„Zu umfangreich, zu viele Vorgaben“

Warum sich Rolf Specht nicht als Investor für den Brinkumer Ortskern bewarb

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Eingerahmt von den rff-Geschäftsführern und Gastgebern Hartmut Böttche (l.) und Michael Allexi (r.) sind der Unternehmer Rolf Specht (2.v.r.) und der örtliche Mit-Vorsitzende Bernd Artin Wessels.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Spätestens seit Dienstagabend ist es raus: Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der Bremer Specht-Gruppe, hat wegen der Brinkumer Ortskernentwicklung mit Bürgermeister Niels Thomsen gesprochen.

Er habe sich auch das Konzept angesehen - und sich nicht beworben, sagte der Unternehmer vor Mitgliedern des Gemeindeverbands der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (Mit). Diese hatten sich zu einem Diskussionsabend in der Firma Rohr Flansch Fitting (rff) in Brinkum-Nord getroffen.

Was kann ein Investor von einer Gemeinde erwarten und umgekehrt? - Dazu sollte Specht als Referent Stellung nehmen. „Er ist einer, der schon überall investiert hat“, begründete der örtliche MIT-Vorsitzende Bernd Artin Wessels die Wahl.

Specht meint, Ausschreibung sei zu umständlich

„Zu umfangreich, zu viele Vorgaben“, erklärte Specht, warum er sich nicht am Interessenbekundungsverfahren für den Brinkumer Ortskern beteiligt hatte. „Das war eine seitenlange Ausschreibung, ich habe gar nicht alles gelesen.“ 

Generell sei das für große Investoren „viel zu umständlich“ gewesen. „Die suchen lieber den einfachen Weg.“ Niemand war auf das Interessenbekundungsverfahren angesprungen, weshalb die Gemeinde das Entwicklungskonzept inzwischen überarbeitet und drei neue Varianten aufgelegt hat (wir berichteten).

Im ursprünglichen Konzept erkannte Specht einen Umfang, wie eine Kommune ihn „für eine 1a-Lage“ ansetzen könne. Stuhr sei zwar eine vielschichtige und schöne Gemeinde, aber nicht der Nabel der Welt. In diesem Fall müsse die Kommune dem Investor etwas bieten, frei nach dem Angler-Motto: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken. Er muss auch dem Investor schmecken. Uns hat das nicht geschmeckt.“ Was genau in Brinkum nicht gemundet hatte, ließ Specht offen.

Vieles lasse sich in einem Vertrag regeln

Als generelles Beispiel für ein Entgegenkommen der Kommune nannte der Unternehmer ein Baurecht, „das es dem Investor leichter macht, am Standort etwas für die Bürger zu realisieren“. Vieles lasse sich in einem städtebaulichen Vertrag regeln.

An einer Rechnung für 30 Wohnungen mit einer Wohnfläche von insgesamt 2 500 Quadratmetern machte Specht deutlich, wie sich der Standort auf die Rendite auswirkt. Gegenüber einer 1b/1c-Lage bedeute die 1a-Lage zwar einen um mehr als eine Million Euro höheren Gesamtinvest. Trotzdem sei der Gewinn um mehr als eine Million Euro höher. „So ein Zahlenspiel muss die Gemeinde kennen.“

Alles in allem sieht Specht in Brinkum eine „hervorragende Chance, im Ortszentrum etwas für die Bürger zu entwickeln. Es war auch eine gute Idee, Gebäude anzukaufen.“ Er selbst könne sich vorstellen, „etwas mitzuentwickeln, wo Senioren eine Rolle spielen. Aktiv in einer Ortsmitte leben: Viele wünschen sich das“, sagte Specht, der sich mit dem Bau von Pflegeimmobilien in mehreren Bundesländern einen Namen gemacht hat.

Professionelle Zusammenarbeit gefordert

Specht forderte eine professionelle Zusammenarbeit zwischen Investor und Kommune. „Die Gemeinde muss nicht nur die Wünsche der Bürger berücksichtigen, sondern auch mit Investoren sprechen.“ Eine mögliche Herangehensweise für den Ortskern Brinkum: „Vielleicht tun sich mehrere Investoren mit unterschiedlichen Kernthemen zusammen.“ 

Der Unternehmer sprach von zwei, drei Investoren, die über Architektur und Gestaltung mitbestimmen. Spannend fände er es auch, wenn die Ortsteile Brinkum und Stuhr weiter zusammenwachsen würden. Es wundere ihn, warum das nicht passiere.

Wessels dankte Specht für die „deutlichen Worte“, die für den CDU-Fraktionschef Frank Schröder nach eigenem Bekunden neu waren: „Das habe ich nie gehört. Wir dachten immer, das Richtige gemacht zu haben.“

Stuhr sei „hochattraktiver Standort“

Was denn „in einer Lage wie Brinkum stattfinden“ müsse, wollte der CDU-Ortsvorsitzende Ralph Ahrens wissen. Er sei kein Stadtplaner, entgegnete Specht, nannte aber Café, Kita und betreutes Service-Wohnen als Beispiele. Zudem wollten die Leute heutzutage „innerorts einkaufen können“. Ein Busbahnhof gehöre auch dazu, „ob zentral oder am Rand“. Stuhr sei ein „hochattraktiver Standort“ für Leute, die sich Eigentum anschaffen wollten.

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