Brautmoden-Branche leidet unter Corona / Geschäft in Stuhr muss schließen

„Totale Ausnahmesituation“

60 Brautpaare haben sich in diesem Jahr in der Gemeinde Stuhr trauen lassen. Viele verschieben ihre große Feier und es werden weniger Kleider gekauft. Das bemerken die Brautmoden-Ausstatter.
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60 Brautpaare haben sich in diesem Jahr in der Gemeinde Stuhr trauen lassen. Viele verschieben ihre große Feier und es werden weniger Kleider gekauft. Das bemerken die Brautmoden-Ausstatter.

Stuhr – Die Hochzeit ist bekanntlich der schönste Tag im Leben, aber in Zeiten von Corona fällt auch diese Feierlichkeit anders aus: weniger Gäste, Abstand halten, keine große Party und keine innigen Umarmungen. War der Tisch im passenden Restaurant reserviert oder der perfekte Saal gemietet, mussten die Gastronomen für mehrere Wochen schließen.

60 Paare haben sich in diesem Jahr in der Gemeinde Stuhr das Jawort gegeben. „Es hält sich eigentlich die Waage zum letzten Jahr“, sagt Gabriele Meyer vom Standesamt. Zwar haben einige abgesagt, manch andere wollten aber trotz der Umstände heiraten. „Die starken Monate sind August und September.“ Meyer glaubt, dass einige Brautpaare standesamtlich heiraten, aber ihre Hochzeitsfeier verschieben.

Das können die Brautmoden-Ausstatter bestätigen. Fallen die großen Feiern weg, werden weniger Kleider gekauft. Für das Dream Haus in Brinkum bedeutet die Corona-Krise das Aus. „Ende September höre ich auf“, teilt Inhaberin Narin Kurak mit. Das Gewerbe habe sie bereits abgemeldet. Vor mehr als zehn Jahren hat sie ihr Geschäft, in dem sie sowohl Braut- als auch Abendmode anbietet, mit einer Verkaufsfläche von 170 Quadratmetern eröffnet.

In der vergangenen Zeit seien kaum noch Kunden zu ihr gekommen – auch nach der Öffnung nicht. „Wir hatten immer ein schönes Geschäft. Dieses Jahr wurde aber wegen Corona alles abgesagt.“ Neben Hochzeiten nennt Kurak Familienfeiern und Abibälle, die nicht gefeiert werden konnten. „Ich kann das Geschäft nicht halten und ich habe keine Rücklagen mehr.“

Weder sie noch ihre Kunden können wissen, ob die Situation im kommenden Jahr besser aussehen wird. „Wenn sie nicht wissen, wie es weitergeht, dann kaufen sie auch keine Kleider. Viele können sich auch keine Feier leisten“, sagt Kurak.

Eugenia Burgardt ergeht es ähnlich. Sie betreibt das Braut- und Abendmoden-Geschäft La Sürprise in Diepholz. Sie bietet dort um die 500 Abend- und zwischen 200 und 300 Brautkleider an. Ihr Geschäft leide ebenfalls unter der Corona-Krise. „Im Moment kommen so gut wie keine Kunden. Es wurde ja alles abgesagt.“ Sie ergänzt: „Das hatte ich vorher noch nie. Das ist eine totale Ausnahmesituation.“

Ihre Kundinnen würden im Moment eher zu schlichteren und günstigeren Roben greifen. Sie begründet es damit, dass Feiern in diesem Jahr unter anderen Bedingungen stattfinden. „Die meisten feiern im kleinen Kreis. Dann ist die Stimmung eine ganz andere.“ Sie ergänzt: „Es gibt Einschränkungen. Man muss Abstand halten und dann wird nicht getanzt. Und sie haben keine Lust, mit Maske zu feiern.“ Dann sei es aus ihrer Sicht auch keine richtige Feier.

Bräute, die sich ihr Kleid für ihre Hochzeit im kommenden Jahr aussuchen, habe sie nicht. Sie nennt denselben Grund wie Kurak: „Viele planen ihre Hochzeit noch nicht, weil sie nicht wissen, was im nächsten Jahr ist.“ Falls Bräute noch auf der Suche sind: In ihrem Geschäft seien viele Artikel reduziert.

Sara Terveen betreibt das Brautmodengeschäft Braut im Glück in Bruchhausen-Vilsen. Sie bestätigt: „Viele heiraten dieses Jahr standesamtlich und feiern dann nächstes Jahr groß.“ Die Auswahl des Kleides sei jedoch ganz vom Typ abhängig. „Manche wollten vorher schon dieses eine Kleid.“ Gefragt seien unter anderem die Klassiker wie die A-Linie oder auch Boho- und Vintage-Kleider.

Sie habe auch Kundinnen, die ihr Kleid für ihre Hochzeit im kommenden Jahr kaufen würden. „Ich habe auch Bräute, die erst 2022 heiraten. So ein Jahr hatte ich noch nie. Alles ist total verwirrend.“

Die Kunden müssten bei der Anprobe Masken tragen und den Abstand einhalten. „Wir schauen, ob die Braut das Kleid selber zumachen kann, oder die Mama übernimmt das. Aber ich berate weiterhin ganz normal.“

Eine Zeit lang durfte die Braut auch nur eine Begleitperson mitnehmen. „Jetzt sind aber wieder vier zugelassen. So langsam normalisiert es sich“, so die Brautmoden-Ausstatterin. „Die Hauptsaison beginnt jetzt für mich.“ Die Termine zur Anprobe im August und September seien bereits gut gebucht. „Aber es kann immer mal sein, dass jemand absagt.“ Zwischen 160 und 180 Kleider bietet Terveen in ihrem Geschäft an. Und für Kundinnen, die für ihr Brautkleid nicht ganz so viel Geld ausgeben möchten, habe sie auch reduzierte Roben in ihrer Boutique.

Von Lara Terrasi

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