Verein „Aktiv“ simuliert den Straßenbahnbetrieb an der Moordeicher Landstraße / Rückstau überschaubar

„Das ist weniger Verkehr, als ich erwartet hatte“

+
„Aktiv“-Mitglieder simulieren den Bahnbetrieb.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Welchen Einfluss hat die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 vom Roland-Center in Huchting über Stuhr nach Weyhe für den motorisierten Verkehr? „Häufigkeit und Länge von Staus werden zunehmen“, ist sich der Verein „Aktiv – die Bürgerinitiative zum Schutz der Lebens- und Wohnqualität“ sicher. „Das wollen wir den Autofahrern vor Augen führen“, erklärte Vorsitzende Monika Kannowski gestern Nachmittag im strömenden Regen.

Alle zehn Minuten bläst sie in eine grüne Tröte, woraufhin ihre Mitstreiter die Moordeicher Landstraße in Höhe der Schienen an der Haferflockenkreuzung blockieren. Ausgerüstet sind sie mit den Bannern „Schranke? Nein danke! 112 neue Staus täglich“ und „Stau? Nein danke! Alle 10 Minuten Sperrung durch Schranke“. Nach 80 Sekunden geben sie den Weg wieder frei. Mit dieser Taktung will „Aktiv“ den künftigen Straßenbahnbetrieb simulieren. Bloß: Die Zahl der wartenden Fahrzeuge bleibt überschaubar – und das nicht nur aus Richtung Kirchhuchting, wo die Autofahrer ohnehin viel häufiger von der roten Ampel ausgebremst werden. Aus Richtung Moordeich will sich der Stau ebenfalls nicht so recht einstellen. Ein Autofahrer hupt, zwei drehen um, vermutlich weil sie von einer längeren Sperrung ausgehen.

„Das ist weniger Verkehr, als ich erwartet hatte“, stellt „Aktiv“-Mitglied Ralph Reckert aus Leeste enttäuscht fest. Kannowski fügt hinzu, „dass wir uns extra 15 Uhr als Startzeit ausgesucht haben, weil die Leute freitags eher Feierabend machen“. Über die Gründe für die ruhige Verkehrslage kann die Vorsitzende nur spekulieren: „Vielleicht hat die Ankündigung in der Presse dazu geführt, dass die Autofahrer hier heute wegbleiben.“

Als ein Bus der Linie 55 vorbeifährt, sieht sich „Aktiv“-Mitglied Anne Krückeberg in ihrem Protest bestätigt: „Der fährt auch zum Roland-Center und ist leer.“ Die Linie 8 sei überflüssig. Anwohner Habib Bejaoui könnte ebenfalls auf die Straßenbahn verzichten: „Ich fände es schlimmer, wenn ich wegen des Staus nicht vom Parkplatz käme.“

Insgesamt ist die Resonanz des Protests überschaubar. Anfangs sind es rund 20 Teilnehmer, später ein paar mehr. „Wir haben die Aktion nicht an die große Glocke gehängt, sondern nur intern kommuniziert“, begründet Kannowski und gibt sich kämpferisch: „Das hier ist ja nur unser Debüt. Weitere Demos folgen.“

Einige ihrer Mitstreiter verteilen Flugzettel an die wartenden Autofahrer. „Wollen Sie in Zukunft täglich vor einer Straßenbahnschranke im Stau stehen?“, lautet die Eingangsfrage. Auf die Gegenfrage dieser Zeitung, ob es nicht auch möglich sei, dass der eine oder andere Autofahrer demnächst in der Bahn sitzt statt im Stau steht, antwortet Kannowski: „Ich weiß es nicht. Möglich ist alles.“ Gleich wird sie wieder in die Tröte blasen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Alleskönner-Alu oder Edel-Carbon: Rahmen für Radler

Alleskönner-Alu oder Edel-Carbon: Rahmen für Radler

Bilder: Freiburg gewinnen Hinspiel gegen Domzale

Bilder: Freiburg gewinnen Hinspiel gegen Domzale

Droht Venezuela eine Diktatur?

Droht Venezuela eine Diktatur?

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Ursachenforschung nach tödlichem Hubschrauberabsturz in Mali

Meistgelesene Artikel

Auszeit auf der Lohne

Auszeit auf der Lohne

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Ortsbrandmeister: „Der Star ist das Rettungszentrum“

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

Durch die Heidelbeer-Plantagen von Kirchdorf

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

Kommentare