Ulrich Semrau und Solistenensemble

Releasekonzert in Kirche: Ein Tonstudio der besonderen Art

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Die Musiker ziehen ihr Publikum in ihren Bann.

Heiligenrode - Schleppend verlief der Vorverkauf zum Releasekonzert einer in der Klosterkirche Heiligenrode aufgenommenen CD mit Trompeter Ulrich Semrau. Das anfängliche Magengrummeln vom gastgebenden Kirchenvorstand und Alt-Pastor Roland Kennerknecht sollte sich hinsichtlich immer mehr ankommender Besucher am späten Sonntagnachmittag aber schon bald legen. Die gut besetzten Kirchenbänke der Marienkirche boten mit den brennenden Kerzen auf dem Altar die passende Kulisse für einen ganz besonderen Konzertgenuss mit Meisterwerken der barocken Trompetenmusik.

Kirchenvorstandsmitglied Wilhelm Fastje besucht seit Jahren mit Ehefrau Andrea das Neujahrskonzert der Klassischen Philharmonie Nordwest unter der Leitung von Ulrich Semrau. Dieser sprach ihn an und fragte, ob es möglich sei, eine CD in der akustisch hervorragenden St. Marienkirche in Heiligenrode aufzunehmen. Kein Problem – im Gegenteil, der Kirchenvorstand und Pastorin Tabea Rösler zeigten sich vom Projekt mit Trompeter Ulrich Semrau und seinem Solistenensemble der Klassischen Philharmonie begeistert. So wurde vor gut einem halben Jahr an zwei Tagen der Tonträger aufgenommen. Unter besten Bedingungen für Tonmeister Martin Howie, denn nicht nur Zaungast Pastor Roland Kennerknecht hatte flach geatmet und keinen Huster gewagt, wie er selber lachend anmerkte.

„Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes, vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich“, wusste schon Martin Luther, und so begrüßte Pastorin Rösler die Gemeinde voller Vorfreude. Nicht nur die Werke der CD sollten vorgestellt werden, sondern zum „Luftholen“ des Trompetensolisten Semrau gab es festliche Kompositionen für Streicher.

Begonnen wurde das fast zweistündige Konzert mit Guiseppe Torelli (1651 bis 1709) und einer Sonate für Trompete. Ulrich Semrau leitete anschließend mit zahlreichen Informationen zu Areangelo Corelli (1690 bis 1768) über. Tommaso Albinoni (1671 bis 1750) war mit seinem eigentlich für die Oboe geschriebenen Concerto d-moll 9 Nr. 2 eine Herausforderung für die Trompete, der sich Semrau souverän stellte.

Es machte Spaß, sich dem Hörgenuss hinzugeben, und sicherlich jubelte so manches Herz voller Begeisterung, und das nicht nur beim legendären, im Jahr 1731 von Johann Sebastian Bach komponierten Stück „Air“.

Im zweiten Programmteil verriet Semrau, warum er als Neunjähriger seine Begeisterung für die Trompete entdeckte. Ein Konzertbesuch mit seinen Eltern in der Bremer Glocke sei der Ausschlaggeber gewesen, vom Klavier später zur Trompete zu wechseln. Startrompeter Maurice André hinterließ einen bleibenden Eindruck. „Das hat sich gelohnt“, kam prompt der Kommentar aus dem Publikum. Mit Henry Purcell (1659 bis 1695) ging es zur Barockmusik nach England und schließlich endete das Konzert wieder in Italien.

„Zugabe“ forderte das Publikum. Ulrich Semrau und sein Ensemble mit Réka Viktoria Lélek (1. Geige), Oksana Golovka (2. Geige), Joachim Brockes (Bratsche), Domonkos Barna (Cello), Vitali Schepilo (Kontrabass) und Eva Telek (Cembalo) erfüllten die Bitte nur allzu gerne.

Die Blumen überreichte Pastor Kennerknecht schließlich zur allgemeinen Überraschung der Cembalistin, die ganz versteckt hinter der Kanzel Platz genommen hatte. Dem „Danke für einen wundervollen Spätsommernachmittag“ von Pastorin Rösler konnte sich das ganze Gotteshaus nur anschließen.

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