„Wir brauchen immer Nachwuchs“

Nach durchwachsenem Corona-Jahr bietet der Hospizverein Stuhr wieder eine Qualifizierung an

Ursula Krafeld steht vor einer Wand, an der zwei Plakate hängen.
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Traueraufgaben und Sterbephasen präsentiert Ursula Krafeld hier als Inhalte der Qualifizierung.

 „Wir brauchen immer Nachwuchs, in Corona-Zeiten noch mehr“, sagt Ursula Krafeld. Sie ist Koordinatorin des Hospizvereins Stuhr und macht auf die nächste Qualifizierung aufmerksam. Ab sofort können sich potenzielle Hospizbegleiterinnen/Hospizbegleiter für die Fortbildung anmelden.

Stuhr – Auch – oder gerade – in Zeiten von Covid-19 benötigen schwerstkranke und sterbende Menschen sowie ihre Angehörigen Beistand. Für den Hospizverein Stuhr bedeutet dies eine große Herausforderung, denn auch seine aktiven Begleiter haben zum Teil Vorbehalte, mit den Hilfebedürftigen in direkten Kontakt zu treten. Umso wichtiger ist es laut Ursula Krafeld, Koordinatorin des Hospizvereins, weitere Ehrenamtliche für diese Tätigkeit zu gewinnen.

„Wir brauchen immer Nachwuchs, in Corona-Zeiten noch mehr“, sagt Krafeld. Sie macht auf die nächste Qualifizierung zur Hospizbegleiterin/zum Hospizbegleiter aufmerksam, die vom 14. Mai bis 22. September über die Bühne geht.

Bedarf an zusätzlichen Kräften ist da

Der Hospizverein hat ein durchwachsenes Corona-Jahr hinter sich. Anfangs, als die Pflegeheime geschlossen waren, habe es kaum Begleitungen gegeben, berichtet Krafeld. Dann, ab Spätsommer, seien die Ehrenamtlichen überwiegend in Heimen unterwegs gewesen, weil sich Angehörige privat weniger gemeldet hätten. „Ohne Schnelltest konnte man das Infektionsrisiko gar nicht einschätzen.“ In Stuhr gebe es praktisch kein Heim, dass Besuche des Hospizvereins unterbinde. „Aber wenn es ein kleines Haus ist und viele Anfragen für Besuche von Angehörigen erhält, ist das für das Personal schwer zu bewältigen. Inzwischen werden wir ja immer getestet.“ Dies gebe auch den Hospizbegleitern mehr Sicherheit. „Wenn ich bedenke, was ich unseren Begleitern zumute: Maske, Schnelltest – aber die nehmen das auf sich und warten bei Wind und Wetter auch mal 15 bis 30 Minuten vor einem Heim.“

Doch einige von den aktuell 15 ehrenamtlich Aktiven wollen laut Krafeld zurzeit niemanden besuchen. „Andere möchten nicht ins Pflegeheim, würden vielleicht aber zu den Menschen nach Hausen gehen.“ So oder so: Der Bedarf an zusätzlichen Kräften sei da. Sie selbst habe im vergangenen Dezember drei Begleitungen gehabt, obwohl dies nicht zu ihren Aufgaben als Koordinatorin gehöre. „Dass wir die Qualifizierung jetzt trotz Corona machen, hat damit zu tun, dass wir wegen Corona die Menschen brauchen.“

Qualifizierung umfasst 100 Unterrichtsstunden

Die Qualifizierung umfasst 100 Unterrichtsstunden. Ihr Kern sind laut Krafeld drei „intensive und kompakte“ Wochenenden. Dies schrecke den einen oder anderen ab. „Doch es wird Pausen und Entspannungsübungen geben. Es ist in der Zeit zu bewältigen.“ Hinzu kommen ein Praxistag, zwölf Themenabende und eine Exkursion, diesmal wohl zu einem Bestattungsinstitut. Maximal zehn Personen können teilnehmen. Ihr Zertifikat befähigt sie, bei jedem ambulanten Hospizdienst in Deutschland ehrenamtlich tätig zu werden. Ziel sei, den Menschen Zeit zu schenken. „Nicht auf beruflicher Ebene, sondern aus dem Alltagsleben heraus“, sagt Krafeld.

Nicht nur Personen, die später schwerstkranke Menschen unterstützen wollen, können teilnehmen. Das Angebot richtet sich auch an „Menschen, die sich einfach so mit dem Thema beschäftigen oder sich anderweitig in der Hospizarbeit engagieren wollen“, sagt Krafeld. Voraussetzung sei die Bereitschaft zur Selbstreflexion, die Auseinandersetzung mit eigenen kritischen Lebensereignissen wie Abschied, Trauer, Krankheit, Sterben und Tod. „Es geht um unterschiedliche Gefühle und Erinnerungen, die durch die Qualifizierung getriggert werden. Aber sie ist keine Therapie“, betont die Koordinatorin. Die Aufarbeitung alter Geschehnisse sei nicht zu leisten.

„Hygienestandards werden eingehalten und angepasst“

2020 habe sie die Qualifizierung von März bis Juni unterbrechen müssen. Auf ihr Angebot, online weiterzumachen, sei niemand eingegangen. „Zum einen wollten die Teilnehmer das nicht, zum Anderen spielt Nähe eine große Rolle. Eine Qualifizierung ist geprägt durch das soziale Miteinander.“ Unter Coronabedingungen ging die Fortbildung in Räumen der Kirchengemeinde Stuhr zu Ende. Die stünden auch jetzt wieder zur Verfügung, um auf Abstand zu arbeiten. „Die Hygienestandards werden eingehalten und angepasst. Ich schaue immer, welche Neuerungen einfließen müssen“, verspricht Krafeld.

Diesmal verzichtet die Koordinatorin auf den ersten, ursprünglich für den 22. März geplanten Informationsabend. Den zweiten am Dienstag, 13. April, hat sie aber noch fest in Blick. Interessierte treffen sich um 19 Uhr im Vereinssitz an der Bahnhofstraße 14. Eine telefonische Anmeldung ist dafür ebenso notwendig wie für Einzelgespräche.

„Ich muss die Teilnehmer spüren, um zu entscheiden, ob ich sie für eine Begleitung einsetzen kann“, sagt Krafeld. Manchmal lasse es die jeweilige Lebenssituation nicht zu. „Gibt es schon jemanden zuhause, der gepflegt werden muss? Sind kleine Kinder zu versorgen? Dann ist eine Begleitung zu aufwendig.“ Eine direkte Absage für eine Qualifizierung habe sie aber noch niemandem erteilt. Die Kursgebühren von 100 Euro sollen ebenfalls kein Hindernisgrund sein. „Dafür können wir eine individuelle Lösung finden.“

Information

Der Hospizverein Stuhr ist unter 0151/75 01 24 31 zu erreichen. Eine E-Mail an info@hospizstuhr.de ist ebenfalls möglich.

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