„Trotz aller Armut ist man zufrieden“

Heiligenroder begleitet zum dritten Mal Konvoi der Biker-Brummi-Hilfe

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Cord Castens steigt morgen auf den Bock, um einen der 19 Lkw in den Balkan zu fahren.

Stuhr - Von Angelika Kratz. Morgen macht sich wieder ein riesiger, mit überwiegend medizinischen Hilfsgütern beladener Konvoi des Vereins „Biker-Brummi-Hilfe“ auf den Weg in den Kosovo, nach Mazedonien sowie Bosnien und Herzegowina. Auf dem Bock von einem der 19 Lkw sitzt Cord Castens aus Heiligenrode.

Zum dritten Mal ist der gelernte Landmaschinen- und Industriemeister und heutige Rentner mit dabei. Beim Treffen mit dieser Zeitung berichtete auch Vereinsfreund Henry Hanisch von seinen Erfahrungen und Erlebnissen. Was für den einen Stress auf dem Asphalt bedeutet, ist für den anderen als leidenschaftlichen Brummifahrer, Autoliebhaber und Motorradfan eher Musik für die Seele. Die Reise mit einem humanitären Ziel zu verbinden, bedeutet dann eben nicht zwei Wochen voller Strapazen, sondern doppeltes Glück. Darin sind sich Henry Hanisch und Cord Castens einig.

Durch Zufall kamen die beiden zur Biker-Brummi-Hilfe des Weyher Neurologen Dr. Hermann Munzel. „Der verdiente sich sein Studium als Lkw-Fahrer“, erinnert sich Maschinenbauingenieur Henry Hanisch.

Seinen Zusatzführerschein für die dicken Brummer erwarb Cord Castens einst bei der Bundeswehr und ließ die Befähigung mit dem Eintritt ins Rentenalter erneuern. „Alle fünf Jahre ab dem 50. Lebensjahr muss man einen Eignungstest ablegen, und das ist gut so.“

Strecke von 4800 Kilometer steht an

Entsprechend geprüft und mit der Schirmherrschaft des EU-Parlaments gerüstet geht es auf die 4 800 Kilometer lange Strecke für alle Fahrer zwischen dem 29. April und dem 13. Mai. Der mittlerweile 17. humanitäre Spendentransport steuert die Krankenhäuser in Orid und Demir Hisar in Mazedonien, in Prizren im Kosovo und Gorazde sowie Tuzla in Bosnien und Herzegowina an.

Damit die Fahrt ohne große Überraschungen verläuft, war viel Vorarbeit notwendig. Scoutingtouren mit Eindrücken aus Krankenhäusern im Balkan, Touren quer durch Deutschland, um medizinisches ausrangiertes Gut abzuholen und einzulagern, liegen mit unzähligen ehrenamtlichen Stunden vor dem Hilfseinsatz.

Cord Castens wollte 2010 eigentlich nur die medizinischen Hilfsmittel seines verstorbenen kriegsversehrten Vaters weiterreichen, denn für die Mülltonne waren sie viel zu schade. Bei Dieter Wienberg in Ristedt wurden sie eingelagert, und weiter ging der erste Kontakt zur Biker-Brummi-Hilfe. Nach einem Gespräch mit Helfer Peter Hüneke, verbunden mit dem Hinweis „wir brauchen Leute“, galt für Cord Castens der Deal mitzumachen. 

Sogar goldene Hochzeit abgesagt

Mit Navigatorin und Ehefrau Annegret graste er erstmals 2016 im Umkreis von 500 Kilometern alle Sanitätshäuser ab, denn viele medizinische Hilfsmittel haben hierzulande ein Verfallsdatum. Danach war die Sache klar, beim Konvoi mitzumachen und dafür wurde sogar eine goldene Hochzeit in der Familie abgesagt. „Gute Entscheidung“, sagt Cord Castens im Nachhinein. Ein Jahr später ging es wieder los Richtung Rumänien.

„Nicht alles ging glatt, und wir haben schon mal 24 Stunden an der Grenze wegen eines fehlenden Papiers gestanden“, verhehlt Henry Hanisch nicht die vielen erlebten Schwierigkeiten. Die unglaubliche Gastfreundschaft und der Einblick in ganz andere Landschaften und Kulturen würde das aber wieder vergessen machen.

Neben den Krankenbetten, der Ausstattung für eine Zahnarztpraxis und aktuell einem Ultraschallgerät würden auch besondere Wünsche nach deutschen Büchern erfüllt. „Wir sehen uns nicht als Entsorger“, betonten Cord Castens und Henry Hanisch. Vielmehr könne amtlich ausrangiertes Gut in Ländern mit nicht so hohen Normen weitere gute Dienste erfüllen.

„Das soziale Verständnis im Balkan ist ein ganz anderes, man ist trotz aller Armut dennoch zufrieden“, haben die beiden erfahren und entsprechend auch gewaltigen Stolz erlebt.

Mal wird im Brummi geschlafen und mal in eher bescheidenen Hotels, aber es gibt auch genügend Zeit für Gespräche und Feiern. Ein Bikergottesdienst wird dann die gut 100 Motorräder aus zehn Nationen zusammenführen. Die begleiten den Konvoi in unterschiedlichen Formationen wie gewohnt.

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