„Untergesetzliche Regelungen“ bereiten der Leitung Magenschmerzen

Lise-Meitner-Schule sorgt sich um ihre Profile

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KGS-Leiter Torsten Mehrwald (vorne r.) und der didaktische Leiter Josef Fittkau (hinten r.) erklären den CDU-Politikern Frank Schröder (l.) und Volker Meyer, welche Auswirkungen die neue Stundentafel für den Profilunterricht hätte.

Moordeich - Von Andreas Hapke. Nur noch eines von drei Profilen anbieten können oder sogar auf alle verzichten müssen? Mit diesen Szenarien sieht sich die Leitung der Lise-Meitner-Schule in Moordeich zurzeit konfrontiert. Sie könnten sich bewahrheiten, wenn die sogenannten untergesetzlichen Regelungen für die Arbeit in den Jahrgängen 5 bis 10 des Gymnasiums so in Kraft treten wie vom Kultusministerium angedacht. Ihre Sorgen brachte die Schule gestern während des Besuchs einer CDU-Delegation zum Ausdruck.

Hintergrund: Mit der Rückkehr zum Gymnasium in neun Jahren (G9) verringert sich generell die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden. Was der Schulleitung besonders schwer im Magen liegt: Nach den neuen Regelungen müsste sie für mindestens eine Klasse pro Jahrgang die „30-Stunden-Woche“ anbieten (Stundentafel 1). Unterricht in Profilfächern ist bei diesem Umfang nicht möglich. Für die zweizügige KGS bliebe damit nur noch eine Klasse übrig, in denen Schüler Unterricht mit einem besonderen Schwerpunkt erhalten – in Fächern, die ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechen (Stundentafel 2 mit 32 Wochenstunden.)

„Für uns wäre es wichtig, dass wir als Schulvorstand selbst entscheiden können, dass wir alle Schüler nach Stundentafel 2 unterrichten dürfen“, sagt Josef Fittkau, didaktischer Leiter der KGS Moordeich. Denn nur dann wäre in allen Klassen der gymnasialen Jahrgänge sieben bis neun Profilunterricht möglich.

Im Wettbewerb der Schulen hat sich die KGS in den vergangenen zehn Jahren über ihren Profilunterricht positioniert. „Das ist Unterricht mit besonderer Qualität. Der wird sehr gut angenommen“, sagt Schulleiter Torsten Mehrwald. Bundesweit habe die Schule dafür Preise gewonnen. Die KGS bietet eine dritte Fremdsprache (Spanisch), die Kombination von Kunst und Gesellschaftswissenschaften sowie die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik als Profile an.

„Wir geraten enorm unter Druck, wenn wir diese Qualität nicht im Angebot haben“, sagt Fittkau mit Verweis auf Gymnasien im benachbarten Delmenhorst. In Spanisch habe die KGS gerade erst einen Austausch mit Alicante auf den Weg gebracht. Der stünde laut Fittkau ebenfalls in Frage.

Würden sich die untergesetzlichen Regelungen in der angedachten Form durchsetzen, wären nach Auskunft Mehrwalds folgende Szenarien möglich: Wählen 40 von 60 Schülern eines Jahrgangs die „30-Stunden-Woche“, kann in keiner der beiden Klassen ein Profil angeboten werden; wählt eine ausreichende Anzahl von Schülern zu gleichen Teilen unterschiedliche Profile, kommt ebenfalls kein Schwerpunkt zustande. „Wir wären sehr auf die Anwahlen angewiesen“, fasst Mehrwald zusammen. Erschwerend komme hinzu, dass die untergesetzlichen Regelungen schon ab dem neuen Schuljahr gelten, sich die Entscheidung darüber aber noch bis Mitte Juli hinziehen könnte. „Da müssen wir sportlich an die Planung für 2015/16 gehen.“

CDU-Landtagsabgeordneter Volker Meyer verspricht, seine Fraktionskollegen im Kultusausschuss auf diese Problematik aufmerksam zu machen. „Das Problem haben alle Schulen in unserer Größe“, sagt Fittkau.

Im Zusammenhang mit dem kürzlich im Landtag verabschiedeten Schulgesetz kritisieren Mehrwald und Fittkau, dass die KGS darin nicht als Schulform verankert sei (wir berichteten). Sie hat lediglich Bestandsschutz. „Ich wünsche mir ein Bekenntnis“, sagt Fittkau. „Ich sehe die KGS nicht auf der schulpolitischen Resterampe.“

Das Gesetz sieht auch vor, dass die bisherige Schullaufbahnempfehlung am Ende der vierten Klasse entfällt. Fittkau: „Wir als aufnehmende Schule müssen uns dann Gedanken machen, was die Grundlage unserer Eltern-Beratung sein kann.“

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