Unterwegs in Bremen

Unter „Simis“ Aufsicht: Redakteurin testet den neuen Lkw-Simulator 

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Redakteurin Julia Kreykenbohm saß zum ersten Mal „auf dem Bock". 

Stuhr - Von Julia Kreykenbohm. Sich im Stadtverkehr bewegen, Gefahrensituationen erkennen, rangieren – ziemlich viel für einen Fahranfänger. Ganz besonders, wenn er auch noch mit einem Lastwagen unterwegs ist. Da kann es helfen, diese Dinge vorher virtuell zu üben. Die Fahrschule FahrerKonzept am Standort Brinkum hat sich deswegen einen Lkw-Simulator vom Heinrich Vogel Verlag zugelegt.

Ein völlig neues Modell, „den ersten seiner Art“, wie Geschäftsführer Urlich Burgath betont. Wie das funktioniert? Ich hab’s mal ausprobiert.

Seelisch gewappnet für das Schlimmste betrete ich die Fahrschule. Die Geschäftsführer Gerd Wemken und Ulrich Burgath sowie Ralf Vennefrohne vom Vogel Verlag gruppieren sich um ein Gerät, vor dem drei riesige Flachbildschirme an der Wand angebracht sind. Links ist ein Pult mit Laptop aufgebaut. In der Mitte steht ein Fahrersessel mit Lenkrad und Amaturenbrett. Mein „Ausbildungsplatz“ für eine Stunde.

Ich setze mich. Vennefrohne gibt am Pult die Route ein, die ich fahren soll. Auf den Bildschirmen erscheint eine Stadt. Keine erdachte, sondern Bremen. Aber ein Bremen, wie ich es mir lobe: Nirgendwo andere Verkehrsteilnehmer. „Alle Anfänger bekommen als erstes diese Variante, um ein Gefühl für den Wagen zu kriegen“, sagt Vennefrohne und eine Stimme erklingt aus den Lautsprechern: „Starten Sie den Motor!“ Ups, das ist wohl mein „Fahrlehrer“. Ich nenne ihn „Simi Simulator“.

Zu meiner Erleichterung stelle ich fest: keine Gangschaltung. „Die meisten Lastwagen haben heutzutage Automatik“, erklärt Venenfrohne und zeigt mir, wie ich meinen „Lkw“ zum Laufen bringe: Bremse treten, Startknopf drücken, Schalter auf „D“ stellen, Handbremse lösen und Gas. Nachdem ich die Reihenfolge ein paar Mal durcheinander gebracht habe, beginnt mein Sitz zu vibrieren und ich „fahre“ los.

„Simi“ ersetzt Papa

„Achten Sie auf die Mittellinie im Spiegel!“, befiehlt „Simi“. Er kann zwar nicht nachprüfen, ob ich das tue, erinnert mich aber trotzdem immer mal wieder daran. Ein bisschen wie Papa früher. Meine Fahrt durch die Geisterstadt läuft gut – aber ich habe auch noch keinen Anhänger. Den bekomme ich jetzt verpasst, einfach per Knopfdruck von Vennefrohne. Das Programm erlaubt ihm, zwischen einem Solo-Fahrzeug, einem Wagen mit Gliederzug mit Zentralachsenanhänger oder Drehschemelanhänger sowie einem Sattelzug zu wählen. „Ein großer Vorteil, denn keine Fahrschule kann alle Varianten anbieten“, sagt Burgath.

Ich merke schnell den Unterschied. Der kleinste Schlenker und der Hänger schwenkt aus. Ich muss aufpassen, dass ich die parkenden Autos am Straßenrand nicht berühre. Vor einer Kurve gehe ich vom Gas. Wie muss ich sie nehmen, damit der Hänger nicht ausbricht? Ob es nun an der realistischen Simulation liegt – sobald ich etwas berühre, ruckelt mein Sitz – oder an meiner Fantasie: ich bin angespannt, weil ich das Ganze nicht als Spiel à la „Mario Kart“ betrachten kann. Wie muss einem Lkw-Fahranfänger zumute sein, der ohne Vorbereitung durch den Simulator das erste Mal unterwegs ist und keine leeren Straßen vorfindet?

Ralf Vennefrohne (von links), Gerd Wemken und Ulrich Burgath haben ihren Spaß, als Redakteurin Julia Kreykenbohm sich als Lastwagenfahrerin in Bremen versucht.

Nachdem das ganz gut klappt, erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad: Andere Verkehrsteilnehmer tauchen auf. Ich sehe von meiner Fahrerkabine auf die Autos herab, bemerke Fußgänger und Fahrradfahrer, und Vennefrohne erklärt, dass in der „Gefahrensimulation“ diese auch mal unvermittelt vor meinen Lkw laufen können. Ein guter Weg, um solche Situationen zu üben – aber ich bin froh, dass sie es nicht bei mir tun, denn ich habe genug mit dem „Stadtverkehr“ zu kämpfen. Als ich vor einem Stau hart in die Eisen gehen muss, brummt plötzlich der Sitz wie verrückt. Hab ich was kaputt gemacht? „Das ist nur der Kompressor“, beruhigt mich Vennefrohne. Ach so. Natürlich. Was?

Redakteurin gibt Gas

Anderen Fahrern bin ich wohl zu langsam, denn sie überholen mich. Ich gebe mehr Gas. „Sie fahren zu schnell“, werde ich gerüffelt. Mann! Von positiver Bestätigung hat „Simi“ noch nix gehört. Auf ein: „Gut gemacht“ wartet man vergebens.

Schlimm wird es an einer Ampel, die gerade von Grün auf Gelb springt. Das schaffe ich – nicht. „Simi“ schimpft mich aus: „Sie haben vergessen zu blinken!“, „Sie haben ein Rotlicht übersehen!“, „Sie haben den Bordstein überfahren!“ Er merkt alles. Jeder Fehler wird mir vorgebuttert und in einer Art Fahrtenbuch gespeichert, das mein Fahrlehrer zugeschickt bekommt.

Volle Konzentration im Bremer Straßenverkehr. 

Am Ende meiner „Fahrstunde“ bin ich ein wenig geschafft. Aber eine gute Sache ist der Simulator für Fahranfänger auf jeden Fall. Jede nur erdenkliche Situation, die im Straßenverkehr eintreten könnte, kann wieder und wieder geübt werden, umweltfreundlich, schnell – und ohne Blechschäden.

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