswärtigen Fahrer kämen über die B322, berichtet mir der Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Diese sei kurz vor der Kreuzung voll gesperrt. Und da die meisten ja ein Navigationssystem hätten, würden sie allesamt versuchen, einen Schleichweg durch das Wohngebiet zu finden. Nur: Auch hier sind Straßen gesperrt. Der Anwohner erklärt mir detailliert den Weg, den alle umherirrenden Fahrer durch die schmalen Straßen nehmen würden.

Besonders stört ihn dabei eine Sache. Direkt neben seinem Haus liegt ein Kinderspielplatz. Da würden die Kleinen auch schon mal rausgeschossen kommen und auf die Straße laufen, erzählt er. Unter den derzeitigen Umständen sei das höchstgefährlich. Und das Tempo-30-Schild stünde nur einmal am Eingang des Wohngebiets. „Das weiß doch an der nächsten Straße keiner mehr“, ärgert er sich.

Ich gehe zurück zum Stau auf der B51; suche nach einem Anwohner, der möglicherweise eine andere Sicht der Dinge hat. Ich finde ihn in Person von Peter Schubert auf dem Parkplatz eines direkt am Stauende liegenden Bäckers und einer Fleischerei. „Es muss ja gemacht werden“, sagt er mir. Für das rüpelhafte Verhalten der anderen Fahrer hat aber auch er kein Verständnis.

Zweiter Bauabschnitt startet wohl am 2. Mai

Täglich würde er die Strecke von seiner Wohnung am Ortsausgang von Seckenhausen hier entlang fahren. In den vergangenen Tagen habe er immer wieder Fahrer dabei beobachtet, wie sie auf der Mittellinie der Straße fahren; genau wie der Gegenverkehr. Da habe er noch gut rechts vorbeifahren können. Ganz davon abgesehen, wie es zum Beispiel um Rettungsgassen bestellt sei, sei es nur eine Frage der Zeit, bis hier die ersten Spiegel abgefahren würden. „Ich weiß nicht, wo die ihren Führerschein gemacht haben“, ärgert sich Schubert.

Während die Lkws in der Schlange hinter uns laut hupen und den einen oder anderen Kollegen aus einem kurzen Nickerchen reißen, gehe ich in die Fleischerei. Dort will ich wissen: Was sagen die Kunden? Sind es durch den Stau vielleicht sogar weniger geworden?

Der Chef sei zwar nicht da, so eine Mitarbeiterin, sie könne aber sagen, dass die Kunden das mit der Baustelle natürlich gar nicht toll fänden. Aber auch sie ist der gleichen Meinung wie Peter Schubert: Es muss halt gemacht werden. Natürlich seien auch die Kunden ein bisschen weniger geworden. 

Aber: „Diese eine Woche stehen wir auch noch durch.“ Voraussichtlich am 2. Mai startet in Seckenhausen dann der zweite Bauabschnitt. In diesem soll die B322 und der begleitende Radweg zwischen der B51 und der B439 erneuert werden. Mit neuen Umleitungen und vielleicht auch neuen Problemen.

Was sagt die Behörde?

Auch wenn die Gemeinde Stuhr als Untere Straßenverkehrsbehörde nicht für die Baustelle zuständig ist (die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg ist federführend): Sie dient oft als Prellbock für den Ärger der Bürger. So hätten sich zahlreiche Anwohner gemeldet, berichtet die Fachdienstleiterin für Verkehr und Feuerwehr, Michaela Schierenbeck. Sie bestätigt das Problem: Schilder, Umleitungen und Tempolimits werden von vielen Fahrern ignoriert. 

Daher hat die Gemeinde bereits den Landkreis Diepholz gebeten, Geschwindigkeitsüberprüfungen vorzunehmen. Schierenbeck schränkt aber ein: „Wir können nicht an allen Wohnstraßen Polizisten aufstellen.“ Die Gemeinde tue, was sie könne. Sie bedauere sehr, was die Anwohner derzeit durchmachen müssten. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so viele Verkehre da haben“, gibt die Fachdienstleiterin zu.

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