Verwaltung sperrt Straße für Brummis

Groß Mackenstedt versinkt im Chaos

+
Laster begegnen sich auf dem Bremer Weg.

Gr. Mackenstedt - Von Andreas Hapke. Die Baustelle auf der Bundesstraße322 (wir berichteten) ist gerade einmal seit zwei Tagen eingerichtet, da hat Maik Thomae schon die Nase voll. Eine Karawane – von Kleinwagen bis hin zu 40-Tonnern – quält sich über den Bremer Weg, nur wenige Meter von seinem Grundstück am Mittelweg entfernt. Auch den haben sich Verkehrsteilnehmer als Ausweichstrecke für die gesperrte B322 ausgesucht.

Die Fahrzeuge biegen vor der Baustelle auf die Steller Straße ein, um über den Bremer Weg und Heiligenrode auf die B51 in Richtung Bassum oder Seckenhausen zu kommen. „Zwischen 6 und 9 Uhr ist hier die Hölle los“, sagt Thomae. Einige Nachbarn würden ihre Haustiere einschließen, andere sich über klirrende Fensterscheiben beschweren. Am Mittelweg haben Anlieger Mülleimer auf den Gehweg gestellt, weil Fahrzeuge im Begegnungsverkehr sonst auf ihre Grundstücke ausweichen würden. „Mindestens 20 von uns haben bei der Gemeinde angerufen und sich beschwert“, berichtet Thomae.

Eine von ihnen ist Maren Bunge, die am Bremer Weg zwischen Siekstraße und Stührmanns Höhe wohnt. „Ich wollte von der Gemeinde nur wissen, ob ich jetzt jeden Morgen um 5.30 Uhr wach werden soll.“

Doch den Anwohnern geht es nicht nur um solche Unannehmlichkeiten. Sie sehen auch die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer gefährdet, speziell die des Nachwuchses. „Da vorne geht es zum Kindergarten“, sagt Thomae und zeigt auf den Schnepfenweg. Aus Richtung Baustelle fahren die Brummis auf dem Bremer Weg mit Tempo 70 auf die geschlossene Ortschaft zu, ein paar Meter weiter, kurz vor dem Schnepfenweg, gilt Tempo 30. Wer scharf abbremst, gerät auf dem unbefestigten Seitenstreifen ins Schlingern. „Ich will nicht wissen, wie das ausgeht, wenn es regnet und die Reifen im Schlamm versinken“, sagt Thomae.

Fakt ist: Der drei Meter breite Bremer Weg ist „nicht leistungsfähig, um als Umleitung für eine Bundesstraße zu dienen“, sagt Michaela Schierenbeck, Fachdienstleiterin Verkehr und Feuerwehr. Deshalb sei er auch nicht als Ausweichstrecke ausgeschildert. „Mir soll keiner sagen, er sei nicht rechtzeitig auf die Baustelle hingewiesen worden“, meint Schierenbeck und fügt hinzu: „Die Autofahrer werden schon auf der A1 in Höhe Groß Ippener darauf aufmerksam gemacht, dass die Ortsdurchfahrt Groß Mackenstedt gesperrt ist. Wer aus Richtung Gewerbegebiet kommt, erfährt es auf der Moordeicher Landstraße.“

Trotzdem ignorieren viele Verkehrsteilnehmer – nachdem sie zum Beispiel die A1 in Groß Mackenstedt verlassen haben – die Absperrung mit dem Hinweisschild „Anlieger bis Baustelle frei“. Plötzlich haben alle ein Anliegen und biegen vor der Baustelle auf die Steller Straße ein. Es sind Lastwagen aus Minden, Osnabrück, Flensburg, Oldenburg, Schweden und den Niederlanden, die an dieser Stelle gar nicht mehr wenden können. „Unsere weiträumige Umleitung für die Ortsdurchfahrt Groß Mackenstedt führt über die A1. Und da war gestern ein Riesenstau“, erklärt Schierenbeck. Normalerweise beruhige sich die Lage am zweiten Tag nach Einrichten einer Baustelle. Das sei nicht möglich gewesen.

Als alleinige Erklärung für das Chaos auf dem Bremer Weg kann der Stau allerdings nicht herhalten. Auf Nachfrage erklären zwei aufeinander folgende Lastwagenfahrer an der Kreuzung Bremer Weg/Mittelweg, dass sie nach Bassum müssten und allein wegen der gesperrten B322 diese „Umleitung“ wählen würden.

Außerdem sei am Montag kein Unfall gewesen und es habe genauso ausgesehen, meint Hans-Joachim Paschen vom gleichnamigen Heizungs- und Sanitär-Geschäft in Heiligenrode. Er steckt auf dem Bremer Weg fest, weil es zwei Fahrzeuge nicht aneinander vorbei schaffen. Mehrfach hat Maik Thomae Begrenzungspfosten wieder aufgestellt, weil es nicht gepasst hat. „Vor allem verstehe ich nicht, dass weit und breit keine Polizei zu sehen war“, wundert sich Paschen.

„Wir standen mit der Polizei in Kontakt, aber die hatte es auf dem Gemeindegebiet mit mehreren Unfällen zu tun“, erläutert Schierenbeck. Nach den vielen Anwohnerbeschwerden – auch aus Heiligenrode – hat die Gemeinde gestern reagiert und für den Bremer Weg ein Verbot für Laster über 3,5 Tonnen ausgesprochen. „Im Zweifel müssen die Lkw-Fahrer an der Kreuzung Steller Weg/Bremer Weg drehen. Das haben sie in der Fahrschule gelernt“, sagt Schierenbeck. Das Verbot greift auch auf der Harpstedter Straße, von der aus die Brummis nicht auf den Mittelweg einbiegen dürfen. Ausnahmegenehmigungen stellt die Rathausmitarbeiterin für den landwirtschaftlichen Verkehr oder für die Anlieferung von Möbeln oder Material für den privaten Wohnungsbau in Aussicht. „Wir wollen den überregionalen Verkehr abschrecken“, sagt Schierenbeck. Sie hoffe auf einen ruhigeren Tag als gestern. Die Anlieger auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Wie werde ich Winzer/in?

Wie werde ich Winzer/in?

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Meistgelesene Artikel

„Sperrung könnte auch länger dauern“

„Sperrung könnte auch länger dauern“

„Wir werden uns auf dem Ergebnis nicht ausruhen“

„Wir werden uns auf dem Ergebnis nicht ausruhen“

Rat: Das nördliche Bruch wird geschützt

Rat: Das nördliche Bruch wird geschützt

Motorradfahrer bei Sturz nach Notbremsung schwer verletzt

Motorradfahrer bei Sturz nach Notbremsung schwer verletzt

Kommentare