CDU zu Besuch bei Firma Becomix

TTIP als Zugang zum US-Markt

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Die CDU-Delegation mit den Ratsleuten (v.l.) Sigrid Rother, Finn Kortkamp und Frank Schröder sowie dem Landtagsabgeordneten Volker Meyer lässt sich von Becomix-Chef Stephan Berents das Geschäft mit den Produktionsanlagen erklären

Brinkum - Von Andreas Hapke. Die Vorteile des Transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) sind in der Öffentlichkeit nicht genügend bekannt. Zu diesem Schluss kam am Dienstag eine Delegation der CDU, angeführt vom Landtagsabgeordneten Volker Meyer, während eines Besuchs bei der Firma Becomix Mischtechnik im Gewerbegebiet Brinkum-Nord.

Das Unternehmen stellt Anlagen für die Produktion von flüssigen und halbfesten Produkten her, sei es für die pharmazeutische, kosmetische, chemische oder die Nahrungsmittelindustrie. Es ist ein Global Player, der nach Auskunft seines Geschäftsführers Stephan Berents 50 Prozent seines Umsatzes im nicht-europäischen Ausland macht. Ein Marktführer in einem Nischengeschäft. „Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendeine Creme oder Paste in einer unserer Maschinen hergestellt wurde, ist hoch“, sagt Berents. Bei Nivea-Produkten etwa sei dies zu 100 Prozent der Fall.

„Projekte, die wir hätten kriegen können“

Berents ist ein Verfechter von TTIP. Er ist davon überzeugt, dass eine im Abkommen verankerte Angleichung von Vorschriften Zugangshemmnisse zum amerikanischen Markt abbauen würde. Noch unterliegt der Handel dort anderen Verordnungen. Für Becomix bedeutet dies zum Beispiel, dass das Unternehmen für den Bau einiger Maschinen elektronische Komponenten hinzukaufen müsste, die es laut Berents nur in den USA gibt. Alternativ könne der Kunde Prüfungen veranlassen, um die Geräte in Amerika zuzulassen. „Da muss er aber schon überzeugt sein von unserer Prozesstechnologie, damit er sich diesen Mühen unterwirft“, sagt Berents und fügt hinzu: „Es gibt Projekte, von denen wir ganz klar sagen, die hätten wir kriegen können, wenn die Vorschriften einheitlich gewesen wären. Denn wir machen zwar vieles anders, aber wir machen es genauso gut. Beide Systeme haben ein gleich hohes Sicherheitslevel.“

TTIP schaffe einen großen Wirtschaftsraum, der einen entsprechend hohen Standard gewährleisten könne, sagt Berents und nennt nicht nur Maschinensicherheit, sondern auch Verbraucherschutz als Beispiel. „Die Amerikaner haben jetzt schon drakonische Strafen für mangelhafte Geräte oder Gerätebeschreibungen. Die Haftpflichtversicherung unserer Firma kosten für die USA fünf Mal mehr als woanders.“ China und Asien seien von der Bevölkerungszahl wesentlich größere Märkte. „Wir sind nur deshalb stark, weil unser Niveau höher ist.“

Dass Standards nur in Wirtschaftsräumen möglich sind, macht Berents am Beispiel der Europäischen Union (EU) fest. „Früher hatte jedes Land seine eigenen Maschinengeräterichtlinien“, erinnert sich Berents. Dies sei ein riesengroßer bürokratischer Aufwand im internationalen Handel gewesen. Heute gelten für sein Unternehmen EU-weite Druckgeräterichtlinien. „Man hat sich oben getroffen, bei hohen Anforderungen. Damit können wir unsere Produkte in die ganze Welt liefern, außer nach China oder eben in die USA.“

Die Voraussetzungen für TTIP sind laut Berents gut: „Europa und die USA teilen eine gewisse Wertegemeinschaft. Man verpasst eine Chance, wenn man das nicht macht.“ So sieht es auch Volker Meyer, der auf seiner Sommerreise Station bei der Brinkumer Firma gemacht hat. „Wenn wir das nicht mit den USA hinbekommen, machen die das mit Asien und mit deutlich niedrigeren Standards“, befürchtet er. „Leider bewegen wir uns in einem Raum, wo es noch keinerlei Vetragsentwürfe gibt. Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn man das für einen wirtschaftlichen Teilbereich schaffen würde.“ Meyer nennt die Sicherheit an Arbeitsplätzen als Beispiel.

Becomix wurde 1978 von Alwin Berents in Bremen als Ingenieurbüro gegründet, mit zugemieteten Kapazitäten für die Herstellung. 1982 folgte der Umzug nach Brinkum. Der 50-jährige Stephan Berents ist seit 1994 Geschäftsführer des Unternehmens, das in Brinkum 145 Mitarbeiter hat. Weitere 35 Kollegen sind in Cloppenburg ausschließlich mit der Softwareproduktion beschäftigt.

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