„Trump drängt sich immer wieder auf“

Umfrage unter Stuhrer Geistlichen: Pastoren über Aktuelles in Predigten

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Robert Vetter.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Ob Anschläge oder Umweltkatastrophen – die Zahl solcher Unglücke hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Europa ist in den Fokus von Terroristen geraten, und auch der Klimawandel macht sich längst vor der eigenen Haustür bemerkbar. Wie gehen Pastoren mit der Flut von Hiobsbotschaften um? Sollten sie solche Begebenheiten im Gottesdienst aufnehmen? Müssen sie das sogar? Diese Zeitung hat sich bei Stuhrer Geistlichen umgehört.

Kernaufgabe der Predigt ist es laut Stuhrs Pastor Robert Vetter, „den bliblischen Text, der die sich auf die Lebenswelt der damaligen Menschen bezieht, griffig zu machen für die Lebenswelt derer, die sonntags im Gottesdienst sitzen“. Da sei es praktisch, wenn ein aktuelles Geschehen passe. Die inflationäre Verwendung solcher Bezüge sieht Vetter allerdings kritisch. „Wir leben leider in einer Welt, in der alle drei Wochen ein schwerer Anschlag passiert. Das können und wollen die Leute nicht ständig hören, deshalb müssen wir es schon mit einem heftigen Ereignis zu tun haben.“

Vetter nennt die Terroranschläge unter anderem auf das World Trade Center am 11. September 2001 als Beispiel. „Das muss natürlich Eingang in eine Predigt finden“, sagt er. Themen, die dort keinen Platz hätten, müssten nicht unter den Tisch fallen: „Im Fürbittegebet wird auch aktueller Dingen gedacht“, sagt Vetter.

Judith Matthes.

Für die Auswahl der Bibeltexte in den Gottesdiensten ist die Liturgische Konferenz zuständig. Sie ist eine evangelische Arbeitsstelle, die sowohl über grundsätzliche Fragen der Liturgie als auch an konkreten Einzelfragen der Gestaltung arbeitet. Sonntag für Sonntag greifen Geistliche auf Bibeltexte zurück, so hält es in der Regel auch Pastorin Eike Fröhlich. Die Predigt bestehe darin, den Text „mit der heutigen Situation und den Menschen in Kommunikation zu bringen“. Sollten aktuelle Ereignisse dazu passen, nehme sie diese auch auf, und sei es, „dass ich nur einen Satz in der Zeitung aufschnappe“. Eike Fröhlich spricht von „Anfragen an den Bibeltext, die vom weltlichen Geschehen gestellt werden“.

Am 7. Januar etwa, dem ersten Sonntag nach Epiphanias, hatte sie es mit dem Buch 1. Korinther, 26 bis 31, zu tun gehabt, wo es unter anderem heißt: „...nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, (...), und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, (...), und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt (...).“ Dies hat Fröhlich in Bezug zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump gesetzt. Es gehe also nicht darum, sich einen Turm aus Gold bauen zu lassen und den größten Atomknopf zu haben. Es gehe nicht um die Anhäufung von Macht, sondern darum, der Welt zu dienen. Trump sei ein dankbares Gegenbeispiel gewesen, sagt Fröhlich. Generell versuche sie, die Leute in der Predigt dort abzuholen, wo sie gedanklich stehen. „Wenn das Thema sehr aktuell ist, nehme ich mir die Freiheit, dass ich vom Bibeltext abweiche und einen anderen Text predige. Die Predigt muss authentisch sein, sie muss meiner Überzeugung, meinem Glauben und meinen Anfragen entsprechen.“

Dass sich Trump immer wieder aufdrängt, sieht auch die Seckenhauser Pastorin Judith Matthes so, „dieser Gefahr sollten wir aber nicht erliegen“. Gleichwohl habe sie unmittelbar nach dessen Wahl zum US-Präsidenten das Thema aufgenommen. „Da, wo es im Predigttext für mich passt, nehme ich das Weltgeschehen auf“, sagt sie. Manchmal könne man auch an eine menschliche Grundstimmung anknüpfen, etwa die „Ohnmacht angesichts von schrecklichen Ereignissen aufgreifen und im christlichen Kontext verankern“.

Politische Meinung „nur im Notfall“

Ihre eigene politische Meinung werde sie „nur im Notfall“ auf der Kanzel kundtun. „Ich bin kein politischer Prediger“, sagt Judith Matthes. Sie werde jedoch nicht davor zurückscheuen, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus auszusprechen. „Aber das ist ja auch eine christliche Grundhaltung.“

Die Bibeltexte der Liturgischen Konferenz betrachtet Judith Matthes als Vorschläge, „an die sich die meisten halten. Das verhindert auch Willkür, sonst würde man ständig seine Lieblingstexte predigen, oder manche wüssten nicht, was sie predigen sollten“. Wer geschickt sei, finde immer einen aktuellen Bezug für den Bibeltext.

Manchmal sprächen örtliche Ereignisse oder Traditionen dafür, von diesen Vorgaben abzuweichen. Judith Matthes nennt Konfirmationen und Erntefeste als Beispiele. „Vielleicht kann es im Einzelfal auch sein, dass ich der Gemeinde einen Text nicht zumuten möchte.“

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