Reisebüros in der Coronakrise

Tourismus nimmt wieder Fahrt auf: „Der Reisewille ist ungebrochen“

Mehrere Wochen standen die Busse still, nun rollt der Betrieb wieder an – wenn auch mit Einschränkungen. Frank Cordes, Inhaber des Busreiseunternehmens Sausner-Reisen in Seckenhausen, hat aktuell die ersten Fahrten nach der coronabedingten Betriebspause im Blick
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Mehrere Wochen standen die Busse still, nun rollt der Betrieb wieder an – wenn auch mit Einschränkungen. Frank Cordes, Inhaber des Busreiseunternehmens Sausner-Reisen in Seckenhausen, hat aktuell die ersten Fahrten nach der coronabedingten Betriebspause im Blick

Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung für viele Länder aufgehoben. Was bedeutet das für Reisebüros und Bus-Unternehmen? Wir haben bei zwei Stuhrer Betrieben nachgefragt.

Stuhr – „Die Nachfrage nach den beliebtesten deutschen Urlaubsregionen schießt gerade durch die Decke. Und die Zahl der Betten, die angeboten werden dürfen, ist wegen Corona begrenzt“, sagt die selbstständige Reiseberaterin Kristina Zivkovic. Seit 2006 betreibt sie in Moordeich ein Reisebüro im Homeoffice. Auch Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Flugreisen befinden sich in ihrem Angebot.

„Die Aufhebung der Reisewarnung ab 15. Juni gilt zunächst nur für 31 europäische Länder“, beschreibt sie die aktuelle Lage. Für viele andere Länder wurde die Reisewarnung bis zum 31. August verlängert. „Es ändert sich ja schlagartig alles – von Tag zu Tag“, meint Zivkovic, die die Entwicklung aufmerksam verfolgt.

Stornierungen und Rückvergütungen an der Tagesordnung

In den letzten zweieinhalb Monaten habe sie sich mit Stornierungen und Rückvergütungsmaßnahmen beschäftigen müssen. Aber auch mit Kunden, die eine Reise in der zweiten Jahreshälfte antreten möchten, stehe sie im Dialog. Sofern außerhalb der Reisewarnungen eine Absage des Veranstalters noch nicht ausgesprochen worden sei, empfehle sie stets, mit einer Kündigung noch zu warten, um nicht eine kostenpflichtige Stornierung auszulösen. „Der Beratungsbedarf ist immens gestiegen“, so Zivkovic.

„Es geht jetzt wieder los mit Reisen im Juli und August innerhalb Deutschlands und zu Nachbarländern wie Österreich zum Beispiel“, berichtet sie aus ihrem Alltag. Der Reisewille sei ungebrochen. „Bei den Flugreisen ist es jedoch noch sehr zögerlich, weil die Reisenden nicht wissen, welche Situationen und behördlichen Beschränkungen sie vor Ort erwarten.“

Bis zum 31. August herrsche noch ein Verbot für Großveranstaltungen. „Dazu zählen auch Kreuzfahrtreisen auf großen Schiffen mit 3000 bis 5000 Passagieren“, sagt die Reiseexpertin weiter. „Einzelne Reedereien planen für Juli und August Kurzreisen mit einer begrenzten Anzahl von Passagieren“, berichtet sie. Die Nachfrage für Kreuzfahrtreisen im nächsten Jahr sei unverändert hoch. „Man kann schon Reisen bis 2022 buchen.“

Kurzreisen per Bus seit dem 8. Juni wieder möglich

Kurzreisen per Bus sind bereits seit dem 8. Juni wieder möglich. Die Nachfrage sei noch verhalten, räumt Frank Cordes ein, Inhaber von Sausner-Reisen in Seckenhausen. Das Unternehmen betreibt auch zwei Reisebüros in Kirchweyhe und Syke. „Bei den Tagesfahrten ist das Interesse größer als bei den Mehrtagesreisen.“ Aktuell hat der Firmenchef die ersten Fahrten nach der coronabedingten Betriebspause im Blick: „Wir bieten am 20. Juni eine Tagesfahrt zum Steinhuder Meer an und fahren einen Tag später für sechs Tage in den Schwarzwald.“ Allerdings können die Busse gemäß den behördlichen Auflagen nur mit der Hälfte der maximal möglichen Passagiere besetzt werden. Und die Reisenden müssen während der gesamten Fahrt Mund- und Nasenschutz tragen. „Die Durchführung von Busreisen setzt natürlich auch voraus, dass am Zielort Hotelbetriebe und Gastronomie wieder zur Verfügung stehen“, erzählt Frank Cordes von den Herausforderungen bei der Reiseplanung.

Für die Zeit der Betriebsschließung hatte Cordes eine Freistellung der Versicherungsbeiträge für seine fünf Busse erreicht. Büromitarbeiter und Fahrer gingen in Kurzarbeit. „Mit einer nur 50-prozentigen Auslastung und maximal 26 Passagieren pro Bus können wir die Reisen aufgrund der Fixkosten nicht wirtschaftlich betreiben“, äußert sich Cordes kritisch. „Das ist das, was uns und der ganzen Branche schwer im Magen liegt. Wir dürfen wieder fahren und deshalb machen wir es auch, um Präsenz zu zeigen.“

Ein Problem bestünde dann, wenn sich 35 Personen für eine Reise anmelden und für die Strecke zwei Busse eingesetzt werden müssen. „Ich will ja auch niemanden ablehnen“, setzt sich Cordes für seine Gäste ein. „Das möchte ich meinen Kunden nicht zumuten.“

Von Rainer Jysch

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