Réka-Zsuzsánna Fülöp und Ralf Wosch spielen biblische Lieder

Todesangst von Antonin Dvorak wird spürbar

Temperamentvoller Auftritt in Heiligenrode: Das Kreiskantorenehepaar Réka-Zsuzsánna Fülöp und Ralf Wosch. - Foto: Kratz

Heiligenrode - Von Angelika Kratz. „Mal was anderes“ haben sich die hiesigen Kirchen längst auf ihre Fahnen geschrieben, und so überraschte die Klosterkirche ihre musikalische Anhängerschar am Sonnabend mit einem kleinen, feinen Konzert. Biblische Lieder von Antonin Dvorak standen auf dem gut einstündigen Programm – als Einstimmung zum Ewigkeitssonntag, wie Pastorin Tabea Rösler in ihrer Begrüßung den Totensonntag bezeichnete.

Bevor das Kreiskantorenehepaar Réka-Zsuzsánna Fülöp und Ralf Wosch aus Bassum mit Orgel, Klavier und Gesang die Zuhörer begeisterte, galt es, dem gewaltigen 17-Uhr-Geläut der Kirchenglocken zu lauschen.

„Primi Toni“ hieß es im Anschluss mit Ralf Wosch an der Orgel. Geschrieben hat das einleitende Stück der einst bei Kaiser, König und den Kurfürsten sehr geschätzte Arnolt oder Arnold Schlick (geboren um 1460, gestorben vermutlich 1521), der auf Lebenszeit am kurpfälzischen Hof in Heidelberg angestellt war. Ihm folgte Johann Sebastian Bachs (1685 bis 1904) Praeludium und Fuge in F-Dur und in C-Dur aus dem „Wohltemperiertem Klavier“.

Musikalisch eingestimmt wechselte Wosch von der Orgel zum Piano in den Altarraum. Dort wartete Ehefrau Réka-Zsuzsánna Fülöp mit den „Biblischen Liedern“ von Antonin Dvorak (1841 bis 1904). Geschrieben hatte der böhmische Komponist den ursprünglich zehnteiligen Zyklus während seines Amerikaaufenthalts 1884 in New York in einer tiefen mentalen Krise. Trost und Zuspruch fand Dvorak im Buch der Psalmen. 

Er verlieh den religiösen Themen ganz neue Klänge und Ausdrucksformen. Réka-Zsuzsánna Fülöp gelang es mit ihrer wunderschönen Stimme, Dvoraks Innigkeit der Gebete, der Todesangst und Zuversicht nachhaltigen Raum in der Marienkirche zu verschaffen.

„Mir hätte es gefallen, die ganzen Bibelstellen auf dem Programmzettel zu lesen“, lautete die Kritik einer Besucherin wegen der fehlenden Texte.

„Zum Sackenlassen“ wechselte Wosch danach wieder vom Klavier zur Orgel und beeindruckte mit Johann Pachelbel (1653 bis 1706) und dessen Orgelvariationen zum Thema „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ sowie mit einer „Toccata“ des französischen Komponisten Théodore Dubois (1837 bis 1924).

In die Neuzeit der Musik ging es mit dem deutschen Komponisten, Kirchenmusiker und Organisten Johannes Matthias Michel (geb. 1962) und mit „Jazz nuptile“.

Zum Abschluss eines sehr abwechslungsreichen Konzerts trat noch einmal Réka-Zsuzsánna Fülöp ins Scheinwerferlicht und zeigte mit George Gershwin (1898 bis 1937) und dem „Somebody loves me“ und „I got rhythm“ eine ganz andere musikalische Seite voller Lust an der temperamentvollen Darbietung. Eine Zugabe war somit unbedingt notwendig.

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