Frauensprecherin tritt mit Burka auf

AfD-Wahlkampf in Brinkum: Überraschung des Abends kam nach Gauland

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Andreas Iloff, Kreisvorsitzender der AfD in Diepholz (rechts) kündigte Alexander Gauland an.

Brinkum - Von Julia Kreykenbohm. Es war eine Schrecksekunde, als am Donnerstag gegen 19.30 Uhr während der Rede von AfD-Bundestagskandidat Alexander Gauland ein Silvesterböller auf dem Gelände des Zob in Brinkum explodierte.

Geworfen aus der Menge der Gegendemonstranten auf die Polizisten, die die beiden Versammlungen voneinander abschirmte. Drei Beamte wurden dadurch verletzt, wie Polizeipressesprecher Thomas Gissing erklärte. Auch zwei Tomaten flogen und die Einsatzkräfte nahmen zwei Personen fest – allerdings wegen anderer Straftaten.

Ansonsten ist die Veranstaltung friedlich verlaufen, wie Stuhrs Bürgermeister Niels Thomsen es sich im Vorfeld gewünscht hatte. Zu Spitzenzeiten zählte die Polizei etwa 270 Besucher bei der Kundgebung der AfD und etwa 800 bei den Gegendemonstranten. Die Beamten selbst waren mit mehreren hundert Kräften vor Ort, unter anderem aus Braunschweig, Hannover und Emden.

Gegendemo unter dem Motto „Stuhr ist bunt“

Gegen 18 Uhr hatten die Geschäfte auf der Seite gegenüber des Zob vorsorglich schon geschlossen, als eine bunt gemischte Menge sich dort versammelte: Menschen jeden Alters und verschiedener Kulturen kamen zusammen, schwenkten Flaggen, hielten Plakate hoch, pfiffen, johlten, klatschten und trommelten, um ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen. 

Die Gegendemonstranten zeigten klar und deutlich, was sie von der Politik der AfD halten.

Und die lautete ganz klar: „Stuhr ist bunt“. Oder wie CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Schröder sich ausdrückte: „Wir zeigen hier das wahre Gesicht von Stuhr und das Hass und Hetze in unserer Gemeinde keinen Platz haben.“

Viele Ratskollegen von Schröder waren ebenfalls gekommen, ebenso Landrat Cord Bockhop und Vertreter der Gemeinde Weyhe. „Wir haben zu solchen Tendenzen eine klare Haltung und unterstützen die Stuhrer Kollegen“, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte. Die Stimmung war gut und wurde von einer Samba-Gruppe und dem interkulturellen Chor noch angefacht. Pastor Robert Vetter hielt eine Rede und erntete viel Applaus für seine Worte: „Die Werte unserer Kultur stehen im Widerspruch zum AfD-Programm“.

Gauland machte Flüchtlingspolitik zum Schwerpunkt

Und was dieses Programm beinhaltet, konnten Besucher der Veranstaltung auf der anderen Seite des Zob erfahren. Gauland machte die Flüchtlingspolitik zu seinem Schwerpunkt. Bezeichnete Deutschland als „Fußabtreter der Welt“ und Hilfsorganisationen, die Geflüchtete aus dem Mittelmeer retten, als „Kriminelle“ die Menschenschmuggel fördern.

Einen friedlichen Islam gibt es seiner Meinung nach nicht und Sanktionen gegen Russland hält er für überflüssig. Ihm sei es egal, wie Putin regiere, solange Deutschland einen Vorteil aus der Verbindung ziehe. „Bismark hat es richtig gemacht“, lobte Gauland einen erklärten Gegner der Demokratie – nachdem er zuvor den diktatorischen Alleingang Merkels in der Flüchtlingspolitik gescholten und die mangelnde Demokratie in Deutschland beklagt hatte. 

Bemerkenswert auch sein Groll über eine Studie, nach der sich angeblich 32 Prozent der Muslime in die Zeit Mohammeds zurücksehen – während er selbst oft das Geschichtsbuch bemühte und beispielsweise von der Zeit der Hanse schwärmte, immer mal wieder begleitet vom Applaus und „Bravo“-Rufen der Menge.

Von der Burka zum Partykleid

Für eine handfeste Überraschung sorgte die AfD-Frauensprecherin Leyla Bilge, die nach Gauland auftrat. In eine schwarze Burka gehüllt kam sie auf die Bühne, um das in ihren Augen „islamische Frauenbild“ anzuprangern. Die Verschleierung streifte sie überraschend ab und stand in einem knappen Kleid in Deutschlandfarben vor der Menge, die sie mit ihrer polarisierenden Rede ordentlich aufpeitschte.

AfD-Wahlkampf mit Gauland in Brinkum - friedliche Gegendemo

Sie spannte den Bogen von Wirtschaftsflüchtlingen bis zur Beschneidung von Mädchen. „Gut gesprochen“ bewertete ein Besucher der Veranstaltung, schob aber auch hinterher: „Ich traue dieser Frau nicht.“

Mehr zum Abend in Brinkum im Video: 

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Kommentare

DieWeserStubeAntwort
(0)(0)

Drauf geschissen. Ist verboten worden und zwar zu Recht. Marvin zurück ins Bälleparadies.

DieWeserStubeAntwort
(0)(1)

Du hast Recht und daher bitte ich dich alle Bekannten in Sachen Bundestagswahl anzusprechen. Die AFD muss über 10 % der Stimmen bekommen und 3. stärkste Kraft werden. Demokratie setzt voraus, daß es Alternativen gibt.

Michael
(0)(0)

Susanne Chors (SPD): Stuhr ist bunt und weltoffen.
Na wie schön, daß Stuhr weltoffen ist.
Wurde dies von japanischen Bürgern in Tokio oder australischen Bürgern in Sydney bestätigt?
Stuhr als Nabel der Welt?
Stuhr ist bunt! Hört sich eher nach Kindern im Vorschulalter an.
Stur ist bunt: Das klingt überzeugender.
Weyhe - kommt mir irgendwie bekannt vor
War da nicht was vor einigen Jahren?