Marjet Melzer-Ahrnken verlässt am Dienstag das Team von Stuhr Kultur

Trauriger Abschied im Homeoffice

Erst nach der Corona-Krise verabschiedet sich Marjet Melzer-Ahrnken offiziell von ihren Rathauskollegen. Foto: Privat

Stuhr - Von Andreas Hapke. Nach knapp dreieinhalb Jahren endet für Marjet Melzer-Ahrnken die Vertretungszeit in der Stabstelle für Wirtschaft, Stadtmarketing und Kultur der Gemeinde Stuhr. Eine prägende Zeit, wie die 41-Jährige im Gespräch mit der Kreiszeitung verrät. Insbesondere als kulturelle Koordinatorin war sie das Gesicht von Stuhr Kultur – sei es bei den Besuchern, den Künstlern oder den Medienvertretern. Vor ihrem letzten Arbeitstag am 2. April blickt die studierte Kultur- und Sozialwissenschaftlerin zurück und stellt der Gemeinde ein sehr gutes Zeugnis für ihr kulturelles Programm aus.

Frau Melzer-Ahrnken, Ihren Abschied haben Sie sich bestimmt ein bisschen anders vorgestellt als im Homeoffice wegen der Corona-Krise?

Noch fühlt es sich gar nicht richtig nach Abschied an. Ich spreche mich auch von zu Hause aus viel mit den Kollegen ab. Wir haben tatsächlich noch viel zu tun, zum Beispiel mit den Absagen der Veranstaltungen. Mir war klar, dass der Abschied traurig werden wird, aber dass er so traurig wird, habe ich mir nicht vorgestellt.

Wird sich denn noch eine Gelegenheit ergeben, den Kollegen standesgemäß „Auf Wiedersehen“ zu sagen?

Klar, wenn es Frau Merkel erlaubt. Ich werde privat ins Rathaus kommen und mich offiziell verabschieden. Das ist auch üblich hier, dass man noch einmal zusammenkommt, Kuchen oder Süßigkeiten ausgibt.

Nach dreieinhalb Jahren im Rathaus: Wie bewerten Sie Stuhr Kultur?

Ich habe ja eine Weile beide Bereiche betreut, Kunst und Musik, zuletzt hatte ich wieder mehr mit Kunst zu tun. Ich finde, Stuhr hat ein vielfältiges, gelebtes, intensives Angebot, was ungewöhnlich für eine Gemeinde dieser Größenordnung ist. Musikalisch spricht es verschiedene Publikumsbereiche an, allein schon durch die Veranstaltungsorte: das Rathaus für den kleinen, die Gutsscheune Varrel für den großen Rahmen. Hinzu kommt die Kunst in der Künstlerstätte, wo ja nicht nur die Stipendiaten ausstellen. Da sind spannende Dinge zu sehen, die man in der Provinz nicht erwarten würde. Insgesamt ist das ein rundes Paket.

Haben Sie sich das bei Amtsantritt so vorgestellt?

Natürlich hatte ich mich vorher informiert und hatte beim Vorstellungsgespräch einen Überblick. Doch in dieser Größenordnung hätte ich das nicht erwartet; auch nicht, dass so viele Veranstaltungen ausverkauft sind.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Das waren Dinge, die den Rahmen sprengen, echte Herausforderungen, zum Beispiel das Chinesische Neujahrskonzert. Eine große Reisegruppe, viele Musiker auf der Bühne, ein großer instrumenteller Aufwand, viele Vorgaben – wie setzt man das um? Das ist ja oft so in der klassischen Musik. Die habe ich schon immer am spannendsten gefunden, auch in meinem Studium.

Im vergangenen Jahr haben Sie die Bilanz 2018 präsentiert und dabei angemerkt, Sie hätten sich beim Buchen von Künstlern zurückgehalten. Um am Ende festzustellen, dass noch Luft für zwei weitere Konzerte gewesen wäre. Sind Sie inzwischen forscher geworden?

Definitiv. Ich war damals in die neue Position gerutscht (kulturelle Koordinatorin, die Red.) und fand es sinnvoll, vorsichtig anzufangen. Ich habe aus dieser Erfahrung gelernt und dann mutiger gebucht.

Welche Erfahrungen haben Sie noch gesammelt?

Es war total spannend, durch die Elternzeit einer Kollegin plötzlich Führungskraft zu sein. Vorgesetzte in einem kleinen Team von vier Personen. Man macht sich Gedanken, wie man sich in der Rolle verändert. Das kann ich für die Zukunft gebrauchen. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar dafür, dass ich durch die Elternzeit meiner Kollegin in die alleinige Verantwortung gekommen bin. Toll, dass die Chefs mir das zugetraut hatten. Aber ich hatte mir das auch selbst zugetraut.

Eine Ihrer ersten Amtshandlungen war, Stuhr Kultur bei Facebook zu präsentieren.

Ja, das lag schon auf dem Schreibtisch, als ich kam. Also habe ich es übernommen. Damals war das noch das führende soziale Medium, da hat sich viel verändert. Ich war dafür, das zu erweitern, doch da sind noch nicht alle von überzeugt.

Wo sehen Sie denn noch Defizite? Jetzt können Sie es ja sagen.

Das Programm würde ich gerne jünger sehen. Doch da muss man feststellen, dass es nicht für alles eine Spielstätte gibt. Hip-Hop im Ratssaal? Das Ambiente passt nicht zu einer Jugendkultur. Da müsste eine größere Veränderung her, bevor man solche Angebote macht. Bei Esther Bejarano und der Microphone Mafia (Auftritt im November 2019, die Red.) waren viele junge Leute im Ratssaal, aber das war auch nicht nur Hip Hop, sondern eine sehr politische Veranstaltung. Ich sehe da noch keine Lösung.

Was ist ansonsten nicht so gut gelaufen in den dreieinhalb Jahren?

Manchmal habe ich es als unbefriedigend empfunden, wenn ich eine Band gebucht hatte, und die Leute kamen nicht. Warum? Man erfährt es nicht. Es ist schwierig, so etwas einzuschätzen, und auch schade für die Künstler. Doch zum Glück kam das nicht so oft vor.

Werden Sie jetzt – oder besser: nach Corona – wieder häufiger Konzerte in Ihrer Freizeit besuchen?

Ja, ich denke schon. Es ist nicht so leicht, Veranstaltungen zu besuchen, wenn man arbeitsbedingt schon Abende damit verbringt. In der Zeit hatte ich private Konzertbesuche runtergeschraubt. Das wird wieder besser.

Was sind denn Ihre Vorlieben?

Klassik in der Glocke, die Bremer Philharmonie, aber auch Rockmusik.

Welche beruflichen Pläne haben Sie jetzt?

Ich bewerbe mich, aber es gibt noch nichts Konkretes. Man muss sehen, wie das mit der Corona-Krise weitergeht. Ich würde gerne wieder in einer Kulturinstitution arbeiten. Dafür ist die Zeit vielleicht gerade ungünstig, aber ich bin zuversichtlich.

Hätten Sie gerne in Stuhr weitergemacht?

Ja, aber ich gönne meinen Vorgängerinnen, dass sie in den Beruf zurückkehren können. Ich habe das ja im Vorhinein gewusst.

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