Leonardo Caprareses Park Café pausiert Betrieb / Schwester in Rom operiert

Ungewissheit und die Familie in Italien

Leonardo Caprarese sorgt sich um seine Familie in Italien und um die Zukunft seines Geschäfts.

Brinkum - Von Bjarne Kommnick. Die Geschäfte bleiben geschlossen, die Corona-Krise stoppt den Betrieb im Ochtum Park. Davon ist nun auch Leonardo Caprareses Park Café in dem Brinkumer Outlet-Center betroffen.

Das Tagesgeschäft hätte unter Berücksichtigung der „kontaktreduzierenden Maßnahmen“ des Landes Niedersachsen zunächst weiterlaufen dürfen, doch trotzdem blieb Caprarese nichts anderes übrig, als den Laden vorzeitig zu schließen: „Unsere Kunden sind fast ausschließlich Besucher des Ochtum Parks. Seitdem hier alle Geschäfte geschlossen sind, spüren wir das natürlich enorm.“

Das Café liegt unmittelbar zwischen den anderen Geschäften, die sonst Tag für Tag Besucher anziehen. Nun macht sich der Café-Inhaber Sorgen um die Zukunft: „Diese Situation ist existenzbedrohend.“ Er ergänzt: „Da ist es egal, ob darunter Arbeitnehmer oder Arbeitgeber leiden, diese Ungewissheit wünsche ich niemandem.“

Dabei denkt Caprarese auch an seine Mitarbeiter: „Ich habe so ein tolles Team und deshalb empfinde ich nicht nur unternehmerische, sondern vor allem menschliche Angst“, und ergänzt: „Toi, toi, toi, dass hier so schnell wie möglich wieder der Normalzustand herrscht, aber ich glaube nicht, dass das so schnell der Fall sein wird.“

Caprareses Gedanken dürften in diesen Tagen wohl dennoch woanders liegen. Denn der gebürtige Italiener stammt aus Apulien, der Region, die den Absatz des „italienischen Stiefels“ auf der Landkarte bildet. Dort wohnt ein Großteil seiner Familie. Die Schwester des 59-Jährigen liegt derzeit aufgrund einer sehr schweren Erkrankung – nicht Corona – in einer Spezialklinik in Rom und wird operiert: „Ich wollte jetzt eigentlich schon bei meiner Schwester in Italien sein, aber aufgrund der Situation sind mir die Hände gebunden.“ Auch innerhalb des Landes sei ein Krankenhausbesuch derzeit undenkbar: „Mein Vater ist 103 Jahre alt und darf seine Tochter nicht sehen. Das ist für alle in der Familie extrem belastend.“ Caprarese möchte sich nicht ausmalen, wohin die Situation noch führen kann.

Trotz all den Widrigkeiten sehe der Apulitaner auch positive Aspekte an der Krise: „Ich merke, sowohl in Italien als auch in Deutschland, dass die Menschen zusammenrücken und sich endlich mehr helfen.“ Er hofft, dass dies nicht nur eine vorübergehende Erscheinung ist: „So etwas sollte sich die Gesellschaft auf jeden Fall beibehalten, auch in Zeiten wo die Krise überwunden sein wird.“ Doch zum jetzigen Zeitpunkt denkt Caprarese noch nicht an ein Ende der Pandemie. Stattdessen wünsche er sich, dass seine Mitmenschen die Ruhe bewahren: „Ich hoffe, dass die Leute jetzt nicht durchdrehen und weiterhin zusammenhalten.“

Das gelte auch für das Kaufverhalten der Kunden des Ochtum Parks: „Panikkäufe sind keine Lösung für irgendwelche Probleme. Ich hoffe auch, dass die Leute jetzt nicht schlagartig alles im Internet kaufen.“ Caprareses Appell: „Ich kann auch mal eine Zeit lang abwarten und dann immer noch in den Laden gehen, man braucht nicht immer alles sofort.“

Die Corona-Maßnahmen der Behörden sind für Caprarese weitgehend angebracht und nachvollziehbar: „Es ist jedoch wichtig, damit richtig umzugehen. Panik ist keine Lösung, vorsichtig sein schon.“ Sein Café bleibt nun voraussichtlich bis Ende April geschlossen. Wie es weiter geht, sei noch offen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Wolf trabt auf Häuser zu: Ist das noch normales Verhalten?

Wolf trabt auf Häuser zu: Ist das noch normales Verhalten?

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Sorglose Bürger gefährden andere

Coronavirus im Landkreis Diepholz: Sorglose Bürger gefährden andere

Mit Kindern durch die Corona-Krise – eine Expertin gibt Tipps für Eltern

Mit Kindern durch die Corona-Krise – eine Expertin gibt Tipps für Eltern

Stadt rechnet mit erheblichen Einbußen bei der Gewerbesteuer

Stadt rechnet mit erheblichen Einbußen bei der Gewerbesteuer

Kommentare