Interview mit Expertin

Warum Schüler Nachhilfe nehmen: Unterrichtsausfall und andere Gründe

Ann-Christin Prigge

Stuhr - Immer mehr Schüler nehmen heutzutage Nachhilfe, ein großer Markt ist entstanden. Immer wieder wird auch der Unterichtsausfall als Grund genannt, warum Eltern sich dafür entscheiden.

Darüber und über andere Aspekte der Nachhilfe hat Redakteur Andreas Hapke mit Ann-Christin Prigge, Leiterin der Schülerhilfe in Brinkum, gesprochen.

Nachhilfe für Schüler ist ein boomender Markt, heißt es. Trifft das auch bei Ihnen zu?

Ann-Christin Prigge: Nachhilfe ist kein Phänomen der heutigen Zeit, sondern etwas, dass es schon immer gegeben hat. Jeder Schüler ist in dem einen Fach leistungsstärker als in dem anderen – im letzteren Fall ist dann eben etwas Unterstützung nötig. Der Bedarf steigt, das ist richtig.

In welchem Alter ist der Bedarf am größten?

Prigge: Das lässt sich nicht an einem Alter festmachen. Unsere Kurse werden von Schülern aller Klassenstufen und Schulformen besucht: Grundschüler, Schüler der Sekundarstufen 1 und 2 sowie Auszubildende. Es kommen viele Zehntklässler und Abiturienten, die sich rechtzeitig auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten wollen.

Mit welchen Defiziten kommen denn dann Grundschüler zu Ihnen?

Prigge: Einige kommen mit einer diagnostizierten Leserechtschreibschwäche oder einer Dyskalkulie (Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens, die Red.) zu uns. Wir sind keine Therapeuten, aber können uns auf solche Gegebenheiten einstellen und verfügen über entsprechendes Unterrichtsmaterial. Zudem können sich viele Kinder kaum noch lange genug konzentrieren. 

Texte zu verstehen oder gar wiederzugeben, fällt ihnen ebenso schwer wie Aufsätze zu schreiben. Es fehlt manchmal an Kreativität und Ausdrucksvermögen. Ein weiteres Problem ist das an einigen Schulen ausgeübte „Schreiben nach Gehör“ – da können einige Wörter nicht einmal mehr erraten werden. Generell empfehle ich, Kinder mehr Bücher lesen zu lassen und den Umgang mit digitalen Medien zu reduzieren.

Wann entscheiden sich die Eltern für professionelle Nachhilfe?

Prigge: Es gibt mehrere Gründe: zu große Klassen, die Didaktik eines bestimmten Lehrers, mit welcher der einzelne Schüler möglicherweise nicht zurechtkommt, diagnostizierte Lernschwächen, fehlende Zeit und Muße berufstätiger Eltern – und das ist kein Vorwurf –, das Ermöglichen einer bestmöglichen Ausbildung und Prüfungsvorbereitungen sind nur einige Punkte.

Auch Unterrichtsausfall soll dazu beitragen, dass Eltern ihre Kinder in die Hände von Nachhilfelehrern geben. Können Sie das bestätigen?

Prigge: Das kommt durchaus vor. Einige Eltern machen sich Sorgen, wenn beispielsweise der Englischunterricht für mehrere Wochen ausfällt. Schließlich sollten keine zu großen Lücken im Pensum entstehen.

Sie profitieren also davon, dass es an der Schule hakt.

Prigge: Das finde ich sehr negativ ausgedrückt und ich tue mich schwer mit dem Ausdruck, dass es an den Schulen „hakt“. Wie gesagt, gibt es so viele Gründe, welche Schüler dazu veranlassen Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. 

Wir sehen uns auch nicht als Konkurrenz zu den Schulen, sondern vielmehr als sinnvolle Ergänzung, um den Schülern bei den Hausaufgaben und beim Lernen zu helfen, Lücken zu schließen, nicht Verstandenes zu erklären, zu üben und sie auf Prüfungen und Abschlüsse vorzubereiten. Generell gilt, dass bei Schülern, die regelmäßig kommen und gut mitarbeitet, die ersten Erfolge schnell sichtbar werden.

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