Der mit den Tischtennistricks

Moritz Jungblut ist der neue Streetworker in der Gemeinde Stuhr

Freut sich auf die wärmere Jahreszeit und Aktivitäten draußen: Streetworker Moritz Jungblut. Foto: Jantje Ehlers
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Freut sich auf die wärmere Jahreszeit und Aktivitäten draußen: Streetworker Moritz Jungblut.

Stuhr - Nach rund einjähriger Vakanz hat die Gemeinde Stuhr die Stelle des zweiten Streetworkers wieder besetzt. Moritz Jungblut ersetzt den im April vergangenen Jahres auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen Eric Guinebert. Er und Julien Jacquot sind nun die Gesichter der „aufsuchenden Straßensozialarbeit – Schwerpunkt Jugend“, so die korrekte Bezeichnung.

Moritz Jungblut ist gelernter Erzieher, seine Ausbildung hat er an den Berufsbildenden Schulen in Rotenburg absolviert. Danach war er im Mehrgenerationenhaus (MGH) Bürgertreff in Verden tätig. Seine Aufgaben dort waren so unterschiedlich wie die Menschen, die den Treff besuchten. Die offene Kinder- und Jugendarbeit zählte ebenso dazu wie die Begleitung von Eltern-Kind-Gruppen sowie PC- und Smartphone-Kurse für Senioren.

Der Kontakt zum MGH entstand über die Zehn-Stunden-Stelle, die er während seiner Ausbildung bei der Stadt Verden bekleidet hatte. Jungblut betreute den Fridolin-Bus, einen Doppeldecker-Bus mit Spieleangeboten in der oberen Etage. „Mit Rutsche im Fahrzeug“, sagt Jungblut. „Das Ganze richtete sich an Drei- bis Elfjährige. Für die Älteren war das eher uncool.“ Bei Ferienprojekten in Verden sei auch das MGH vertreten gewesen.

„Sechs Jahre konnte ich mich im MGH ausprobieren und für die Menschen aus dem Quartier da sein“, erzählt Jungblut. In dieser Zeit habe er festgestellt, dass ihm die Arbeit mit Jugendlichen am meisten Spaß mache. Für und mit dem Nachwuchs hat der 29-Jährige in Verden das Musikfestival Jump auf die Beine gestellt. „Ich habe auch eine Wohnung organisiert, die die Jugendlichen als Treff nutzen konnten“, berichtet er. Um seine Vorliebe für die Jugendarbeit auch zum Schwerpunkt seines Berufs zu machen, kam das Stellenangebot aus Stuhr wie gerufen. Zumal er bereits das Abschlusspraktikum seiner Ausbildung im Brinkumer Haus am Wall absolviert hatte. „Das hat mir supergut gefallen“, sagt Jungblut, der ab sofort für alle Jugendlichen auf den Straßen Stuhrs anzutreffen ist.

„Ich möchte mit den Jugendlichen in Kontakt kommen. Sie sollen wissen, dass es mich gibt“, sagt der Streetworker. Er fange gerade an, „Beziehungen zu gestalten“. Dabei sollen ihm die niedrigschwelligen Angebote in den Jugendhäusern – Jungblut nennt Kickern, Darts und Gespräche am Tresen als Beispiele – helfen.

Er wolle als Ansprechpartner eine Alternative zu Eltern und Lehrern sein. „Durch freizeitpädagogische Angebote wird spielerisch und in jugendgerechter Atmosphäre ein Umfeld geschaffen, um Vertrauen aufzubauen, welches in späteren Arbeitsschritten, wie eventueller Beratung bei Problemsituationen, von Nöten ist“, heißt es dazu etwas sperrig in der Mitteilung der Gemeinde.

Probleme sieht Jungblut nicht auf sich zukommen: „Es ist bislang selten passiert, dass Jugendliche abblockend auf mich reagiert haben. Wenn man offen auf sie zugeht, sind sie auch offen.“ Man müsse aktiv sein, stellt Thorsten Meyer, Leiter des Teams Jugend im Rathaus, fest. „Dadurch entsteht direkt eine ganz andere Bindung. Wir haben aber auch Sprechzeiten in den Jugendhäusern. Das ist ebenfalls gut für den Erstkontakt. Wenn man sich dann auf der Straße wiedersieht, baut sich auch etwas auf.“

Gemeinsam mit dem Kollegen Jacquot möchte Jungblut künftig einige Projekte anschieben. Musik steht bei beiden hoch im Kurs, weshalb die Fortsetzung einer Idee Jacquots aus dem Jahr 2017 wahrscheinlich erscheint: Seinerzeit studierten die Sozialarbeiter mit Jugendlichen Lieder ein, die sie auf der Straße vortragen wollten. Die Bewohner konnten sich entweder selbst einen Song aus der Liste auswählen oder ihn jemandem schenken. Während Jacquot Schlagzeug und Gitarre spielt und auch Lieder schreibt, ist Jungblut mit der Rap-Musik groß geworden.

Eine weitere Leidenschaft des ihn Weyhe lebenden Erziehers ist der Tischtennissport, den er ebenfalls in seine Arbeit integrieren möchte. „Ich könnte den Jugendlichen ein paar Tricks beibringen“, sagt er. Denkbar sei auch ein offenes Tischtennisangebot in einer Sporthalle.

Jungblut freut sich bereits auf den Frühling und die warmen Monate, wenn sich die Jugendlichen draußen ihre Rückzugsräume suchen und wieder verstärkt auf der Funsportanlage am Brinkumer Brunnenweg anzutreffen sind. Darüber hinaus steht für den Neuzugang das Kennenlernen aller in der Jugendarbeit tätigen Personen an. „Nachtwanderer, Spielplatzpaten, Streetworker und Team Jugend – wir wollen uns ganz eng vernetzen“, kündigt Meyer an.

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