Kooperation zwischen Zeitung und MGH

Bilanz zur Serie „Urlaub – richtig früher“: „Das war ein tolles Projekt“

Andreas Hapke und MGH-Leiterin Daniela Gräf
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Die Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Mehrgenerationenhaus und Kreiszeitung sind im MGH an einer großen Pinnwand und in einem von Leiterin Daniela Gräf angelegten Ordner nachzulesen. Rechts: Kreiszeitungs-Redakteur Andreas Hapke.

Zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 haben das Mehr-Generationen-Haus in Brinkum und die Kreiszeitung das Projekt „Urlaub – richtig früher“ ins Leben gerufen. Die Ergebnisse hängen jetzt an einer Pinnwand im MGH.

Brinkum – „Am letzten Abend schlägt der Blitz ein“, „Schwimmen bis zum Zähneklappern“ und „Ferien beim Klassenfeind“ – unter Überschriften wie diesen hat die Kreiszeitung seit April vergangenen Jahres in unregelmäßigen Abständen Urlaubserinnerungen der Menschen aus Stuhr und Umgebung veröffentlicht. Die Idee hinter dem gemeinsamen Projekt mit dem Mehrgenerationenhaus (MGH) in Brinkum: Zu Beginn der Corona-Pandemie, als der Aktionsradius jedes Einzelnen auf ein Minimum beschränkt war, sollten die Bewohner Erlebnisse aus „echten Urlauben“ aus ihrem Gedächtnis hervorkramen und zu Papier bringen.

Das MGH hat die Geschichten gesammelt, die Kreiszeitung sie für ihre Leserinnen und Leser aufbereitet. Die Serie „Urlaub – richtig früher“ ist zwar abgeschlossen, aber noch nicht vollständig ad acta gelegt. Auf einer großen Pinnwand im Flur des MGH sind die veröffentlichten Artikel ausgestellt.

Vor allem Senioren folgten dem Aufruf von MGH und Kreiszeitung

Vor allem die Senioren, die noch mehr unter der Isolation zu leiden hatten als Menschen anderer Altersgruppen, waren angesprochen, von früheren Ferien zu erzählen. Und einige von ihnen folgten diesem Aufruf. Aus der Statistik von MGH-Leiterin Daniela Gräf geht hervor, dass sich 18 Autoren an dieser Serie beteiligten, Männer ebenso wie Frauen. Insgesamt haben sie 38 Geschichten verfasst, wobei sich zwei Frauen als echte Vielschreiberinnen hervortaten: Corinna Niemeyer reichte 15, Ulla Goldschweer sieben Berichte ein. Von kurzen Aufsätzen bis zu solchen, die sich über vier, fünf Din-A4-Seiten erstreckten, war alles dabei.

„Es war ein tolles Projekt. Das hat richtig Spaß gemacht. Auch den Leuten, die geschrieben haben“, sagt Daniela Gräf. „Ich hätte nie gedacht, dass so viel eingereicht wird, dass es so schöne Geschichten sind, und dass so viel davon in der Zeitung erscheinen.“

Früher ging es im Urlaub nicht immer in die große, weite Welt

Dass früher anders geurlaubt wurde als heute – im Sinne von vor Corona – spiegelt sich ebenso in den Erzählungen wider wie die Lebensfreude, die die Reisenden dabei empfanden. Nicht immer ging es in die große, weite Welt, und das musste auch gar nicht sein. „Aus kleinsten Begebenheiten haben sie etwas Schönes rausgezogen“, erzählt Daniela Gräf. Die Autoren hatten auch in Bremerhaven oder am Timmendorfer Strand unvergessliche Erlebnisse. Gabi Waehnert etwa verliebte sich „augenblicklich“ in den Pianisten des Cafés „Florida“ in Scharbeutz und wollte gar nicht mehr von dort weg.

Überhaupt ging es in den Erzählungen häufig um das Thema Liebe, ob erfüllt oder unerfüllt. Letzteres passierte Ulla Goldschweer 1966 in Heiligenhafen, wo sie ihren ersten Kuss mit einem Jungen aus Duisburg erlebte. „Aus die Maus“ hieß es nach dem Urlaub, denn: Sie sei erst 17 Jahre alt gewesen, und ein Ferngespräch wäre in der Telefonrechnung aufgefallen.

Unsterblich verliebt: Gabi Waehnert (l.) und der Klavierspieler aus einem Café in Scharbeutz.

„Bei fast allen Autoren habe ich den Eindruck, ich kenne sie persönlich. Manchmal habe ich einfach nur dagesessen und war den Tränen nah. Weil sie es so schön erzählt haben, alles kam durchgängig von Herzen.“ Etwa im Fall von M. Sattelberg (wollte ihren vollständigen Namen nicht nennen, die Red.), die 1961 während des Mauerbaus ihren Urlaub in den Niederlanden verbrachte und sich sorgte, ob sie wieder in die DDR würde einreisen können. Sie konnte. Allerdings durfte sie erst 24 Jahre später wieder in die Niederlande fahren. Für Gräf ist das ein Beispiel dafür, wie mitunter „Geschichten mit Geschichte verwoben sind“. Ein weiteres Beispiel liefert Corinna Niemeyer, die während einer Rumänien-Reise in eine Kundgebung geriet.

Auffällig: Immer wieder tauchen auf den Fotos die Autos auf, in denen die Autoren ihre zum Teil beschwerlichen Reisen auf sich genommen hatten. „Der Wagen hatte zu der Zeit einen viel höheren Stellenwert als heute, auch bei den Frauen“, stellt Daniela Gräf fest. „Kaum jemand konnte damals einfach in ein Flugzeug steigen und wegfliegen.“ Einigen wenigen war dies aber vorbehalten, weshalb sich in der Serie eine Bandbreite von „Schrebergarten bis China“ ergab, wie die MGH-Leiterin erzählt.

Ohne Auto war das Reisen schwer – und sei es nur der Ausflug von Wuppertal zur Bevertalsperre.

Nicht immer war das Fotomaterial auf Anhieb brauchbar, sodass Daniela Gräf am PC nachbessern musste. Die Fahrenhorsterin Gisela Gustavus reichte gar kein Foto ein, sondern malte von ihrem Bodensee-Urlaub im Jahr 1949 ein Bild aus der Erinnerung heraus.

Von der ursprünglichen Idee, mit den Texten und Fotos eine größere Ausstellung zu bestücken, ist Gräf abgerückt. Der dicke Ordner mit Texten und Fotos würde dies zwar hergeben, doch gerade darin liegt auch das Problem: „Zahlreiche Geschichten sind einfach zu lang.“ Viel lieber würde sie sämtliche 18 Autoren in die Backstube des MGH einladen, wenn die Pandemie das irgendwann zulässt. „Das gibt bestimmt eine schöne Erinnerungsrunde. Zumal es zu den meisten Geschichten noch eine Geschichte drumherum gibt“, sagt Daniela Gräf. Und wer weiß schon, was sich aus der kleinen Schriftstellerrunde wieder für Geschichten ergeben ...

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