Belobigung für außergewöhnlichen Mut

Urkunde von Innenminister Pistorius: Stuhrer wollte brennende Frau retten

Übergabe einer Urkunde vom Bürgermeister an einen Erstretter im Stuhrer Rathaus.
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Eine Ehrenurkunde des niedersächsischen Innenministers übergibt Bürgermeister Stephan Korte (vorne l.) an Erwin Helmut Evers (mit Ehefrau Andrea). Anerkennung für die bewiesene Zivilcourage gibt es auch von Landrat Cord Bockhop (vorne r.) und von den Vertretern der Feuerwehr.

Für seinen selbstlosen Einsatz am Unfallort hat Erwin Helmut Evers eine Belobigung des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius erhalten. Er wollte das Leben einer brennenden Frau retten. „Sie haben funktioniert. Sie haben nicht Untätigkeit, sondern Tätigkeit bewiesen“, sagte Landrat Cord Bockhop.

Stuhr – Auf seine Ehrenurkunde für „Rettung aus Gefahr“ hätte der Moordeicher Erwin Helmut Evers gerne verzichtet. Wenn dann auch dieses Unglück nicht gewesen wäre, das seinen selbstlosen Einsatz erforderte. Evers wollte das Leben einer brennenden Frau retten – ohne Rücksicht auf seine eigene körperliche Unversehrtheit. Dafür erhielt er eine öffentliche Belobigung vom niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius. „In Anerkennung eines opferwilligen und tatkräftigen Rettungseinsatzes“, wie auf der am Dienstagabend von Bürgermeister Stephan Korte überreichten Urkunde zu lesen ist.

Evers erinnert sich noch genau an jenen Samstag, 8. Mai, als er mit seiner 13-jährigen Tochter auf dem Weg nach Brinkum-Nord war, um ein Geschenk zum Muttertag zu kaufen. Wie könnte er diese Bilder jemals vergessen? „Wir fahren gerade durch Stuhrbaum, als meine Tochter ein brennendes Auto sieht“, berichtet er. „Dann haben wir angehalten, und aus dem Wagen torkelt eine brennende Person.“

Während sich Evers um die Frau kümmerte, setzte die Tochter den Notruf ab. „Wähle die 112“, habe er ihr aufgetragen. Er selbst habe zunächst versucht, die Frau mit der Jacke seiner Tochter zu löschen. Dann habe er sie in einen zehn Meter entfernten Graben gezogen und gelöscht. „Man handelt teilweise intuitiv, man muss reagieren“, sagt Evers. Er sei das erste Mal Ersthelfer gewesen.

Retter Erwin Helmut Evers: „Heilfroh, dass Profis da waren“

Korte spricht von einem „außergewöhnlichen Mut“. Evers sei selbst ein Risiko eingegangen. „Kann das Fahrzeug explodieren?“ Dies wisse man nicht.

Aus dem damaligen Einsatzbericht der Stuhrer Ortsfeuerwehr geht hervor, dass Löschkräfte die Frau gemeinsam mit dem Rettungsdienst aus dem Wasser gezogen haben. Evers selbst fehlen in seiner Erinnerung einige Minuten des Geschehens. „Gewisse Sachen sind einfach weg“, sagt er. Er wisse aber noch, dass er „heilfroh“ gewesen sei, „dass ich nicht mehr mit der Person alleine war; dass ich die Verantwortung abgeben konnte; dass Profis da waren.“

Die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, „wenn man alleine da sitzt“, findet auch Gemeindefeuerwehrsprecher Christian Tümena besonders schlimm.

Nach längerer Behandlung durch zwei Notärzte kam die Frau mit lebensgefährlichen Brandverletzungen per Rettungshubschrauber in eine Hannoveraner Spezialklinik, wo sie in der Nacht verstarb.

Landrat Cord Bockhop: „Sie haben funktioniert“

Evers hat nach eigener Auskunft leichte Brandverletzungen an den Fingern und eine leichte Rauchvergiftung davongetragen. „Ich war kurz in der Klinik“, sagt er. „Erst als beide Polizisten Druck gemacht haben, ist er in den Rettungswagen gestiegen“, fügt Ehefrau Andrea Evers hinzu.

Wie es ihm heute geht? „Die Zeit heilt alle Wunden“, sagt der 57-Jährige. Er habe einen guten Bekannten, einen Psychologen. Der habe ihm Tipps gegeben. Und auch seine Tochter habe das Geschehene gut verkraftet.

„Wenn man die Geschichte hört, hat man zwar eigene Bilder vor sich, aber so richtig kann man sich das nicht vorstellen“, sagt Landrat Cord Bockhop. Er spricht von einer schwierigen Situation, „wenn der Einsatz nicht zur Rettung des Lebens führt“. Und in Richtung Evers: „Sie haben funktioniert, haben nicht Untätigkeit, sondern Tätigkeit bewiesen.“ Das Beispiel der Tochter zeige, dass man dies lernen könne. „Es gibt Gruppen und Familien, wo man das nicht mitbekommt; wo man untätig bleibt.“

Wegen des benachbarten Betriebs HKL Baumaschinen hatte die Tochter HKL als Standort des Unfalls angegeben. Sie hatte das Firmenschild gesehen. Nach Auskunft von Gemeindepressesprecher Christian Tümena hat sich das Eintreffen der Feuerwehr dadurch nicht verzögert. Nach 7 Minuten und 50 Sekunden seien die Helfer vor Ort gewesen – allerdings ohne etwas von einer brennenden Person zu wissen.

Einsatz auch für Feuerwehr belastend

Auch für die routinierten Feuerwehrleute sei der Einsatz sehr belastend gewesen. Als die Fahrzeuge mit den jüngeren Löschkräften eintrafen, habe sich das Opfer bereits im Rettungswagen befunden.

Er freue sich über den Austausch mit den Rettungskräften, die er zum ersten Mal nach dem Unglück wieder treffe, sagt Evers. Und er freue sich über die Anerkennung, obwohl er zunächst mit sich gerungen habe.

Für Tümena ist die Belobigung Evers’ zwingend notwendig: „Das ist ein gutes Beispiel für Zivilcourage, als Vorbild nach außen“, sagt der Feuerwehrsprecher. Dies gelte auch für die Tochter und ihren Anruf. „Man kann nichts falsch machen. Das Einzige, was man falsch machen kann, ist weiterfahren.“

Vor knapp 15 Jahren hat der Feuerwehrsprecher selbst eine Belobigung erhalten. Er habe eine Frau aus dem Wagen gezogen, der kopfüber in der Ochtum gelegen habe. Sie habe überlebt. Tümena weiß: „Diese Bilder hat man immer im Kopf.“

Von Andreas Hapke

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